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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Das Dorotheum in Wien siegt mit Schiele im österreichischen Auktionsjahr

Millionenschwere Dessous



Egon Schiele, Liegende Frau, 1917

Egon Schiele, Liegende Frau, 1917

In der Damenwelt ist es bekannt, dass hochwertige Unterwäsche ihren Preis hat. Natürlich hängt dies mitunter an dem verwendeten Material; so werden Seidendessous per se einen höheren Wert haben. Dennoch hat bisher keine Leibwäsche im Fachhandel die siebenstellige Hürde genommen. Dieses Privileg kann eine rothaarige Dame in Baumwollunterwäsche des frühen 20. Jahrhunderts für sich beanspruchen. Auf einem Blatt von 1917 in der damals durchaus freizügigen Nacktheit der Arme und Schenkel räkelt sich Egon Schieles Frau Edith oder seine Schwägerin Adele. Stolze zwei Millionen kostete die Studie dem neuen Besitzer und entspricht damit fast dem dreifachen Schätzwert. Die mit Gouache zart kolorierte Kreidezeichnung machte den fulminanten Auftakt zur vergangenen Moderne-Auktion im Dorotheum und ist mit dem siebenstelligen Betrag bei weitem nicht nur das kostspieligste Objekt der Versteigerung, sondern auch des österreichischen Auktionsjahrs 2017.


Geradezu anspruchslos fallen im Vergleich hierzu die 360.000 Euro aus, die das sanfte abstrakte Bildnis der „Jeune fille pensive“ aus der Hand Emil Fillas von 1933 einspielte. Der Endbetrag stellt immerhin eine dreifache Steigerung des Wunschwertes von mindestens 120.000 Euro für den à la Picasso zerlegten, mehransichtigen Frauenkopf mit markanter Nase dar. Im Unterschied zu den zwei Kollegen respektierte Gabriele Münters schlichter „Blick aufs Gebirge“ den angesetzten Preisrahmen mit 240.000 Euro. Diese Troika führte die Versteigerung am 21. November im Wiener Dorotheum an, die eine gute losbezogene Zuschlagsquote von 64 Prozent, mit Nachverkauf von 71,5 Prozent aufweist. Es gab ein paar verschmähte Werke, darunter Wilhelm Thönys gemäßigt expressives „Blumenstück mit Gladiolen“ aus dem Jahr 1925 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) oder Hermann Hesses Aquarelle zu den „Zwölf Gedichten“ von 1936 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Erst nach der Auktion fand die symbolistische Gipsbüste eines betenden Jungen von Ivan Mestrovic aus dem Jahr 1906 bei 12.000 ihren Abnehmer (Taxe 18.000 bis 30.000 EUR), ebenso die Zeichnung „Buste dans l’atelier“ von Henri Matisse aus dem Jahr 1928 bei 28.000 Euro (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Der Franzose reüssierte während der Versteigerung jedoch mit zwei weiteren Blättern: Sowohl die 1930 flott skizzierte, sitzende „Nu“, als auch sein linienbetonter Frauenkopf mit geschlossenen Augen von 1934 erreichten jeweils 32.000 Euro (Taxe je 20.000 bis 30.000 EUR).

Gegenständlich

Die sonnenbeschienene Tiroler Schneelandschaft „Kitzbühel“ malte Alfons Walde 1930 und sicherte sich bei den Bietern leicht unter Wert 200.000 Euro (Taxe 220.000 bis 320.000 EUR). Die goldene Mitte bevorzugend, hielt Helene Funkes farbkräftiges „Stillleben mit Birnen und Weintrauben auf blauem Tuch“ an 26.000 Euro innerhalb der Schätzgrenzen fest. Auch Gerhild Diesners frühlingshafte Arrangements „Weiße Magnolie in gelber Vase vor gelbem Hintergrund“ und „Bunter Blumenstrauß“ favorisierten mit jeweils 22.000 Euro die Wunschvorstellungen. Bei Ludwig Ferdinand Grafs koloritbetontem Stillleben mit Äpfeln auf einem Tisch von 1922 kamen 10.000 Euro zusammen (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Stattliche 60.000 Euro wusste dagegen Vittorio Zecchins flächig-ornamentale Figurenkomposition aus der Serie „Tausend und eine Nacht“ einzufordern (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Dem Aufwärtsstreben des spitzen Matterhorns fühlte sich ein Käufer verpflichtet, der für 8.500 Euro Felix Heubergers neusachliche Alpenlandschaft „Aufsteigender Dunst“ erwarb (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Den unteren Betrag von 30.000 Euro konnte Maurice de Vlamincks düster-stürmischer „Bauernhof in der Bretagne“ realisieren. Dem Vorbild seines Malerkollegen folgte Maurice Utrillos winterliche Paris-Vedute „Le Lapin Agile sous la neige“ von circa 1948 mit finalen 70.000 Euro. Ebenfalls Mitglied dieses Preisclubs wurde Adolf Erbslöhs „Portrait von Anne Kayssler“ aus dem Jahr 1924. Ruhig und sicher fuhr das unprätentiöse Gemälde der Lesenden die angesetzten 18.000 Euro ein. Erfolgreicher war Roman Kramsztyk bei 38.000 Euro für sein Bildnis „Mann in roter Jacke“ und Papierrolle in der Hand (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Edward Cucuels in Weiß gekleidete Schönheit mit Sonnenschirm zu frühem Herbsttag „An der Seemauer“ freute sich über 36.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Ludwig Schwarzers wie eine Ziehpuppe gemalte „Schießbudendame“ von 1978 ergab sich erst bei 7.500 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Abstrakte Kunst

