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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Vor 100 Jahren starb in Wien der Architekt Otto Wagner. Nach 55 Jahren würdigt nun erstmals wieder eine umfassende Ausstellung seine Beiträge zur Reform der Baukunst

Zu stark elitär, zu wenig revolutionär



Otto Wagner, Modell des „Großen Projektes“ für das Stadtmuseum am Karlsplatz, 1903

Otto Wagner, Modell des „Großen Projektes“ für das Stadtmuseum am Karlsplatz, 1903

Auf hohem Sockel steht zu Beginn ein stattliches Modell. Gerüstartig wirkt die stark durchfensterte glatte Fassade, deren marmorne Plattenverkleidung sichtbar mit Bolzen befestigt ist. Hinter dem in Stahl und Glas aufgelösten Empfangsbau liegt der Ehrenhof samt Haupteingang. Statt eines Säulenportals markiert eine filigran gerippte, offene Bronzekuppel über dem Glaskegeldach das Zentrum des Komplexes. An Gesimsen oder auf Sockeln sind punktuell Figuren oder Reliefs angebracht. So stellte sich Otto Wagner im Jahr 1903 das neue Städtische Museum in Wien vor: Monumental und zugleich modern, ohne historische Stilanklänge mit demonstrativ sichtbarer Eisenkonstruktion. Es nimmt daher nicht Wunder, dass das starke Signal zeitgenössischer Baukunst direkt neben der barocken Karlskirche tiefe Verwerfungen provozierte, die schließlich zur Aufgabe des Projektes führten. Heute steht hier der Besucher in einem erst 1959 eröffneten Museumsbau.


Doch Otto Wagners ungebautes Hauptwerk, das heutige Wien Museum, steht symptomatisch für das Werkschaffen des unangepassten Querdenkers. Seine enorme kreative Energie hatte zur Folge, dass die Zahl unrealisierter Vorhaben die der gebauten bei weitem überstieg. Das Medium der Zeichnung vor allem nicht verwirklichter Ideen, mit dem Wagner seine künstlerischen Vorstellungen gezielt zu kommunizieren verstand, steht somit auch im Mittelpunkt der rund 450 Exponate umfassenden Schau, die an Otto Wagners 100. Todestag am 11. April erinnert und sich derzeit über das gesamte Obergeschoss des Wien Museums ausbreitet.

Breiten Raum nimmt das erstmals ausführlich vorgestellte Frühwerk Wagners ein. Indem er die Erscheinung der Bauten im Stadtbild zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen machte, mehr auf Material und Konstruktion setzte und im Gesamtausdruck gerade einfache Linien, ausgedehnte Flächen und kompaktere Massen favorisierte, wandte er sich vom überladenen Historismus ab. Zeitlebens erstellte er ertragreiche Mietshäuser, mit denen er erfolgreich spekulierte und die ihm finanzielle Unabhängigkeit verschafften. Moderne Baustoffe, allen voran Eisen, bildeten das Rückgrat eines funktionalen Nutzstils, der größere Raumeinheiten erlaubte und Materialverbrauch wie Bauzeit verringerte. Als Ikonen des Jugendstils gelten seine Mietshäuser an der Wienzeile. Das „Majolikahaus“ von 1898 besitzt moderne Balkone aus Eisen sowie eine abwaschbare unempfindliche Plattenfassade. Ihr Blütenmuster, das Wagners Bauleiter Alois Ludwig entwarf, legt sich wie ein Vorhang über die Front und ignoriert dabei die Fensteröffnungen. Der Bauschmuck war das signalhafte Bekenntnis Wagners zur Wiener Secession, als dessen Ideengeber er gilt und der er 1899 beitrat. Seine letzten errichteten Wohnhäuser nehmen in noch radikalerer Einfachheit bereits das Neue Bauen der 1920er Jahre vorweg.

Ab dem Jahr 1894, in dem Otto Wagner zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste berufen wurde, beschäftigte ihn der größte Auftrag seiner Karriere: Die im Wiener Stadtbild omnipräsenten Stadtbahnbauten. Die zu beliebten Ansichtskartenmotiven avancierten, gerüsthaften Stationsgebäude, deren technische Konstruktion aus erstmals vollwertig angewandten Eisenteilen im Kontrast zum geschwungenen Zierrat und Sonnenblumenmalereien stehen, versuchen, reine Technikarchitektur ästhetisch aufzuwerten. Mit den 42 Viadukten, 78 Brücken mit ihren markanten, ursprünglich in Weiß gefassten Sonnenblumengittern und 36 Stationsgebäuden prägte der „Verkleidungskünstler“ das Gesicht der Donau-Metropole wie kaum ein anderer Baumeister. Der Hofpavillon der Stadtbahn in Schönbrunn, den Kaiser Franz Josef lediglich zweimal benutzte, blieb aber der einzige Auftrag für das Herrscherhaus, das Distanz zur modernen Baukunst übte und den barocken habsburgischen „Reichsstil“ protegierte.

Dass nur allzu vieles „Papierarchitektur“ blieb, demonstriert eine Unzahl von Wagners Entwürfen. Zu den hervorstechenden zählt der als zentrale Ehrenhalle konzipierte Eingangsbau der 1898 geplanten Akademie der Bildenden Künste. Flankiert von vier Freisäulen und überladen mit Figurengruppen besetzt, mündet das Konstrukt in der Form antiker Triumphbögen in eine filigrane Eisenkrone. Das Material wird unübersehbar salonfähig, da es nun nicht mehr versteckt eingesetzt wird. Abgesehen von der Synagoge in Budapest konzentrierte sich Wagners Schaffen nahezu ausschließlich auf Wien, obgleich er wiederholt zu Wettbewerben für auswärtige Projekte Entwürfe lieferte. Sie reichen von Planungen für den Berliner Dom im Jahr 1867 über das Rathaus in Hamburg, die Parlamentsgebäude in Berlin und Budapest, die Börse in Amsterdam, den Friedenspalast in Den Haag bis hin zu einem „House of Glory“ in den USA aus dem Jahr 1907.

