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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Auf Stuttgarter Antiquariatsmesse präsentierten die Aussteller ihre bibliophilen Schätze

Frühes Manifest gegen die Abholzung des Regenwalds



Hartmann Schedel, Liber Chronicarum, Nürnberg 1493

Hartmann Schedel, Liber Chronicarum, Nürnberg 1493

Alexander von Humboldt gehört zu den großen Gelehrten des 19. Jahrhunderts. Als Botaniker, Physiker, Geologe, Zoologe, Astronom, Geograph und Ethnologe setzte er neue Maßstäbe und schuf in mehr als sieben Jahrzehnten ein Gesamtwerk, das „einen neuen Wissens- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt“ darlegt, so der Schweizer Literaturwissenschaftler Ottmar Ette. Schon früh griff der Naturforscher Fragen auf, die noch heute die Welt bewegen. So wird Humboldt heute auch wegen seines kritischen Blicks auf den von Menschen beeinflussten Klimawandel geschätzt. Bereits um 1800 warnte er vor der Abholzung des Regenwaldes. Der berühmte Weltreisende entdeckte die tropische Natur, als ihn sein Forscherdrang zwischen 1799 und 1804 auf den amerikanischen Kontinent führte. Von dort brachte er die „Voyage aux régions équinoxiales du nouveau continent“ mit. Die gemeinsam mit dem Reisegefährten, dem Botaniker Aimé Bonpland, verfasste mehrbändige Schrift über die Expedition in Lateinamerika ist teils Reisebericht, teils wissenschaftliche Erörterung. Ein Exemplar als Sammelband aus Partie 6 mit den „Plantes équinoxiales“ samt 198 prachtvollen Farbstichtafeln offeriert jetzt das Stuttgarter Antiquariat Engel & Co. für 8.500 Euro.


Die faszinierende Welt der Gedanken und ihre Niederlegung in Buchform breiten am kommenden Wochenende wieder die Stuttgarter Antiquariatsmesse und ihre kleinere Partnerin, die Antiquaria in Ludwigsburg, aus und gestalten damit den Auftakt in das deutsche Messejahr. Im Gebäude des Württembergischen Kunstvereins kann der Besucher etwa in den Kosmos der Renaissance abtauchen. Dafür legt Sokol Books aus London die berühmte Weltchronik Hartmann Schedels aus dem Jahr 1493 vor. Darin zeugen 1809 Holzschnittdarstellungen auf 50 Seiten von der biblischen Geschichte, authentischen Städteansichten, aber auch von reinen Fantasieschöpfungen. Zudem ist die Provenienz herausragend: Stammt das Exemplar der lateinischen Ausgabe doch aus der Bibliothek des westfälischen Humanisten Johann Kruyshaer, ergänzt mit seinen Kommentaren, durch ihn rubriziert und koloriert sowie mit einem auf das Jahr 1521 datierten Exlibris versehen. Den Preis hierfür setzt Sokol mit 270.000 Euro an.

Noch teurer wird es beim Schweizer Antiquariat Bibermühle von Heribert Tenschert. Für 880.000 Euro öffnet er seine Schatzkammer illuminierter Handschriften des Mittelalters und der Renaissance und holt ein lateinisches Stundenbuch für Jean Troussier, den „procureur géneral“ der Haute-Bretagne, hervor, das im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts in Paris entstand. Für die zwanzig großformatigen Miniaturen ist Conrad von Toul der „Meister der Münchner Legenda Aurea“ zuständig, ergänzt um eine Illumination mit Höllendarstellungen von Jean Haincelin, dem „Meister von Dunois“. Ihre Illustrationen, Initialen und Verzierungen bilden zusammen mit den Gebeten und dem Kalender eine erlesene Einheit von Text und Buchschmuck. Reizvoll ist zudem das „Stammbuch“ des Melchior Lucas aus Breslau. Zwischen 1635 und circa 1650 hat der darin 367 Eintragungen von Persönlichkeiten aus dem Adel, Militär und Kirche gesammelt und mit aquarellierten Wappen, Zeichnungen und Kalligrafien ergänzt. Peter Kiefer aus Pforzheim offeriert das alte „Poesiealbum“ für 18.500 Euro.