Der Tscheche Emil Filla machte mit seinem kubistischen „Stillleben mit Weintrauben und Flasche“ eine gute Figur. Die Leinwand bricht die Flasche und das Glas in unterschiedlichen Ansichten vor einem leuchtend gelben und rosafarbenen Grund mit weißen Streifen. Das Grasgrün konzentriert sich um die dunkelvioletten Trauben und teils roten Äpfeln. Das farbintensive Stück von 1949 steigerte den Preis auf 60.000 Euro (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR). Der kaleidoskopartig gebrochene „Tanz“ mehrerer Frauen in wuchernder Natur von Maximilian Reinitz wohl um 1921/23 entfachte einen rasanten Sturm der Gebote, der ebenfalls zu 60.000 Euro und damit zu einer fünffachen Preisentwicklung führte.

Genau die Mitte der Erwartung traf mit 60.000 Euro Alberto Magnellis um 1913/14 in geometrische Farbzonen gebannte „Danseuse-Marionette“. Giacomo Balla akzeptierte mit 15.000 Euro für seinen dekorativen Entwurf „tre fiori galli“ um 1920 den unteren Taxwert, ebenso wie Gino Severini mit 18.000 Euro für seinen Bühnenbildentwurf „Campagna“ von 1958 und Enrico Prampolini mit 50.000 Euro für seine surreale Gestalt „Individualità aeroplastica“ von 1932. Einträglicher gestaltete sich der Schlagabtausch bei Piero Dorazios „Controforma prova 3“ von 1949, deren schwingende Farbformen 80.000 Euro erzielten (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

In den günstigeren Preisklassen doppelte André Massons kalligrafische Arbeit „Au pays des oiseaux morts“ von 1957 den Wert auf 16.000 Euro. Die lockere Komposition vor weißem Grund mit durchschimmernden Farbnuancen in Flieder, Grau und Gelb durchziehen eine horizontale und drei vertikale Geraden aus schwarzen gebrochenen Linien und Formen, die eine Art gestische Fantasieschrift bilden (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Lynn Chadwicks aus Dreiecken zusammengesetzter Spachteldruck einer menschlichen Gestalt von 1966 wechselte für 4.000 Euro den Besitzer (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Arbeiten auf Papier

Der träumerische Fernblick in Egon Schieles „Kopf einer Frau“ von 1918 mied die untere Bewertung von 200.000 Euro und verharrte bei 170.000 Euro. Im fünfstelligen Bereich spiegelt sich diese Zurückhaltung wiederum bei Gustav Klimts Zeichnung eines nach rechts geneigten Mädchenkopfes von etwa 1916 mit 26.000 Euro (Taxe 28.000 bis 38.000 EUR). Einen besseren Schnitt machte Herbert Boeckls dynamisches Portrait „Sitzende Frau (Maria Boeckl)“ von 1918/19, das in kolorierter Ausführung 45.000 Euro erwirtschaftete (Taxe 40.000 bis 60.00 EUR). Angetrieben von dieser Aufwärtsbewegung holte sich Hermann Max Pechsteins zackiges Aquarell „Negerskulpturen“ aus dem Jahr 1919 hübsche 32.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Zaghafter war der Ruf des leuchtenden Aquarells „Blühende Pflanzen vor blauem Gebirge“ von Emil Nolde aus dem Jahr 1914 mit 55.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Diesen Abschlag glich die „Landschaft unter blauem Abendhimmel“, die Nolde zwischen 1935 und 1940 mit satten Farbnuancen aus Blau, Violett, Grün und Orange schuf, bei 65.000 Euro wieder aus (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Einen interessanten Einblick in die Vorgehensweise Mario Sironis bietet seine auf Papier festgehaltene „Composizione con cavalli in fuga“ von 1945/55. Vier Bildsegmente charakterisieren das Werk, wobei die namensgebenden Pferde samt Reiter aus dem Bild zu springen scheinen. In großen Schwüngen verflechten sich Bleistiftzeichnung und schwarze Tempera zu vier Bildern unterschiedlicher Ausführung. Das Blatt erzielte stabile 3.200 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Skulptur

Ludwig Wittgensteins charmanter „Mädchenkopf“ bezauberte das Parkett und entlockte einem Interessenten 80.000 Euro für die ockerfarbene Keramikbüste von 1925/28 (Taxe 40.000 bis 70.000 EUR). Fritz Wotrubas „Kleine stehende Figur“ von 1950 aus zusammengesetzten Kuben brachte taxkonforme 22.000 Euro ein, Giorgio de Chiricos um die Arme gestutzter „Trovatore“ von 1971 in einem posthumen, golden polierten Bronzeguss von 1988 gute 12.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Durchaus Grund für die stolze Position mit erhobenem Haupt und gerecktem Schweif hat Marino Marinis „Piccolo cavallo“ dank der 19.000 Euro, die den Hammer fallen ließen. Dieses nummerierte dritte von insgesamt zehn Exemplaren aus Silber von 1973 präsentiert einen stilisierten Hengst in vereinfachter Form mit stark bewegter silbern-schwarzer Oberfläche (Taxe 11.000 bis 15.000 EUR). Dagegen strich Marinis 1970 gemalter „Giocoliere rosso a cavallo“ bei 65.000 bis 85.000 Euro die Segel.

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



15.01.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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