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Lasersteins Rückenakt kommt nach Berlin

Das Schwule Museum Berlin kauft mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder einen Rückenakt der Künstlerin Lotte Laserstein an. Die Ölstudie entstand 1956 als Vorbereitung eines heute verschollenen und lediglich fotografisch überlieferten Doppelporträts der Künstlerin mit Modell. Die Sammlung des Hauses in Berlin wird so um ein Kunstwerk ergänzt, dessen Erschafferin Konventionen ihrer Zeit, vor allem zur Rolle der Frau in der Gesellschaft, hinterfragt hat.

Modell stand der der Künstlerin Margarete Jaraczewski, genannt Madeleine, die Laserstein in Stockholm kennenlernte. Sie stellte die ebenfalls in die schwedische Hauptstadt emigrierte Ökonomin sitzend und den Unterkörper in eine Decke eingehüllt dar. In der rechten Hand hält Jaraczewski ein Schriftstück. Der Hintergrund wird von einer fliederfarbenen Wand gefüllt, links ist eine Staffelei zu sehen. Neben den Sujets der weiblichen Aktdarstellung, die für gewöhnlich von männlichen Künstlern ausgeführt wurden, malte Laserstein oft Frauen, die normative Geschlechterrollen unterlaufen. Als Beispiele gelten ihre teils androgyn erscheinenden Frauen beim Tennisspielen oder mit kurzen Haaren. Das Schwule Museum, das auch alle anderen Geschlechteridentitäten und Lebensformen in den Blick nimmt, kann diesen Bereich seiner Sammlung nun durch eine Malerin ergänzen, die sich in einer männerdominierten Kunstwelt durchsetzen konnte und derartige Lebenswelten bildwürdig machte.

Lotte Laserstein, geboren 1898 in Ostpreußen, schloss ihr Studium an der Vereinigten Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst in Berlin 1927 als eine der ersten Frauen mit Auszeichnung ab. Bis 1933 konnte sie sich mit vielbeachteten Ausstellungen und Würdigungen einen Namen erarbeiten. Das Berliner Tagblatt forderte so beispielhaft im Jahr 1929 auf, Lasersteins Namen „wird man sich merken müssen“. Als Jüdin verließ sie ihre Heimat 1937 und folgte einer Einladung zur Stockholmer Galerie der Moderne. In dieser Stadt traf sie auch auf Madeleine, die ihr als Inspiration für das Gemälde dienen sollte. Nach dem Krieg geriet Lasersteins der Neuen Sachlichkeit und dem Realismus nahestehendes Schaffen, wie das vieler weiterer Künstler, in Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit entdeckt die Kunstwelt diese „vergessene Generation“ wieder.

Quelle: Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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