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Russische Revolution: Wie eine Fotografie Geschichte macht

Plakat zur Ausstellung „Sturm auf den Winterpalast: Forensik eines Bildes“

Zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution widmet sich der Hartware Medienkunstverein in Dortmund einer Fotografie, die zum Symbol des vermeintlich historischen Ereignisses geworden ist. Was das Bild mit der Erstürmung des Winterpalastes in St. Petersburg aber zeigt, sind keine Tatsachen sondern eine Inszenierung des Theaterregisseurs Nikolai Evreinov (1879-1953). Das Massenereignis, das er mit 10.000 Laiendarstellern und 100.000 Zuschauern 1920 nachstellte, ging trotzdem in die sowjetische Geschichtsschreibung ein, unter anderem in Bildbänden, Schulbüchern oder auf Plakaten. Selbst die Bildagentur Getty Images bietet auf ihrer Website dieses Foto als Dokument der Oktoberrevolution an.

Es existiert aber keine Fotografie des historischen Ereignisses. Was sich nach julianischem Kalender am 25. Oktober 1917 abspielte, war alles andere als ein Ausfand des Volkes. Keine revolutionären Massen stürmten den Sitz der provisorischen Regierung, sondern einige Rotgardisten nahmen lediglich eine Gruppe Minister gefangen, die schon längst kapituliert hatten. Der Hartware Medienkunstverein führt die Historisierung der Theaterinszenierung anhand des vermutlichen Originalfotos sowie einer retuschierten Version vor. Entfernt wurden dabei unter anderem der Regieturm und einige Zuschauer. Was übrig blieb, ist eine auf den Winterpalast stürmende Menschenmasse. Wie die Kuratorin Sylvia Sasse schreibt, wurde die Geschichte damit „repariert“, und die Sowjetunion hatte ihre Ursprungserzählung.

Anhand von 62 Bildern und einem Film der Theaterdarstellung sowie mit zahlreichen sekundären Veröffentlichungen, etwa in Geschichtsbüchern oder auf Meißner Porzellan, verdeutlichen die Kuratorinnen Inke Arns und Sylvia Sasse die Dokumentwerdung der Fotografie. Sie rekonstruieren zudem die Aufnahmesituation des Bildes. Sechs internationale Künstler und Künstlerinnen greifen mit Erinnerungskultur, Geschichte, ihrer Wiederholung und Authentizität Themenkreise um Nikolai Evreinov „Erstürmung des Winterpalastes“ auf. Vertreten ist mit Kasimir Malewitsch ein Zeitzeuge der Oktoberrevolution. Aktuelle Positionen stellen beispielsweise Milo Rau und das International Institute of Political Murder mit der Uraufführung des Films „Der Sturm auf den Reichstag“ oder die russische Künstlergruppe Chto Delat? mit der Videoinstallation „Palastplatz 100 Jahre danach“ vor.

Die Ausstellung „Sturm auf den Winterpalast: Forensik eines Bildes“ läuft vom 25. November bis zum 8. April 2018. Sie hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Donnerstag und Freitag zusätzlich bis 20 Uhr. Das Einzelticket kostet 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Bis zum 3. Dezember ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die beim Hartware Medienkunstverein für 30 Euro erhältlich ist.

Hartware Medienkunstverein im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
D-44137 Dortmund

Telefon: +49 (0)231 – 49 66 420
Telefax: +49 (0)231 – 49 66 42 29

Quelle: Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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25.11.2017, Sturm auf den Winterpalast: Forensik eines Bildes

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Hartware Medienkunstverein

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Plakat zur Ausstellung „Sturm auf den Winterpalast:
 Forensik eines Bildes“
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Chto Delat?, Palace Square 100 years after, 2017
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Milo Rau und International Institute of Political Murder,
 Sturm auf den Reichstag, 2017
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„Sturm auf den Winterpalast“ –
 unretuschierte Variante und vermutetes Original der theatralen Inszenierung auf dem Palastplatz
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