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Ernst Eisenmayer gestorben

Ernst Eisenmayer bei der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens im Jahr 2004

Ernst Eisenmayer ist tot. Am vergangenen Mittwoch verstarb der Maler und Bildhauer mit 97 Jahren in Wien. In der österreichischen Hauptstadt kam Eisenmayer 1920 als Sohn jüdischer Eltern zur Welt. Sein Leben und Schaffen war von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten geprägt. Nach dem Anschluss Österreichs versuchte er 1938 aus Wien nach Frankreich zu fliehen, wurde aber gefasst und in das Konzentrationslager Dachau gesteckt. Zu seiner Deportation am Münchner Hauptbahnhof durch die Nazis sagte Eisenmayer in einem Interview: „Ich sah mich um und versuchte herauszufinden, ob irgendjemand irgendein Zeichen der Sympathie zeigen würde. Da war niemand. Und das ist immer noch eine meiner schlimmsten Erfahrungen, schlimmer als die Beleidigungen und die Schläge und so weiter. Da war nicht eine einzige Person, die Sympathie oder Interesse zeigte. Sie drehten sich weg.“

Nach seiner Entlassung 1939 konnte er nach England emigrieren, durchlief aber als „feindlicher Ausländer“, wie alle männlichen deutschsprachigen Flüchtlinge ab 1940, mehrere Internierungslager. Dort fertigte er erste Objekte für Ausstellungen im Lager. Ferner betätigte er sich als Journalist für die Lagerzeitung. 1944 wurde die Öffentlichkeit in London auf Eisenmayer während einer Gruppenausstellung zu österreichischer Kunst im Exil aufmerksam. Ein Jahr lang studierte er bis 1947 an der Londoner Camberwell School of Art bei Victor Pasmore. Einen Förderer fand Eisenmayer 1945 in Oskar Kokoschka. Schließlich zog es ihn 1975 von der Insel fort. Bis 1988 lebte er nahe Carrara in Italien, dann ging er nach Amsterdam und kehrte 1996 nach Wien zurück. Geehrt wurde er unter anderem mit der Retrospektive „About the Dignity of Man“ 2002 im Jüdischen Museum in Wien sowie im Jahr 2004 mit dem Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien.

In ihrer Laudatio auf Ernst Eisenmayer sagte Gabriele Kohlbauer-Fritz, Kuratorin im Jüdischen Museum Wien, damals: „Sein Werk ist eine Auseinandersetzung mit der conditio humana, mit allen Höhen und Tiefen des menschlichen Seins. Er ist ein unermüdlicher, streitbarer Geist und unbestechlicher Kämpfer für die Menschlichkeit.“ Eisenmayers Kunst steht in der Tradition der klassischen Moderne und blieb mit einem hohen Abstraktionsgrad und wenigen Ausnahmen stets figurativ. Sein Themenspektrum umfasst neben dem Menschen und seinem Schicksal auch die Auseinandersetzung mit Gewalt, Unterdrückung und Machtmissbrauch. Aquarelle und Ölbilder dominieren sein Frühwerk, später bereichern Skulpturen aus geschweißtem oder gegossenem Stahl, Bronze und Stein sein Œuvre. Seit den 1960er Jahren erhielt er mehrere Einzelausstellungen in London. Aufmerksamkeit wurde ihm dann auch in den USA zuteil. Sukzessive interessierte sich die Öffentlichkeit in Österreich für Eisenmayer, der etwa 1967 in der Wiener Secession, 1969 in der Galerie Welz in Salzburg oder 2012 im Austrian Cultural Forum in London ausstellte.


04.04.2018

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Ernst Eisenmayer bei der Verleihung des Goldenen
 Verdienstzeichens im Jahr 2004
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