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Das Museum Barberini in Potsdam wartet mit einer kunsthistorischen Einordnung der Kunst in der DDR auf

Was verbirgt sich hinter der Maske?



Wolfgang Mattheuer, Das zweite Gesicht, 1970

Wolfgang Mattheuer, Das zweite Gesicht, 1970

Einen würfelförmigen Pappkarton hat ein nackter Mann über den Kopf gezogen. Vorne lächelt in gelbem Kolorit ein abstrahiertes, asiatisch anmutendes Gesicht. Links klappt der Kubus auf. Das wahre Gesicht blickt missmutig und besorgt heraus. Wolfgang Mattheuer malte 1970 „Das zweite Gesicht“. Es gilt als Dokument dafür, wie sich der Künstler rätselhaft und doppeldeutig in der DDR-Gesellschaft bewegte. Ähnlich einem Schutzpanzer hat dagegen Theo Balden bei seiner Terrakotta „Kopf mit Maske“ im Jahr 1964 das lächelnde zweite Scheingesicht janusköpfig übergezogen, während das Urbild irritiert und befremdlich durch einen offenen Ausschnitt blickt. Beide Künstler scheinen nicht nur über ihre Rolle im Sozialismus zu reflektieren. Sie dürften auch die Illusion eines Staates gemeint haben, die er sich mit seinem eingeforderten Kunstbegriff selbst auferlegte.


Kunst und Künstler in der DDR waren bereits vielfach Thema von Ausstellungen. Politische, historische oder soziologische Aspekte wie Systemvergleiche, oppositionelles Potential oder Auftragsgebundenheit standen dabei im Fokus. Nun befasst sich das Potsdamer Museum Barberini rein kunsthistorisch mit der Kunst in der DDR. Der kritische Blick nach innen, das Selbstverständnis sowie die trotz vieler Einschränkungen genutzten Spielräume werden erfreulich konkret in einer überzeugenden Themengliederung ausgeforscht. Ohne ermüdend auszuufern, versammeln sich 117 exemplarisch ausgewählte Werke von 77 Künstlern. Neben bekannten Namen begegnet der Besucher einer Reihe von weitaus weniger präsenten Kunstschaffenden. Die Anzahl von rund 1.500 Künstlern auf der Kunstausstellung der DDR im Jahr 1987 zeigt zudem, wie klein der nun präsentierte Teil ist und wie viel Forschungsarbeit auf diesem Gebiet noch zu leisten bleibt. Hinzu kommt, dass ostdeutsche Werke im musealen Kontext sowie im Kunsthandel als Nischen- und Randbereiche gelten.

Ausgangspunkt der Schau sind die hauseigene Sammlung des Mäzens Hasso Plattner, aus der zehn Werke einbezogen wurden, und ein vorausgegangenes wissenschaftliches Kolloquium, dessen Beiträge der Katalog dokumentiert. „Ich finde es gut, dass wir im Museum endlich einmal zeigen können, wie vielfältig und abwechslungsreich die Kunst in der DDR wirklich gewesen ist“, merkt Hasso Plattner an. Dies demonstrieren schon die zehn teils überraschend anmutenden Themenbereiche, die die Werkauswahl gliedern.

Titelgebendes Leitmotiv ist die Maske als Instrument künstlerischer Selbstbehauptung. Durch Verbergen schützt sie die Künstlerpersönlichkeit, die unterschwellig Ironisches und im übertragenen Sinne Brisantes aufgreift. Als Signaturbild tritt der von Trak Wendisch 1984 illustrierte Seiltänzer auf, ein in dramatischer Untersicht balancierender rot gewandeter Clown, der eher gepeinigt als beflügelt in den gefährlichen Abgrund blickt. Etwas weiter im Saal der Maskenspiele agiert Bernhard Heisig als Puppenspieler, der eine applaudierende Skelettfigur als Verweis auf die Marionettenhaftigkeit des Künstlers hält.

