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Das Theatermuseum in Wien stellt eine Auswahl seiner Bühnenbildmodelle vor und entführt in die fantastische Welt der bühnenräumlichen Konzepte aus drei Jahrhunderten

Der magische Raum



Die Modell-Sammlung des Wiener Theatermuseums zählt mit fast 1.000 Objekten zu den bedeutendsten Spezialsammlungen dieser Art. Noch bis Mitte Februar präsentiert das Museum, das im Wiener Palais Lobkowitz beheimatet ist, in der Ausstellung „Der magische Raum“ eine Auslese von Bühnenmodellen und lüftet einige Geheimnisse der theatralen Verwandlungskünste. Auf sieben Themeninseln von Antike, Mittelalter, Renaissance und Barock bis zu Romantik, Revolution und Gegenwart wird anhand von rund 60 teils akribisch ausgeführten Modellen gezeigt, wie die Bühnenkunst zu verschiedenen Zeiten und unter vielfältigen Perspektiven die jeweiligen Schauplätze gesehen und gestaltet hat.


In die Kategorie der Bühnenbildmodelle fallen Modelle, die im Vorfeld einer Musik-, Sprech- oder Tanztheaterinszenierung deren Gestaltungsprozess begleiteten oder die für Ausstellungszwecke Inszenierungen nachträglich rekonstruieren. Es sind Objekte, die Auskunft über Technologien und Aufführungspraxen geben, aber auch die Moden und Werte ihrer Zeit spiegeln. Aufgrund ihres Einsatzes im Entwurfsprozess und der für sie verwendeten Materialien sind Bühnenbildmodelle zwar eng verwandt mit architektonischen Modellen, allerdings sind sie stärker als diese dem begrenzten Raum verpflichtet. Für die Realisierung einer inszenatorischen Aufgabe gibt die Theaterbühne im Regelfall die Form eines Kastens vor. Diesen Grenzen setzenden Rahmen des Innenraums gilt es, für die Handlung des Spiels zu strukturieren.

Das Bühnenmodell testet die Umsetzbarkeit einer inszenatorischen Idee sowohl auf Möglichkeiten als auch Beschränkungen von Bühne und Bühnentechnik. Jenseits der ebenen Papierfläche kann der Entwurf im Dreidimensionalen bearbeitet werden. Die Modelle sind für die praktische Arbeit des Bühnenbildners unentbehrlich: sie dienen als Arbeitsvorlage für die Theaterwerkstätten und tragen maßgeblich zur Verständigung zwischen Bühnenbildner und Regisseur bei. Unter Anwendung von Licht, Ton und Figurinen werden an ihnen Proportionen und szenische Abläufe erprobt. Auch Sichtachsen können geprüft werden. Bewegliche Elemente wie Seilzüge oder kleinste Drehbühnen erlauben – neben der Bauprobe auf der Bühne – die Kontrolle der Realisierbarkeit von Bühnentechnik.

Durch die kluge Auswahl und die überzeugende Art ihrer Präsentation werden die „magischen Räume“ im Wiener Theatermuseum nun selbst zum Kunstwerk erhoben. In zwei sparsam beleuchteten Ausstellungssälen sind die kleinen Theaterwelten auf Augenhöhe und auf speziell zugeschnittenen Tischen aufgebaut. Damit wird ermöglicht, die Modelle aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und einen Blick zwischen die Prospekte oder auf die Hinterbühnen zu werfen. Die Zusammenstellung erlaubt zudem den Nachvollzug von Veränderungen im Modellbau, die analog zur Geschichte des Bühnenbildes verliefen: Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein verfolgte der Modellbau das Prinzip der perspektivischen, illusionistischen Kulissenbühne. Wie auch beim Bühnenbild wurden im Modell oftmals so genannte Hänger, aus Papier gefertigte, bemalte und im Kastenraum gestaffelte Kulissen, in die Szenen hineingeschoben. Häufig war der Bühnenaufbau mit einem hinten angebrachten Rundhorizont abgeschlossen, der die Szene beispielsweise durch eine Landschaftsdarstellung visuell in die Ferne öffnete.

