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Neu in Biel: Kemang Wa Lehulere

Das Kunsthaus Pasquart präsentiert den 1984 in Südafrika geborenen Kemang Wa Lehulere erstmals in einer institutionellen Einzelausstellung in der Schweiz. Das vielschichtige Werk des Künstlers hat seine Ursprünge zwar in dessen Heimatland, geht aber über diese Grenzen hinaus und erreicht so allgemeinere gegenwärtige Fragestellungen. Mit autobiografischen Spuren streift seine assoziationsreiche Kunst unterschiedlicher Medien Themen der Ideologie im Bildungssystem, Instrumentalisierung der Religion, Geschichtsbildung und Vorurteile. Häufig entstehen dabei aussagekräftige Narrationen, die Wa Lehulere immer wieder neu konstruiert oder überschreibt. Kunst denkt er in kollektiven Entwicklungen, so dass er immer wieder ältere Werke von Landsleuten wie von Ernest Mancoba (1904-2002) oder Gladys Mgudlandlu (1917-1979) in sein Schaffen einbezieht und damit eine Brücke zwischen Vergangenem und der Gegenwärtigem schlägt.

Ein Beispiel bietet seine Verbindung zu Mgudlandlu. Kemang Wa Lehuleres Tante kannte diese zufällig persönlich, und der Künstler ließ sie deshalb deren Gemälde aus dem Gedächtnis nachzeichnen. Er ergänzte diese Werke selbst und zeigt den entstandenen Zyklus namens „Does This Mirror Has a Memory“ (1962-66/2015) nun mit eigenhändigen Werken Mgudlandlus. Ebenfalls die Tante konnte sich an Wandgemälde im Haus der Künstlerin erinnern, die Wa Lehulere mit einer Restauratorin freilegte und darin reichlich Inspiration fand. 2017 entstand beispielsweise eine Fotografie, die einen dort abgebildeten Vogel zeigt. Das Motiv taucht auch in der gleichaltrigen Werkgruppe „My Apologies to Time“ auf, die unter anderem mit Schulpulten und Stahlrohrgebilden Vogelkäfige als Instrumente der Domestizierung zeigt. Ein darin ausgestopfter Graupapagei, ein besonders redefreudiges Tier, symbolisiert zum einen eine gewisse Formbarkeit des Menschen, aber auch eine urteilsfreie Sicht des Vogels in der Imitation verschiedener Sprachen.

Die Auswirkungen repressiver Systeme macht Kemang Wa Lehulere auch an Themen der Meinungsfreiheit und Apartheit deutlich. Die 2017aus Krücken zusammengesetzte schwebende Installation „Broken Wings“ spielt auf den Sündenfall in der christlichen Theologie und damit auf eine gewaltsame Vertreibung aus dem Heimatland an, die auch viele Südafrikaner erleben mussten. „Homeless Song 5 (a sketch)“ von 2017 verweist auf den schwarzen Schriftsteller Nat Nakasa (1937-1965), der in New York in den Tod sprang. Wa Lehulere brachte Gras von dessen Grab in Amerika mit und ließ es, bewacht von Porzellanschäferhunden, in seinem Heimatland weiter wachsen. Die Tiere wirken zum einen wie stille Beobachter, strahlen gleichzeitig aber etwas Bedrohliches aus. In Südafrika gelten die Hunde als Bewacher des Eigentums der reichen Oberschicht.

Die Ausstellung „Kemang Wa Lehulere“ läuft bis zum 1. April. Das Kunsthaus Pasquart in Biel hat am Mittwoch und Freitag von 12 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Am Samstag und Sonntag ist der Besuch von 11 bis 18 Uhr möglich. Der Eintritt beträgt 11 Franken, ermäßigt 9 Franken.

Kunsthaus Pasquart
Seevorstadt 71-75
CH-2502 Biel

Telefon: +41 (0)32 – 322 55 86
Telefax: +41 (0)32 – 322 61 81

Quelle: Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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