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Funke in Frankfurt

Jaromír Funke, Abstract Photo I, 1928/29

Das Fotografie Forum Frankfurt wirft in seiner neuen Ausstellung den Blick auf die tschechische Avantgarde: Erstmals in Deutschland werden rund 70 Fotografien Jaromír Funkes gezeigt. Unter der kuratorischen Verantwortung Vladimír Birgus’ sind Werke aus der Schaffensphase der 1920er und 1930er Jahren zu sehen, die aus der Sammlung Miloslava Rupešovás, der Tochter des tschechischen Künstlers, stammen. Jaromír Funke beschäftigte sich intensiv mit dem Spiel von Licht und Schatten, Spieglung, Transparenz und Reflexion. Ziel seiner Arbeiten war es, „zwei Gegenstände hervorzuheben, zwei Realitäten zu kontrastieren, verschiedene Elemente in einem einzigen Foto zu verbinden“.

Bevor Jaromír Funke, geboren 1896 im ostböhmischen Skutec, zur Fotografie kam, studierte er zuerst Jura, anschließend Kunstgeschichte, Philosophie und Ästhetiktheorie. Nach dem Ersten Weltkrieg war er ab 1922 als freier Fotograf tätig und Mitglied des Progressiven Fotoclubs Prag und der fotografischen Sektion im Verein Bildender Künstler Mánes. Ein Jahr später entstanden erste moderne Werke. Kubismus, Neue Sachlichkeit und Surrealismus gaben dafür die entscheidenden Impulse. Auf erste minimalistische Kompositionen aus Tellern oder Glasflaschen sowie Stillleben mit Glühlampen und Seesternen folgten ungegenständliche Arbeiten. In der Serie „Abstract Photo“ von 1927 bis 1929 konzentrierte sich Jaromír Funke nur noch auf das Darstellen von Schatten.

Ab 1931 dozierte er unter anderem an der Kunstgewerbeschule in Pressburg und der Staatlichen Grafischen Schule in Prag. Während seines Aufenthalts in Pressburg war Funke Mitglied der linken Gruppe Sociofoto. In dieser Zeit interessierte er sich vermehrt für die Dokumentarfotografie und thematisierte die Lebensbedingungen von Personen am Rande der Gesellschaft. Als Mitherausgeber der Zeitschrift Fotografik obzor zwischen 1939 und 1941 trieb er die Entwicklung der Fotografie durch seine Essay und Aufsätze auch theoretisch voran. Mit Kriegsausbruch beschränkte er seine Tätigkeit auf den nordböhmischen Raum um die Stadt Louny. Im März 1945 starb Jaromír Funke bei einer Notoperation nach einem Dünndarmdurchbruch. Seine abstrakten Werke wurden während der sozialistischen Nachkriegszeit in der Tschechoslowakei verschmäht. Erst vor einigen Jahren wurde die Bedeutung Funkes für die avantgardistische Fotografie wieder entdeckt.

Die Ausstellung „Jaromír Funke. Fotograf der Avantgarde“ läuft vom 27. Januar bis zum 29. April. Das Fotografie Forum Frankfurt hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr und mittwochs von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt regulär 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Zu der Ausstellung erscheint eine Publikation.

Fotografie Forum Frankfurt
Braubachstraße 30-32
D-60311 Frankfurt am Main

Telefon +49 (0)69 – 29 17 26
Telefax +49 (0)69 – 28 639

Quelle: Kunstmarkt.com/Katja Hock

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