Die bildende Kunst ist bei C.G. Boerner aus Düsseldorf mit der drastischen Peinigung auf dem Holzschnitt „Die Versuchung des heiligen Antonius“ von Lucas Cranach d.Ä. aus dem Jahr 1506 vertreten. Der seltene Druck des zweiten Zustands, von dem weniger als zwölf frühe Blätter bekannt sind, verlangt 130.000 Euro. Der Kunsthandel H.W. Fichter aus Frankfurt steuert etwa Paul Wilhelm Tübbeckes in Öl auf Karton gemalte „Weite Landschaft mit Wolkenhimmel“, die von keinem Menschen gestört wird, für 2.800 Euro bei, Kunkel Fine Art aus München Othmar Brioschis steil aufragendes „Kloster Santa Scholastica“ um 1900 in Pastellkreiden, Aquarell und Grafit für 6.500 Euro. In fernöstliche Welten entführen dann Hannspeter Kunz aus Sigmaringen und Hans-Martin Schmitz aus Köln mit ihren japanischen Farbholzschnitten. Die Attraktion eleganter Figuren und bunter Stoffe vermitteln die „Sieben berühmten Schönheiten des Yoshiwara-Viertels“ von Keisai Eisen um 1825. Mit von der Partie ist bei Kunz für 950 Euro eine Kurtisane, deren obi mit Kirschblüten und einer origami-Figur geschmückt und die mit ihren zwei kamuro im Vergnügungsviertel der Stadt Edo unterwegs ist. Landschaftlich wird es bei Schmitz mit der Ponton-Brücke bei Toyama in der Provinz Etchû aus Utagawa Hiroshiges Serie „Berühmte Ansichten der mehr als sechzig Provinzen“ für 1.200 Euro.

Schon als Jugendlicher träumte Leopold Paur davon, in Niederösterreich eine Stadt zu errichten, in der die Utopie vom friedlichen Zusammenleben aller Menschen unterschiedlicher Rassen, Nationen und Religionen verwirklicht sein würde. Sie sollte als Kreis um einen zentralen quadratischen Platz angelegt sein und aus 856 Häusern bestehen. Die Tempel sollten gleich aussehen, und die Benennung der Plätze kosmopolitisch sein. Finanzieren wollte er den Bau der Stadt durch ein noch zu entdeckendes Mittel gegen die Syphilis, für das jeder Mensch auf der Erde 20 Kreuzer zahlten sollte. Im Sommer 1784 kündigte er das Erscheinen eines Plans an, die Verwirklichung der Idee blieb aber der Traum eines philanthropisch-toleranten Mannes. Sein großformatiger Kupferstich mit der „Stadt im Träume“ liegt beim Berliner Antiquariat Nikolaus Struck für 19.000 Euro bereit.

„Ein Spiel für die Jugend zur Unterhaltung und zur Bildung des guten Geschmackes“: so bot der Kunsthändler Heinrich Friedrich Müller 1824 in seinem Laden auf dem Wiener Kohlmarkt über fünfzig altkolorierte Papierfiguren an, die nach Musteranleitung auf einem Spielbrett angeordnet werden können. Und dabei ging es zeitgemäß um „Familien-Scenen im Zimmer sammt Küche und Stall“. Ohne Fernseher, Tablet oder Smartphone lädt auch heute noch das Antiquariat Sabine Keune aus Aachen für 11.800 Euro zum Mitmachen ein. J. A. Stargardt aus Berlin ist dann für Handschriften und Urkunden zuständig und hat einige Autografe Johann Wolfgang von Goethes mitgebracht, darunter für 3.800 Euro eine Quittung mit seiner Unterschrift oder für 24.000 Euro eine gedruckte Urkunde über einen „Kux oder Bergtheil an dem Ilmenauer Kupfer- und Silber-Bergwerk“, die ebenfalls Goethes Signatur trägt.

