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Andreas Schulze trifft in Bielefeld auf Holger Bunk

Die Kunsthalle Bielefeld lässt in ihren Räumen seit dem Wochenende in zwei Ausstellungen die Künstler Holger Bunk und Andreas Schulze einander begegnen. Der 1954 in Essen geborene Bunk, der von 1974 bis 1982 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Peter Kleemann und Alfonso Hüppi studierte, wartet mit Gemälden, Aquarellen und Pastellen auf. Dabei konzentriert er sich stets auf die menschliche Figur – oft als Selbstportrait – im Raum und ihre Beziehung zum Betrachter. Sein subjektives Verständnis der Wirklichkeit bezeichnete der Kunsthistoriker Kasper König als „proletarischen Manierismus“ oder als „Malerei des westlichen DDR-Malers“. So spielt Holger Bunk in seinem Gemälde „Extrem“ von 2006 mit dem Tiefenverhältnis und der Figur. Im Vordergrund tritt als Halbportrait ein Mann mittleren Alters aus der linken Bildecke hervor. Hinter ihm liegen zwei Schwimmbecken, dekorative Steinmauern und ein darüber angeordnetes Sprungbrett. Etwas mehr als die restliche Bildhälfte nehmen eine sanft gewellte Landschaft und ein grünlich-gelb getönter Himmel ein. Diesen durchquert im freien Fall ein Mann mit Helm und Gelenkschützern an Knie und Ellbogen. Der Versuch, den einzelnen Elementen eine perspektivische Bildlogik zu geben, scheitert. Das Sprungbrett liegt nicht über den Wasserbecken, und der fallende Mann mag ins kleinere Schwimmbad oder in das dichte Pflanzenwerk eintauchen. Bunk weiß mit der Bildtiefe zu spielen, so dass erst beim zweiten Blick die Unmöglichkeit der Größenverhältnisse und die sich widersprechende Staffelung der Bildteile deutlich wird.

Auch Andreas Schulze, dessen Schau etwa 50 Arbeiten von den 1980er Jahren bis 2018 umfasst, arbeitet mit einer figurativen Bildsprache, die aber weit mehr abstrahiert ist. Der 1955 in Hannover geborene Künstler studierte Malerei an der Gesamthochschule Kassel und schließlich bis 1983 an der Kunstakademie Düsseldorf. In den 1980er Jahren wechselte Schulze gezielt von seinen frühen Landschafts- und Häuserbildern hin zu einem reduktionistischen, nicht selten auch surrealen Stil. In seinen Themen, so die Kuratoren Friedrich Meschede und Nils Emmerichs, setzt er sich mit dem Kugelmotiv bei Ernst Wilhelm Nay, den Farbfeldern von Josef Albers und den Streifenbildern Frank Stellas, aber auch mit den Boxen von Donald Judd, den Steinen von Richard Long und den gestischen Skripturen Cy Twomblys auseinander. Die für ihre Kunst charakteristischen Motive hält Schulze großformatig fest und verfremdet sie auf ornamentale Weise. Auch Elemente der Alltagswelt sind anzutreffen, so gibt es eine Serie mit Autobildern. Hinzu kommen Landschaften, Interieurs und Stillleben. Stets aber verweigert er die Erzählung. Seine Arbeiten seien ein Plädoyer für die stilisierte Form und ihren Sieg über den Inhalt, so die Kuratoren.

Die Ausstellungen „Andreas Schulze. An Aus Laut Leise“ und „Holger Bunk. Ballermann“ laufen bis zum 3. Juni. Die Kunsthalle Bielefeld hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr und samstags schon ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Straße 5
D-33602 Bielefeld

Telefon: +49 (0)521 – 329 99 500
Telefax: +49 (0)521 – 329 99 50 50

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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