Den Einstieg in den Parcours bildet jedoch die eher klassische Gattung der Malerbilder. Neben althergebrachten Figurenbildnissen erstaunen vor allem solche, die sich davon entfernen, an die Moderne anlehnen oder Medien miteinander verschränken wie etwa ein Foto, in dem sich Evelyn Richter einerseits an ein klassisches Herrscherbild anlehnt und selbstbewusst positioniert, andererseits vom Dadaismus anregen ließ. Auch wenn das Dogma des Sozialistischen Realismus die als Sprache des Westens geltende abstrakte Kunst ausschloss, behaupteten sich gleichwohl Künstler auf diesem Feld, wie der angrenzende Abschnitt signalisiert. Von Günther Hornig stammt hier ein dreidimensionales Strukturbild aus farbigen Pappstreifen. Wie andere Kunstschaffende wählte Hornig eine vom freien Künstlerleben abweichende berufliche Profession. So arbeitete er als Lehrer für Bühnenbild an der Dresdner Kunsthochschule und fand hier die Möglichkeit für innovative Kunst- und Lehrformen. Sein Dresdner Kollege Karl-Heinz Adler hatte seine Auftraggeber im Bereich der Bauplastik.

Ausgeprägt stellt sich das Segment der Gruppenbildnisse dar. Künstler tendieren dazu, in der Gemeinschaft ihre Identität zu stärken. Zwischen Selbstbehauptung und Abgrenzung pendelnd, inszenieren sich die Maler als Bohemiens oder persiflieren sich in antiker Nacktheit wie etwa Harald Metzkes. In seinem 1965 gemalten Bild „Der Parnass“ sitzen Künstler der Berliner Malerakademie als Aktfiguren in einer Sauna. Das Atelier, interpretiert als Ort der Reflektion, des Rückzugs, der Bühne oder als Schutzraum, wird in vielen Motiven als rigoroser Ausdruck künstlerischer Individualität beansprucht. Während beispielsweise Bernhard Heisig sein Atelier farbenfroh und bewegt als Stätte überschäumender Kreativität und Lebendigkeit festhält, greift Karlheinz Wenzel bei der Illustration seines Arbeitsumfelds auf das tradierte romantische Motiv des Atelierfensters zurück.

Schlüssig schließt sich das Kapitel der „Erbansprüche“ an. Wie durch Rückgriffe auf die Vergangenheit staatliche Instanzen hintergangen wurden, offenbart originell wie süffisant Dieter Weidenbachs Ölbild „Unterwegs“. Auf feingliedrige Weise verlegte er 1976 Hieronymus Boschs bekannte Version vom „Landstreicher“ in seine Heimatstadt Weißenfels. Ab den 1970er Jahren ließen sich die Künstler immer weniger vereinnahmen. Ihr Unbehagen an den herrschenden Verhältnissen floss in drastischen „Verstörungen“ sowie neue Ausdrucksformen ein. Überragendes Werk unter den „Störbildern“ ist Hans-Hendrik Grimmlings Triptychon „Die Umerziehung der Vögel“. Das heikle Thema der Umerziehung und Freiheitsberaubung setzte er 1977 monumental wie symbolisch durch gequälte Vögel kantig in Szene.

Zu den überraschenden Abschnitten zählt die Zusammenstellung von Werken mit Bezügen zum Christentum. Wie auch in einer atheistischen Gesellschaft die christliche Bildwelt mit ihrem großen gegenständlichen Reservoir für Trauer, Schmerz oder Hoffnung allgemeingültige Muster vorgibt sowie Künstlern Gelegenheit zur ironischen Selbsterhöhung durch Gleichsetzung mit heiligen Figuren gestattet, zeigt nicht zuletzt Werner Tübke. Auf einer bulgarischen Ikone übermalte er Christus mit einem Selbstporträt, einer auf Albrecht Dürer zurückgehenden Selbstdarstellung als göttlicher Künstler. Die Thematik spiegelt sich auch im Medium der Plastik. Die überragende Rolle der menschlichen Figur verdeutlicht eine Zusammenstellung von Skulpturen aus der DDR, die den gesamten Lelbachsaal im Palazzo Barberini füllt.