Daneben rückt die Ausstellung auch kunstgewerbliche Objekte in den Fokus. Wie bei dem Prunkschrank mit niedrigem Sockel und zurücktretenden Aufsatz aus den Jahren um 1895 strebte Otto Wagner auch auf diesem Sektor nach einem Nutzstil. Der konstruktive logische Aufbau rückt funktional nicht Notwendiges ins Blickfeld wie etwa die Verzierungen aus Emailtafeln oder bei einem zeitgleich entstandenen Mokkaservice die silbernen Fassungen. Für das 1906 eröffnete Gebäude der Postsparkasse, seinem einzigen öffentlichen Projekt an der Ringstraße, entwarf er eine Serie preiswerter und zugleich funktionaler Bugholzmöbel, die allesamt heute als moderne Klassiker gelten.

Beispielhaft demonstriert Otto Wagner als Experimentator neuer Baumaterialien bei der „Beschlagenen Geldkiste“, wie im Sinne ehrlicher Lösungen Konstruktives und Künstlerisches zusammengeführt werden können. Die dünnen Marmorplatten werden von Eisenbolzen gehalten, deren Köpfe als funktionalistisches Ornament Aluminiumkappen tragen. Den basilikalen Kassensaal löste Wagner technoid wie ästhetisch gleichermaßen in ein lichtdurchflutetes Konstrukt aus Glas und Eisen auf. Silbern schimmernde zylindrische Aluminiumheizkörper gelten heute als Ikonen modernen Designs.

Neben der Postsparkasse begründet ein weiterer Bau Wagners Ruf als Wegbereiter moderner Architektur, die ein Jahr später vollendete Kirche am Steinhof, das Zentrum einer weitläufigen Heil- und Pflegeanstalt. An den Bedürfnissen der Patienten orientiert, erprobte Otto Wagner für die erste moderne Kirche neue Konstruktionen, Materialien und Formen, allerdings nicht ganz auf Vorbilder aus der Historie des Sakralbaus zu verzichten. Der Anführer moderner Ideen war nicht nur Revolutionär, sondern auch zugleich Teil des Establishments. Wenige Monate vor der politischen Revolution verstarb der evolutionäre Modernisierer, bevor soziale Fragen das „Neue Bauen“ in der Form radikaler Einfachheit und Reduktion fernab elitärer ästhetischer Ambitionen etablieren. Die von seinen Schülern entworfenen monumentalen Superblocks des Roten Wien mit ihren fotogenem Erscheinungsbild sind ein letztes Aufflammen von Wagners Duktus, bevor sein Wirken der Vergessenheit anheimfiel. Noch 1978 wurde eine Stadtbahnstation Wagners abgetragen!

Bleibendes Element der informativen Schau, mit der das Wien Museum ein starkes Zeichen der Verbundenheit zum Baugeschehen der Metropole setzt, ist der stattliche Katalog. Neben einem instruktiven Aufsatzteil mit Analysen ausgewiesener Kenner bündelt das über drei Kilo schwere Kompendium auf 544 Seiten in einem ausführlichen Katalogteil sämtliche Bauten und Projekte, was die Publikation auch als Nachschlagewerk für lange Zeit unersetzbar machen dürfte.

Die Ausstellung „Otto Wagner“ ist bis zum 7. Oktober zu besichtigen. Das Wien Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der umfangreiche Katalog kostet im Museum 50 Euro.

Kontakt:

Wien Museum Karlsplatz

Karlsplatz

AT-1040 Wien

Telefon:+43 (01) 505 87 470

Telefax:+43 (01) 505 87 47 7201

E-Mail: office@wienmuseum.at



10.04.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Otto Wagner, Postsparkasse. Wettbewerbsprojekt, 1903
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 Stadtmuseum am Karlsplatz, 1903
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Otto Wagner, Entwurf zum Ankerhaus, Wien 1., Spiegelgasse 2, 1894
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Otto Wagner, Mietshaus Linke Wienzeile 40 – Majolikahaus, 1898
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Otto Wagner, Originalmodell der Ehrenhalle der
 Akademie der Bildenden Künste Wien, 1897
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Otto Wagner, Hofpavillon der Stadtbahn, 1899

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Otto Wagner, Miethaus Linke Wienzeile 40 – Majolikahaus, 1898

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Otto Wagner, Pavillon Karlsplatz

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Otto Wagner, Kirche St. Leopold am Steinhof, 1902/03

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Gottlieb Theodor von Kempf-Hartenkampf, Porträt Otto Wagner, 1896

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Otto Wagner, Kassensaal der Postsparkasse

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Otto Wagner, Postsparkasse. Wettbewerbsprojekt, 1903

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Otto Wagner, Museumsschablone des Stadtmuseums am Karlsplatz, 1910

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Otto Wagner, Hofpavillon Hietzing, 1899

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Otto Wagner, Armlehnsessel aus der Postsparkasse, 1906

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Otto Wagner, Entwurf zum Ankerhaus, Wien 1., Spiegelgasse 2, 1894

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Otto Wagner, Mietshaus Linke Wienzeile 40 – Majolikahaus, 1898

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