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Speer-Ausstellung in Nürnberg

Unter allen Sparten der Künste gibt es keine zweite, die in der Öffentlichkeit eine so große Präsenz entfaltet wie die Architektur. Nur allzu gerne versuchen daher politische Systeme, ihre Macht über dieses Medium subtil zu untermauern. Systemaffinen, politisch klar verorteten Architekten eröffnet sich somit die Chance, in ihren künstlerischen Vorstellungen voll aufzugehen. Zu den schillerndsten Figuren dieser Spezies gehörte im letzten Jahrhundert Albert Speer. Der enge Vertraute Adolf Hitlers besaß in seiner Funktion als Generalbauinspektor beherrschenden Einfluss auf die architektonische Staatsrepräsentation. Ab 1942 war er zudem als Reichsminister für die Bewaffnung und Kriegswirtschaft zuständig. Am 1. Oktober 1946 wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe am 1. Oktober 1966 entlassen, startete der damals 61jährige eine zweite Karriere als scheinbar geläuterter Exponent des Nationalsozialismus. Diese steht im Fokus der Nürnberger Schau „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit Deutscher Vergangenheit“. Kernanliegen der Kuratoren ist die Untersuchung der Frage, warum der Schöpfer architektonischer Großprojekte so lange eine derart breite Resonanz in einer unkritischen Öffentlichkeit fand.

Drei Kapitel gliedern die Präsentation im unvollendeten Torso der Kongresshalle auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Hörstationen, Videos und Großfotos untermauern Speers öffentlich gesteuerte Inszenierung durch präzis organisierte Rechtfertigungen und Argumentationsstrategien. Im zweiten Teil wird Speers Vermarktung vorgestellt. Sie gelang besonders über Publikationen, allen voran die Bücher „Erinnerungen“ und die „Spandauer Tagebücher“. Deren Erfolg mit Millionenauflagen gelang nur wegen des großen Interesses an Hitler. Überraschend ist die Analyse seines breiten Unterstützerkreises aus renommierten Verlegern wie Joachim Fest oder Wolf Jobst Siedler, die Speers Werke redigierten und zu Bestsellern katapultierten. Exzellent honorierte Exklusiv-Interviews, Vorabdruck- und Filmrechte machten Albert Speer zum Millionär. Sein charismatisches Auftreten als Zeitzeuge trug dazu bei, die Agitation zu steuern und zu manipulieren.

Im dritten Ausstellungsteil zeigen Wissenschaftler das wahre Bild eines Täters im Zentrum der Macht. Frappant legen Dokumente Speers Beteiligung bei der Ausbeutung von Häftlingen für Großbauten, an der Judenverfolgung und baulichen Konzeption von Konzentrationslagern offen. Bis zu seinem Tod 1981 führte er das Leben eines reichen Mannes. Kurz danach setzte mit intensiven Forschungen, grundlegenden Veränderungen der Medienlandschaft, dem Aufkommen der „Geschichtsbewegung“ und vermehrten Hearings von Opfern ein Wandel ein, der zu einer kritischen Bewertung von Speers Rollen führte.

Die Ausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit“ ist noch bis zum 6. Januar 2018 zu besichtigen. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände hat täglich von 9 bis 18 Uhr, samstags und sonntags ab 10 Uhr geöffnet. An Heiligabend und 1. Weihnachtstag bleibt das Zentrum geschlossen. Der Eintritt in die Sonderausstellung ist frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog zu 9,80 Euro erschienen.

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110
D-90478 Nürnberg

Telefon: +49 (0)911 – 231 75 38
Telefax: +49 (0)911 – 231 84 10

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


28.04.2017, Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit

Bei:


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Künstler:

Albert Speer








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