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Kulturschaffende sorgen sich um Zukunft der Documenta

Debatte um Documenta reißt nicht ab

Nach dem Millionendefizit der Documenta 2017 haben sich nun renommierte Kulturschaffende an den Aufsichtsrat gewandt und in einem Offenen Brief ihre Sorge um die zukünftige Ausrichtung der Weltkunstausstellung kundgetan. Die 135 Museumdirektoren, Kuratoren, Künstler, Professoren und weiteren Personen der internationalen Kunstwelt kritisieren in dem gestern veröffentlichten Schreiben vor allem die „Umstrukturierung der Documenta im Sinne einer reinen Kommerzialisierung und Vermarktung der Marke Documenta“ und befürchten, dass damit die „international agierende und einflussreiche Kulturinstitution in Deutschland in ihrem Image erheblich beschädigt wird und damit auch das Bild Deutschlands im Ausland“.

Eine erste Konsequenz aus diesen Überlegungen sei die Auflösung des Vertrags mit der Geschäftsführerin Annette Kulenkampff gewesen, der bisher keinerlei Schuld an dem Defizit von 5,4 Millionen Euro nachgewiesen werden konnte. Dass die gemeinsame Wahl des zweiten Standortes Athen Zusatzkosten verursachen kann, sei allen Beteiligten bekannt gewesen. Das Kostenrisiko wurde rechtzeitig kommuniziert. Man könne deshalb keinen anderen Grund für den vehementen Eingriff durch die lokale und regionale Politik erkennen, als den Versuch, sich einer unabhängigen Struktur zu bemächtigen und sich dabei mit Annette Kulenkampff zuerst jener Person zu entledigen, die auf besonders unbequeme Art für die künstlerische und wissenschaftliche Autonomie der Documenta gebürgt habe. Die Unterzeichner fordern daher eine Fortbeschäftigung Kulenkampffs.

In dem Offenen Brief heißt es weiter: „Die nun lancierten Überlegungen reichen von einer Aufhebung des gemeinnützigen Status der Documenta gGmbH über eine Eingliederung der Öffentlichkeitsarbeit in das Stadtmarketing bis zu einer Neuverteilung der finanziellen Risikolast. Das heißt letztendlich, Verantwortung zu verlagern, die Einnahmen auf die öffentliche Hand zu konzentrieren und zugleich die Freiheit der Kunst zu minimieren. Die geplanten rechtlichen Rahmenbedingungen bedeuten nichts anderes, als die Ausrichtung der konzeptionellen wie künstlerischen Freiheit an rein haushälterischen Maßstäben.“ Daher verlangen die Kulturschaffenden einen internationalen Expertenbeirat, der den Aufsichtsrat aus Vertretern des Landes Hessen und der Stadt Kassel erweitern und einen zukunftsweisenden, verbindlichen Kriterienkatalog für die Documenta entwerfen soll.

Initiiert wurde der Offene Brief von Iris Dressler und Hans D. Christ, den Direktoren des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart, Elke aus dem Moore, Leiterin der Abteilung Kunst des Instituts für Auslandsbeziehungen, Gerrit Gohlke, Leiter des Brandenburgischen Kunstvereins in Potsdam, Jean-Baptiste Joly, dem Leiter der Stuttgarter Stiftung Akademie Schloss Solitude, und Bettina Steinbrügge, Leiterin des Kunstvereins in Hamburg. Unter www.change.org hoffen sie auf zahlreiche Unterstützer der Online-Petition.


Infos: www.change.org

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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