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Duisburg würdigt Rebecca Horn mit Lehmbruck-Preis

Rebecca Horn, Der Schildkrötenseufzerbaum, 1994

Elegante goldene Stäbe balancieren auf einem dunkelgrauen Stahlpodest in langsamen wiegenden Bewegungen. Bedächtig und kontemplativ zwingen sie den Betrachter zum stillen Innehalten. Erstmals sind Teile aus Rebecca Horns neuester Werkgruppe der „Hauchkörper“ in der gleichnamigen Überblicksschau im Duisburger Lehmbruck Museum zu sehen. Anlass ist die Vergabe des mit 10.000 Euro dotierten Wilhelm-Lehmbruck-Preises an die deutsche Künstlerin am vergangenen Freitag. Eine Reihe prominenter Kunstschaffender und Museumsleute, darunter Horst Bredekamp, Wulf Herzogenrath oder Günther Uecker, mussten leider miterleben, wie die Preisverleihung unter Abwesenheit Horns vonstattenging. Nach einem Schlaganfall seit zwei Jahren an den Rollstuhl gefesselt, ließ eine Infektion die Reise von ihrem Wohnort Bad König im Odenwald nach Duisburg nicht zu.

Im Jahr 1966 zu Ehren des großen Sohnes von der Stadt Duisburg etabliert, werden in unregelmäßigen Abständen herausragende Künstler mit dem wohl wichtigsten deutschen Preis für die Gattung Skulptur ausgezeichnet. In die erlesenen Gruppe der bisher prämierten, darunter Eduardo Chillida, Richard Serra oder Nam June Paik, reiht sich nun erstmals eine Frau ein. Ähnlich wie in Wilhelm Lehmbrucks Werkschaffen geht es auch bei Rebecca Horn im Kern um die „conditio humana“, die menschliche Existenz, deren Bedingungen und Zustände. Die geistigen Energien allerdings macht Horn nicht an menschlichen Körpern und Gebärden fest, sondern arbeitet abstrakter. Ihr Werk ruht dabei auf einem Dreiklang von Körper, Bewegung und Raum. In den letzten 50 Jahren experimentierte die Künstlerin dabei auf den Feldern der Performance, des Films, der Skulptur und der Zeichnung.

Rund zwei Dutzend Werke legen in der Ausstellung davon Zeugnis ab. „Tanz einer Pirouette“ heißt eine kinetische Plastik aus dem Werkkomplex der „Hauchkörper“, bei der sich die auf spiralförmigem Grundriss platzierten Stäbe wie Schilfhalme zu neigen scheinen. Drei goldene kreisrunde Ringe drehen sich in der Plastik „Umschlungen in unendlicher Liebe“ auf verschiedenen Ebenen um eine gemeinsame Achse. Das Weltenmodell kann als Appell gelesen werden, dass die verbindende Kraft der Liebe die Weltgemeinschaft zusammenhalten sollte.

Zu den aktuellen Werken aus diesem Jahr gesellen sich weitere aus vorherigen Schaffensperioden. Im zentralen Ausstellungssaal hat die gewaltigste und ausdrucksvollste Arbeit ihren Platz gefunden. Der kupferne „Schildkrötenseufzerbaum“ aus dem Jahr 1994 besitzt an den Enden seiner dünnen, geschwungenen Äste Trichter, aus denen Stimmen zu hören sind. Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Erde berichten in ihrer Sprache von ihren Sorgen. In ihren Arbeiten beweist Rebecca Horn ein sicheres Gespür für das Surreale, kombiniert mit einer komplexen Mechanik. Aber auch die großformatigen, zart-abstrakten Acryl- und Bleistiftzeichnungen strahlen eine heitere Kraft aus, die in ihrem irritierenden Zauber aus subtiler Erotik und teils ängstigender Aggression das Hin- und Hergerissensein der Jetztzeit spiegeln.

Die Ausstellung „Rebecca Horn. Hauchkörper als Lebenszyklus“ ist bis zum 2. April 2018 zu sehen. Das Lehmbruck Museum hat täglich außer montags von 12 bis 17 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 39,80 Euro kostet.

Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum
Friedrich-Wilhelm-Straße 40
D-47051 Duisburg

Telefon: +49 (0)203 – 283 26 30
Telefax: +49 (0)203 – 283 38 92

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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