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Baden-Baden hinterfragt die Wahrheitsfindung in Amerika

William Nelson Copley, Imaginary Flag for U.S.A., 1972

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt in „America! America! How real is real?“ rund 70 Werke von US-Künstlern der 1960er Jahre bis heute, die sich mit dem Wirklichkeits- und Wahrheitsbegriff der amerikanischen Gesellschaft befassen. Kurator Helmut Friedel hat dazu unter anderem Arbeiten von Jeff Koons, Roy Lichtenstein, Alex Katz, Tom Wesselmann und Eric Fischl ausgewählt. Mit der eigenen Sammlung und internationalen Leihgaben möchte das Haus einen Überblick der unterschiedlichen Auslegungen politischer und gesellschaftlicher Ereignisse geben, die die visuelle Kultur in Amerika geprägt haben.

„America! America! How real is real?“ thematisiert den gesellschaftlichen Wandel seit den 1960er Jahren, den die Künstler anhand von neuen Mitteln und Techniken kommentieren. Kaum eine andere Nation ist von der Wirkungskraft der Bilder so geprägt wie die USA. Die Darstellung des „American Way of Life“ entwickelt sich zunehmend zu einem medialen Konstrukt, dass vor allem durch Bilder und subjektive Meinungen beeinflusst wird. Die Verschiebung von Wahrheit und Fantasie ist das Resultat und bleibt bis heute ein aktuelles Phänomen. So schreibt Friedel: „Wenn ‚Fake News‘ und ‚Alternative Facts‘ inzwischen zu vielgebrauchten Schlagwörtern geworden sind, macht dies nur deutlich, wie in der realen Welt der Politik wie der Medien nicht mehr zwischen nachgewiesener Wirklichkeit und eindeutigen Falschaussagen unterschieden wird. Die amerikanische Kunst seit der Pop Art hat daraufhin sehr verschiedene Erzählstrukturen entwickelt. Dabei geht es um eine radikale Hinwendung zu Themen des amerikanischen Alltags, seinen Mythen, Desastern und Projektionen – einer Bilderflut, die zusammen mit einer neuen Musik und einer aufregenden Erzählkultur in zahllosen Filmen Hollywoods sehr populär und unmittelbar aufbereitet wurde und in ihrem Sog auch ein breites Publikum in Europa mit sich reißen und begeistern konnte.“

Besonders Traumata und Katastrophen, die in den Medien häufig ausgiebig angesprochen werden, regen die Künstler zu neuen Erzählweisen an. In vielen Werken verwischen sie dabei die Grenze zwischen Realität und Fiktion. In der frühen 1960er Jahre beschäftigt sich Andy Warhol in seinen Siebdruckbildern mit Gewalt und Tod. Seine Fahndungsfotos von Schwerverbrechern und Autounfällen eröffnen die Ausstellung in Baden-Baden. Statt eines emotional aufgeladenen Bildes, erscheinen Warhols Werke kühl und distanziert. Medienbilder nutzt auch Robert Longo, der das Attentat auf das World Trade Center per Hand nachmalt. Den Tathergang gestaltet er durch Bearbeitungen von Kontrasten und Tiefenschärfe zu einem subjektiven Ereignis. Gegen Ende des Vietnamkriegs und zu Beginn des Watergate Skandals kritisiert William Nelson Copley 1972 den ideologischen Patriotismus in den USA. Auf seiner amerikanischen Flagge steht statt der 50 Sterne der Bundesstaaten in großen weißen Lettern der Aufruf „Think“. Cindy Shermans Selbstinszenierungen als Marilyn oder Madonna spielen auf das Rollenbild der Frau an, während Vanessa Beecroft in ihren Gruppen-Performances die übersteigerten Ansprüche an den weiblichen Körper behandelt.

Als Vorläufer der Pop Art präsentiert das Museum Burda im Mezzanin Werke Ray Johnsons. Auch er hinterfragt mit seinem Schaffen die klassischen Institutionen und den Kunstmarkt. Dabei holt er sich Inspiration bei der Populärkultur und fertigt dadaistische kleinformatige Collagen aus Zeitungs- und Magazinausschnitten sowie Markenlogos mit feinlinigen Zeichnungen. Seine Werke sind gespickt mit Witz und humoristischen Figuren.

Die Ausstellung „America! America! How real is real?“ und „Ray Johnson. Picasso Queen“ sind bis zum 21. Mai 2018 zu sehen. Das Museum Frieder Burda hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Heiligabend und an Silvester bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 11 Euro, für Schüler ab neun Jahren 5 Euro, darunter ist er frei. Der Katalog aus dem Verlag Edition Cantz kostet im Museum 38 Euro.

Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8 b
D-76530 Baden-Baden

Telefon: +49 (0)7221 – 39 89 80
Telefax: +49 (0)7221 – 39 89 830

Quelle: Kunstmarkt.com/Katja Hock

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Veranstaltung vom:


09.12.2017, America! America! How real is real?

Veranstaltung vom:


09.12.2017, Ray Johnson. Picasso Queen

Bei:


Museum Frieder Burda

Variabilder:

Tom Wesselmann, Smoker #10, 1973
Tom Wesselmann, Smoker #10, 1973

Variabilder:

Cindy Sherman, Untitled Marilyn, 1982
Cindy Sherman, Untitled Marilyn, 1982

Variabilder:

Robert Longo, The Haunting (Triptych), 2005
Robert Longo, The Haunting (Triptych), 2005

Variabilder:

Jeff Koons, Bear and Policeman, 1988
Jeff Koons, Bear and Policeman, 1988

Variabilder:

Ray Johnson, ohne Titel (Picasso Queen), 1973
Ray Johnson, ohne Titel (Picasso Queen), 1973

Variabilder:

William Nelson Copley, Imaginary Flag for U.S.A., 1972
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