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Hans Josephsohn in Essen

in der Ausstellung „Hans Josephsohn. Existentielle Plastik“

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert aktuell eine Retrospektive zu Hans Josephsohn. Die Schau „Existentielle Plastik“ würdigt damit einen der bedeutendsten Künstler der figurativen Bildhauerei. Der 1920 in Königsberg geborene Schweizer hat sich in seinem Tun mit Fragen nach der existenziellen Verfassung des Menschen beschäftigt und die bildhauerischen Mittel wie auch ihre Wirkungsmöglichkeiten erprobt. Die mehr als 70 Exponate von Josephsohn spannen den Bogen vom Frühwerk der 1950er bis zum Spätwerk der 1990er Jahre. Gipsmodelle, Reliefs und Zeichnungen geben Einsicht in die Arbeitsweise des 2012 in Zürich verstorbenen Künstlers. In einem Filmraum sind die Dokumentationen „Stein des Anstosses“ von 1977 und „Josephsohn Bildhauer“ von 2007 zu sehen. Beide zeigen den Künstler bei seiner täglichen Arbeit an Figuren und Reliefs.

Hans Josephsohn konzentriert sich in seinen Arbeiten auf Grundformen der menschlichen Figur, etwa den Kopf, die Halbfigur oder die Liegende. Die Suche nach der richtigen Form beherrscht sein Werk, Gips war sein bevorzugtes Medium. Das Material erlaubte dem Künstler seine Plastiken immer wieder zu bearbeiten und weiterzuentwickeln. Sukzessive aufgetragene Schichten und eine brüchige oder zerklüftete Oberfläche, trotz Spuren eines nachträglichen Glättens, charakterisieren seine Schöpfungen, wie es seine „Liegende“ von 2006 illustriert. Stark vereinfachte Formen lassen eine weibliche Gestalt erahnen. Diese prozesshafte Arbeitsweise ist auch in seinen Messinggüssen zu beobachten. Meist arbeitete Josephsohn nach Modell und suchte nach der Balance zwischen Körperlichkeit und Abstraktion. Einige seiner Frühwerke sind schmal wie Stelen, andere zitieren die Gesichtszüge und Körperhaltung des Modells. Die späteren Halbfiguren hingegen sind überlebensgroße Güsse aus Messing, die nur in Ansätzen die Körperform erkennen lassen. In den Reliefs verewigt der Plastiker das Dynamische in zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikten. Auch hier verzichtet Hans Josephsohn auf Details.

Aufgrund seiner jüdischen Abstammung war es Hans Josephsohn nach dem Abitur 1937 nicht möglich, sein Bildhauerstudium in Deutschland aufzunehmen. Dank eines Stipendiums konnte er diesem Wunsch kurz an der Akademie in Florenz nachgehen, musste aber 1938 in die Schweiz flüchten. Er lebte in Zürich, wurde Schüler von Otto Müller und erlangte 1964 das Schweizer Bürgerrecht. Zunächst stellte sich der Erfolg innerhalb der Schweiz ein, in den 1990er Jahren begann die internationale Anerkennung des Künstlers. Josephsohn präsentierte seine Arbeiten unter anderem im Aargauer Kunsthaus, dem Palais de Tokyo in Paris, dem Stedelijk Museum in Amsterdam und im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt.

Zur Ausstellung „Hans Josephsohn. Existentielle Plastik“ läuft bis zum 24. Juni. Das Museum Folkwang hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 25 Euro.

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
D-45128 Essen

Telefon: +49 (0)201 – 88 45 301
Telefax: +49 (0)201 – 88 45 330


05.04.2018

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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