In die Moderne geht es beim Berliner Kollegen Günter Linke mit der Erstausgabe der frühen Gedichte von Tristan Tzara, die er zwischen 1912 und 1915 in rumänischer Sprache verfasste. 1934 bei der Edition UNU in Bukarest erschienen, wurde nur 13 Exemplaren eine signierte Originalradierung von Yves Tanguy beigefügt, dem vorliegenden Exemplar für den Verleger Sasa Pana zusätzlich eine zehnzeilige Widmung des Autors sowie je ein Typoskript und ein Manuskript mit Gedichten und kleinen Zeichnungen. Hierfür erwartet sich Linke 80.000 Euro. Knapp darunter rangiert mit 70.000 Euro Otto Dix’ Holzschnittfolge „Werden“ aus dem Jahr 1919. Stilistisch markiert die Mappe eine Neuorientierung nach den ereignisreichen Kriegsjahren, ist in die Dresdner Dada-Bewegung eingebettet und im dortigen Deutschen Genossenschaftsverlag erschienen. Die Galerie Valentien aus Stuttgart zeigt fünf von sechs der signierten Blätter in der originalen Mappe, die lediglich fünf Mal aufgelegt wurde. Als „absoluten Höhepunkt der Wiener Buchkunst des Jugendstils“ bezeichnet Daniela Kromp aus München die beiden „Fledermaus-Programmhefte“ der Wiener Werkstätte von 1907. Denn ein Besucher des Etablissements – wohl der Secessionist Josef Engelhart – hat direkt vor Ort während der Veranstaltung schnell drei Bleistiftskizzen mit sicherer Hand hineingeworfen, die das Geschehen im Cabaret dokumentarisch wiedergeben.

Ein gut bestücktes Veranstaltungsprogramm rundet das Angebot der Aussteller ab. Neben Führungen über die Antiquariatsmesse geht es in der „Kunst handgefertigter Buntpapiere“ um Einbandbezüge und Vorsatzpapiere, um das Auskleiden von Schuber und Schatullen. Dafür gibt die Grafikerin Ulrike Grießmayr an ihrem Stand einen Einblick in die Kunst der Buntpapiere von Brokat- über das beliebte Marmor- bis zum modernen Schablonenspritzpapier. Die Sonderschau widmet sich in diesem Jahr Peter Paul Rubens als Buchkünstler. Der weltberühmte Antwerpener Barockmaler schuf neben seinen Gemälden auch Illustrationen, Titelblätter und Verlagssignets. Seine unmittelbar auf den Inhalt der Bücher bezogenen Bilderfindungen gelten als herausragend, dennoch haben sie bis heute kaum die ihnen gebührende Anerkennung gefunden. Der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart konzipierte Katalog stellt erstmals alle 58 buchkünstlerischen Arbeiten im Zusammenhang zum Preis von 30 Euro vor.

Die 57. Stuttgarter Antiquariatsmesse läuft vom 26. bis zum 28. Januar. Sie hat freitags von 11 bis 19:30 Uhr, samstags von 11 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro. Beim Kauf eines Tickets für die Stuttgarter Messe erhalten die Besucher gleichzeitig eine Eintrittskarte für die Antiquaria Ludwigsburg und umgekehrt. Schüler, Auszubildende und Studenten bis 28 Jahre zahlen nichts.

Stuttgarter Antiquariatsmesse
Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Schlossplatz 2
D-70173 Stuttgart

www.stuttgarter-antiquariatsmesse.de



25.01.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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26.01.2018, 57. Stuttgarter Antiquariatsmesse

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Hartmann Schedel, Liber Chronicarum, Nürnberg 1493
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Lucas Cranach d.Ä., Die Versuchung des hl. Antonius, 1506
Lucas Cranach d.Ä., Die Versuchung des hl. Antonius, 1506

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nach Leopold Paur, Stadt im Traume, 1784
nach Leopold Paur, Stadt im Traume, 1784

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Stundenbuch von Jean Troussier, Paris, um 1425/50
Stundenbuch von Jean Troussier, Paris, um 1425/50

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Keisai Eisen, Sieben berühmte Schönheiten des Yoshiwara-Viertels,
 1825
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nach Leopold Paur, Stadt im Traume, 1784

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Lucas Cranach d.Ä., Die Versuchung des hl. Antonius, 1506

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Keisai Eisen, Sieben berühmte Schönheiten des Yoshiwara-Viertels, 1825

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Stundenbuch von Jean Troussier, Paris, um 1425/50

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