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Artcurial versteigert Ritz-Inventar

Moritz von der Heydte, Direktor Artcurial Deutschland, favorisiert die Möbel aus der legendären Ritz-Bar

Es gibt Auktionen, auf denen mehr Kunst versteigert wird. Aber es gibt kaum eine Versteigerung, auf der so viel Legendäres zu haben ist. In einem fünftägigen Marathon offeriert Artcurial vom 17. bis 21. April in Paris Möbel, Einrichtungen und Restaurantausstattungen aus dem berühmtesten Hotel Welt, das unter Kennern nur das „Ritz“ heißt. Seit seiner Eröffnung 1898 steht das Quartier am noblen Place Vendôme für Luxus und französische Eleganz. Der Leitspruch des Hotelgründers César Ritz war sinngemäß: Biete jenes Maß an Raffinesse, das sich ein Prinz sonst nur zu Hause vorstellen kann. Das spiegelt auch das Interieur wider. Stilmöbel von Louis XIV. bis Regency, drittes Rokoko mit asiatischen Anleihen, Brokat und Samt, aber auch Klassisches mit modernem Einschlag bestimmten das Flair des Hotels.

Berühmtheiten aus Politik, Jetset und Kultur wie Maria Callas, Ernest Hemingway, die Rockefellers oder der Duke und die Duchesse of Windsor wussten das zu schätzen und trugen im Gegenzug zum Mythos des Hauses bei, das nach einer langen Renovierung erst 2016 wiedereröffnet wurde. Die letzen Jahrzehnte ihres Lebens wohnte hier die Grand Dame der Mode, Coco Chanel, in ihrer persönlichen Suite. Mehr als 30 Sessel, Tische und Lampen aus ihrem Appartement kommen zum Aufruf. Die teuersten Objekte der Asiatika-Liebhaberin sind chinesische Lackarbeiten; die Miniatur einer Pagode ist auf 2.000 bis 3.000 Euro taxiert. Der Großteil der insgesamt 3.500 Positionen liegt preislich weit darunter in erschwinglichen Regionen von 300 bis 1.000 Euro. Musealen Charakter hat die erste Badewanne des Ritz für 1.500 bis 2.500 Euro. Als erstes Hotel weltweit hatte das Haus fließendes Wasser auf den Zimmern eingeführt.

Moritz von der Heydte, Direktor Artcurial Deutschland, sagte im Gespräch mit Kunstmarkt.com: „Wir erwarten nicht nur großes Interesse von Sammlern und Liebhabern, die sich ein Stück Geschichte zulegen wollen. Wir rechnen auch mit enormem Interesse von Inneneinrichtern aus aller Welt.“ Artcurial hat insgesamt 8.000 Kataloge drucken lassen, etwa drei Mal so viel wie für andere Auktionen. Insgesamt summieren sich die Schätzungen auf 1 bis 1,5 Millionen Euro. Erfahrungsgemäß liegen die Ergebnisse von Auktionen mit prominentem Hintergrund weit höher als ihre Schätzungen. Dennoch ist für Artcurial wohl vor allem Prestigezuwachs der wahre Gewinn. Denn allein mit der Inventarisierung und Erarbeitung des Kataloges waren 15 Mitarbeiter ein Jahr lang beschäftigt. Zur Vorbesichtigung im Pariser Artcurial-Stammhaus im Hôtel Marcel Dassault am Champs-Élysées wird der Pariser Dekorateur Vincent Darré das Flair des Hotels in einer aufwendigen Ausstellung wieder aufleben lassen. In der Münchner Dependance, die bis zum 24. März ausgewählte Stücke zeigt, hat der Interior Designer Holger Kaus die unvergleichliche Ritz-Athmosphäre inszeniert.

Artcurial Deutschland
Galeriestraße 2b
D-80539 München


Infos: www.artcurial.com

Quelle: Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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