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Christa Dichgans in Hannover

Die Kestnergesellschaft in Hannover widmet Christa Dichgans derzeit eine Retrospektive. Die 1940 in Berlin geborene Malerin und Grafikerin der Pop Art studierte von 1960 bis 1965 Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin. In der jüngeren Zeit erfuhr ihr Werk durch nationale und internationale Gruppenausstellungen, etwa in der Kunsthalle Wien, eine stärkere Aufmerksamkeit. In Hannover werden nun rund 75 Gemälde aus den Jahren 1963 bis 2013 präsentiert.

Der Ausstellungstitel „Kein Stillleben“ bezieht sich auf das Zitat Oskar Kokoschkas: „Das Leben ist kein Stillleben“. Der Expressionist wollte damit auf die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Objekt verweisen. Diesem Themengebiet widmet sich seit mehr als 50 Jahren auch Christa Dichgans, die Gegenstände des Alltags eng zusammengedrängt und aus dem gängigen Kontext herausgenommen abbildet. In ihrer Collage „Geld in Bewegung“ von 2011 fliegen vor einem surreal grün-gelben Himmel geknickte Geldscheine wie Zugvögel in einer Dreiecksformation. „Mit obsessiver, geradezu pedantischer Akribie malt sie das Strandgut unseres Lebens und verteilt diese apokalyptische Flut gleichmäßig über das Bild wie ein ornamentales Muster“, so die Kuratoren Christina Végh und Milan Ther. Das Bild „New York“ von 1979/80 vereint Einzelelemente der Stadt, Geldscheine, die New Yorker Freiheitsstatue, Wolkenkratzer oder Andy Warhols Campbell Dosen. Das Gemälde erscheint laut Végh und Ther „wie das Psychogramm einer übervollen Stadt und vielleicht auch einer Welt, die aus den Fugen gerät“.

Dichgans befragt das Massenkonsumverhalten, das sich seit der Nachkriegszeit gewandelt hat und in den 1980/90er Jahren eher zu einem Markenbewusstsein wurde. Der Berlinerin gehe es weniger um den Überfluss als um die Verzerrung und übertriebene Sinnentleerung von Masse und Ansammlung. Während ihres Auslandstipendiums der Studienstiftung des Deutschen Volkes in New York malte sie die Anhäufung von Kinderspielsachen, so das 1967 entstandene „Spielzeugstillleben (New York)“. Die Objekte quellen aus einem kleinen grünen Eimer hervor und bedecken den Boden zur Gänze, so dass diesem bunten Treiben aus Telefon, Rädern und Stoffhasen einzig die weiße hohe Wand Einhalt gebieten kann. Hierbei deuten die Elemente der Stillleben, so die Kuratoren, auf mögliche Abgründe oder die Abwesenheit von potentiellen Eigentümern hin. Sie könnten damit als indirekte Porträts verstanden werden.

Die Schau „Christa Dichgans. Kein Stillleben“ läuft bis zum 8. April. Die Kestnergesellschaft hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Kestner Gesellschaft
Goseriede 11
D-30159 Hannover

Telefon: +49 (0)511 – 701 200
Telefon: +49 (0)511 – 701 20 20

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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