Modelle, die zu einem ähnlichen Thema entstanden sind, werden in der Ausstellung einander zugewandt präsentiert und bilden so eine zusammenhängende Gruppe, die sich leicht umschreiten lässt. Statt einen frontalen Idealblick zu erzeugen, um den Zuschauerblick eines Theater- oder Opernraumes zu simulieren, haben die Kuratoren Ulrike Dembski und Rudi Risatti Konfrontationen und Interpretationen von Inszenierungen zusammengeführt. So finden sich zum Beispiel im Bereich Antike zwei unterschiedliche Bühnenbildgestaltungen für „Cäsar und Cleopatra“: Während Remigius Geyling (1878-1974) für seinen Entwurf am Wiener Hofburgtheater 1912 den Säulengang in Cleopatras Palast in Bauhaus-Farben und -Formen mit stilisierten ägyptischen Figuren farbig und detailreich anlegte, setzte Alexandra Exter (1882-1949) auf ein reduziertes, kontrastreiches Kolorit und sogenannte „dynamische Kulissen“: Ihr Bühnenbild vom Palast des Herodes in „Salome“, das Exter 1917 für das Kammertheater in Moskau entwarf, besteht aus Treppen, Podesten, Säulenstümpfen und schrägen Wänden – die perfekte Kulisse für effektvolle Auf- und Abtritte. Auf der Themeninsel „Mythen & Märchen“ treffen das Bühnenbildmodell eines naturalistisch nachempfundenen Waldes zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ für das Neue Theater Berlin aus dem Jahr 1901 auf die Miniaturausgabe eines Schrottplatzes, den John Napier für das Musical „Cats“ im Theater an der Wien 1983 gestaltete.

Seit den 1920er Jahren wurde auf Kulissen zugunsten flexibler Bühnenelemente immer häufiger verzichtet. Plastisch ausgestaltete Bühnenausstattungen finden sich in den Modellen unter Einsatz von Holz und Gips auf tragenden Bodenplatten wieder, und Licht als Gestaltungsfaktor im Sinne des Raumbühnenkonzepts gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig gab es Bestrebungen, das Theater als Kunstwerk zu betrachten, in dem Dichtung, Musik, Malerei, Architektur, Schauspiel, Gesang und Tanz ineinandergreifen, um ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das einem einheitlichen ästhetischen Konzept folgen sollte. Der Schritt vom Illusionstheater zum Sinn- und Deutungstheater war vollzogen.

Stellvertretend für die Gestaltungsprinzipien des Expressionismus präsentiert die Wiener Schau ein experimentelles Bühnenmodell von Karlheinz Martin. Er verzichtete auf herkömmliche Szenerien, inszenierte in Fabrikhallen und schuf als Regisseur und Bühnenbildner überraschende Raumlösungen. Von Emil Pirchan stammt ein farblich reduzierter Bühnenbildentwurf zu Carl Zuckmayers Drama „Des Teufels General“ aus dem Jahr 1948, der für das Wiener Burgtheater entstand. Gottfried Neumann-Spallart entwarf zwölf Jahre später ein unkonventionelles Bühnenbild für die Komödie „Alphabet in Ewigkeit“, die 1960 im Kleinen Theater des Wiener Konzerthauses aufgeführt wurde: eine fast leere Bühne, ein aus Leitern und Stegen gefügtes Metallgerüst, an den Seitenwänden Prospekte, in denen sich das Gerüst verkleinert in die Unendlichkeit fortsetzt, und eine spiegelnde Decke, die die Leitern noch oben reflektiert. Das jüngste Modell stammt aus der Hand von Bernhard Hammer. Er entwickelte für die Multi-Media-Oper „Malakut“, die 1997 im Wiener Museumsquartier zur Aufführung kam, eine Grunddekoration, die das Publikum unterhalb der eigentlichen Sitzreihen positionierte und die Zuschauer an dem auf der Bühne thematisierten Phänomen seelischer Heimatlosigkeit unmittelbar teilnehmen ließ.

Während die Beschriftung der einzelnen Exponate bewusst zurückhaltend ausgefallen ist, erhalten die Ausstellungsbesucher ein „Libretto“, das sie durch die Schau leitet. Einige Audiobeispiele, Zeichnungen und Videoszenen vermitteln zusätzliche Informationen zu den Inszenierungen. Auf welche Weise Handlungen und Verhaltensweisen aktuell auf den Bühnen des urbanen Lebens – auf Straßen, Plätzen, Parkanlagen und Internetportalen – zur Schau gestellt werden, dokumentiert die Ausstellung jedoch nicht. Das würde den Rahmen sprengen. Ein solches Projekt böte ein spannendes Thema für eine zukünftige Ausstellung. Erfährt doch die Frage nach dem Theatralischen gerade heute durch die vielfältigen Formen der Selbstinszenierung und des Lebensstils neue Relevanz.

Die Ausstellung „Der Magische Raum. Bühne – Bild – Modell“ ist noch bis zum 12. Februar zu sehen. Das Theatermuseum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er kostenlos. Als Publikation liegt der 2015 erschienene Bestandskatalog zu den Bühnenbildmodellen des Theatermuseums für 49,95 Euro vor.

Kontakt:

Österreichisches Theatermuseum

Lobkowitzplatz 2

AT-1010  Wien

Telefax:+43 (01) 512 88 00 645

Telefon:+43 (01) 512 88 00



30.01.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


20.04.2017, Der magische Raum. Bühne - Bild - Modell

Bei:


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