Nicht Teil der Ausstellung sind die beigefügten 16 großformatigen Gemälde der „Palast-Galerie“ aus dem alten Berliner Palast der Republik. Nunmehr im Besitz des Deutschen Historischen Museums, sind sie nach umfassender Reinigung und Restaurierung seit 1996 erstmals wieder zu sehen. Unter dem Generalthema „Dürfen Kommunisten Träumen?“ gibt der 1975 entstandene Zyklus die schleichende Abkehr von propagandistischer, optimistischer Idealisierung hin zu einer neuen, vielschichtigen, expressiveren Formensprache zu erkennen. Insofern schlägt der eher eine historische Epoche repräsentierende Korpus einen kunsthistorischen Bogen zur Hauptschau. Als Quintessenz der verdienstvollen Ausstellung bleibt die ungeahnte Diversifizierung von Themen und Medien, die eine bislang wenig anerkannte abwechslungsreiche Vielfalt vorstellen. Während in der DDR ein figuratives Anknüpfen an die Neue Sachlichkeit vorherrschte, dominierte im Westen die abstrakte Ausdrucksweise. Trotz verschiedener Ausgangspunkte waren beide Seiten auf ihre Weise der Zukunft zugewandt.

Die Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ ist noch bis zum 4. Februar zu sehen. Das Museum Barberini hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre sowie Schüler über 18 Jahre ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog aus dem Prestel Verlag, der auch die Vorträge des wissenschaftlichen Symposiums dokumentiert, kostet im Museumsshop 29,95 Euro. Zur „Palast-Galerie“ ist ein eigener Band im Rahmen der Reihe „Barberini-Studien“ für 14,95 Euro erscheinen.

Kontakt:

Museum Barberini

Humboldtstraße 5–6

DE-14467 Potsdam

Telefon:+49 (0331) 97 992 185

Telefax:+49 (0331) 97 992 183

E-Mail: info@museum-barberini.com



10.01.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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28.10.2017, Hinter der Maske. Künstler in der DDR

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Museum Barberini

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Skulpturen von Künstlern in der DDR
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Gudrun Brüne, Selbst mit Vorbildern, 1982
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Karlheinz Wenzel, Mein Arbeitsplatz in der MTS Klebitz, 1959
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Trak Wendisch, Seiltänzer, 1984
Trak Wendisch, Seiltänzer, 1984

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Dieter Weidenbach, Unterwegs, 1976
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Werner Tübke, Selbstbildnis auf bulgarischer Ikone, 1977
Werner Tübke, Selbstbildnis auf bulgarischer Ikone, 1977

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Arno Rinck,
 Versuchung, 1980
Arno Rinck, Versuchung, 1980







Skulpturen von Künstlern in der DDR

Skulpturen von Künstlern in der DDR

Gudrun Brüne, Selbst mit Vorbildern, 1982

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Karlheinz Wenzel, Mein Arbeitsplatz in der MTS Klebitz, 1959

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Trak Wendisch, Seiltänzer, 1984

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Dieter Weidenbach, Unterwegs, 1976

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Werner Tübke, Selbstbildnis auf bulgarischer Ikone, 1977

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Arno Rinck, Versuchung, 1980

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Harald Metzkes, Der Parnass, 1965

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Eberhard Löbel, Stillleben mit Selbstbildnis, 1971

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Günther Hornig, Ohne Titel, 1986

Günther Hornig, Ohne Titel, 1986

Bernhard Heisig, Selbst als Puppenspieler, 1982

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Hans-Hendrik Grimmling, Die Umerziehung der Vögel, 1977

Hans-Hendrik Grimmling, Die Umerziehung der Vögel, 1977




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