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Ian Anüll in Solothurn

Arbeiten auf Papier des 1948 geborenen Schweizer Künstlers Ian Anüll sind derzeit im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn zu sehen. Die überblicksartige Präsentation, die als eine Ergänzung zu einer großen Anüll-Retrospektive mit Gemälden, Objekten und Installationen vor fünfzehn Jahren im selben Haus angesehen werden kann, umfasst Werke aus fast einem halben Jahrhundert Schaffen von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart. Anülls künstlerische Eigenart – von einer individuellen Handschrift lässt sich aufgrund der formalen Vielfalt seiner Arbeiten kaum sprechen – charakterisiert sich durch eine poetische, gelegentlich ins Humoristische streifende Leichtigkeit wie inhaltliche Tiefgründigkeit zugleich. Materielle Basis seiner Collagen, Aquarelle und Zeichnungen sind häufig vorgefundene, sonst gemeinhin als Müll angesehene Gegenstände wie Bonbonpapiere, aus denen er etwa einen Schuh bastelt, Schnipsel aus Papierausschuss, denen er durch die Umformung zu einem Auto neue Bedeutung verleiht, Geldscheine, die er perforiert und damit gewissermaßen umwertet, oder auch Lebensmittel, mit deren Verwendung Anüll nicht nur den Sehsinn des Betrachters anspricht.

Themen seines Schaffens sind unter anderem Fragen nach künstlerischer Originalität, nach den Mechanismen des Kunstmarktes und nach dem Betriebssystem kunsthistorischer Kontextualisierung. So verwendet Ian Anüll in einer neuen, seit 2012 entstandenen Werkserie namens „Lackskins“ postkartengroße Einladungskarten zu Vernissagen von Ausstellungen zu André Thomkins oder Jackson Pollock und überarbeitet sie mittels Industrielacks, schafft also auf der Basis von Kunstreproduktionen neue Kunstwerke. Sich dem Markt möglichst zu entziehen, ist ein Anliegen, dem Anüll auch biografisch entspricht. Außer seinem Geburtsjahr 1948 ist über den Künstler, dessen wahrer Name sich seit 1969 hinter einem Pseudonym verbirgt, nur wenig bekannt. So fehlen beispielsweise Daten über seine künstlerische Ausbildung. International bekannt wurde er seit den 1980er Jahren. Einzelausstellungen hatte er unter anderem 1990 in der Kunsthalle Zürich, 2005 in der Kunsthalle Gießen, 2006 im Centre Culturel Suisse in Paris und 2010 im Helmhaus Zürich. 1991 vertrat er die Schweiz an der Bienal de São Paulo.

Die Ausstellung „Ian Anüll: Untitled®. Arbeiten auf Papier“ im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn läuft bis zum 13. Mai. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 Uhr an. Der Eintritt ist frei; um eine Spende wird gebeten.

Kunstmuseum Solothurn
Werkhofstraße 30
CH-4500 Solothurn

Telefon: +41 (0)32 – 624 40 00
Telefon: +41 (0)32 – 622 50 01

Quelle: Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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