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Parastou Forouhar stellt sich ihrer Anklage im Iran

Die iranische Künstlerin Parastou Forouhar, geboren 1962 in Teheran, hat ihr Heimatland Iran aufgesucht, in dem sie wegen Blasphemie und Propaganda gegen das Regime angeklagt ist. Auf diese Vergehen stehen bis zu zehn Jahre Haft. Beschuldigt wird sie vom dortigen Informationsministerium, das schon 1998 ihre Eltern, zwei Oppositionspolitiker, ermorden ließ. Seit 1991 lebt die international renommierte Künstlerin in Deutschland, reiste aber trotzdem zu ihrem Prozess nach Teheran. „Deutschland ist mein Zuhause. Aber ich wusste, wenn ich jetzt nicht in den Iran reise, kann ich später niemals mehr dorthin zurückkehren. Ich würde sofort am Flughafen festgenommen. Es war eine Entscheidung darüber, ob ich diesem System erlaube, mir das Land wegzunehmen, in dem ich aufgewachsen bin und mit dessen Menschen ich mich total verbunden fühle“, begründet sie ihre Entscheidung in einem Interview für „Die Welt“.

Auslöser des Gerichtsverfahrens sind zwei von Forouhars Werken der Serie „Countdown“ aus den Jahren 2003 und 2008. Mit traditionellen Aschura-Tüchern bezog sie dabei Sitzmöbel, zum einen Stühle, zum anderen Sitzsäcke. Der „Welt“ berichtet die 55jährige, dass solche Tücher „zu bestimmten schiitischen Trauerzeremonien benutzt werden. Aber das ist nichts Heiliges, diese Tücher findet man auch in Taxis oder auf Lastwagen“. „Countdown“ sei eine künstlerische Arbeit, eine Art, mit der Tradition umzugehen. Der Richter, ein Geistlicher, habe das nicht verstanden. Aufmerksamkeit erregten die Werke zuletzt in den sozialen Medien, als sich eine iranische Aktivistin mit einem Glas Wein auf den Sitzmöbeln fotografierte. Das Foto ging rasch um die Welt.

Jährlich reist Parastou Forouhar in ihr Heimatland, um ihrer Eltern zu gedenken, und will dies auch fortführen. Sie sieht das Gericht nun in der Defensive, da der Staat kein Interesse an dem erneuten öffentlichkeitswirksamen Aufwickeln des Mordes an ihren Eltern durch das Informationsministerium habe. Gerade vor diesem Hintergrund verteidigen die Künstlerin zwei liberale Politiker im Land und sehen das Vorgehen als „Schande“ im Umgang mit einem Opfer von Staatsgewalt. Auch in den sozialen Netzwerken erhielt Forouhar großen Zuspruch.

Quelle: Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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