Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 12.12.2017 Auktion 67: Alte Meister - Moderne

© Galerie Auktionshaus Hassfurther

Anzeige

Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach

Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von  Stuck

Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigt eine interdisziplinäre Ausstellung über das Gesicht. Dabei entfaltet das bildmächtige Aushängeschild des Menschen seine Einflüsse auch auf die Kunst

Schillernde Gesichtspflege



Marcel Odenbach, Tupac, 2015

Marcel Odenbach, Tupac, 2015

Allerorten sehen wir in Gesichter, die uns gleichfalls beäugen. Folglich entfachen sich Wechselspiele zwischen dem Selbst und dem Anderen. Wohlwollen oder Distanz, Sympathie oder Ablehnung, Drohungen oder Anzügliches kommuniziert das Gesicht als wichtigstes Medium menschlicher Interaktion. Sein Agieren und Reagieren sind oft konkreter als Worte. Ein Gesicht vermittelt den Charakter der Person, ist Medium des Selbstausdrucks und Eindrucks. Facettenreiche wie faszinierende Fragestellungen, eine Fülle von Interpretationsmöglichkeiten von der Stilikone bis hin zum sozialen Vorbild verbinden sich mit dem individuellen Antlitz. Derzeit begibt sich das Deutsche Hygiene-Museum in einer tiefgründigen Schau auf die Spur der Dramaturgie von Gesichtern.


Dafür haben die Berliner Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Sigrid Weigel und die Dresdner Kuratorin Kathrin Meyer rund 150 kulturhistorische und wissenschaftliche Objekte, Dokumente und Medien der Alltagskultur ausgewählt und ihnen ebenso viele künstlerische Positionen gegenübergestellt, die einen Eindruck von der großen Bandbreite der Verwendungen und Darstellungen geben: Masken, Karikaturen, Selfies, Robotergesichter, die amtliche Signatur eines Passfotos, das im ausgehenden 19. Jahrhundert erfundene Fahndungsfoto, das operativ plastisch-chirurgisch geformte Gesicht, das psychiatrische Porträt, Gesichter als Zielscheibe oder ganz aktuell Gesichter im Visier elektronischer Erkennungssysteme sind nur einige Verästelungen der ausufernden Materie. Gleich zu Beginn der Dresdner Ausstellung wird der Eintretende konkret eingebunden. Von einer elektronischen Kamera erfasst, findet sich der Besucher einige Stationen weiter auf einem Bildschirm wieder, vom Computer zudem noch klassifiziert nach Geschlecht und Altersgruppe.

Am Anfang des Parcours im Deutschen Hygiene-Museum rückt das „Gesicht als Gestalt“ an sich in den Fokus. 70 Köpfe von Schaufensterfiguren von 1820 bis heute füllen eine wandgroße Vitrine. Sie alle wirken attraktiv, ohne jedoch allzu stark aufzufallen. Das Design der Gesichter aus Holz, Pappmaché, Gips, Kunstharz oder Zelluloid spiegelt die Schönheitsideale der jeweils aktuellen Kultur. Die stilistischen Andeutungen beginnen mit Vorbildern aus der griechisch-römischen Antike und setzen sich über Idealtypen der NS-Zeit oder orientiert am Starkult der 1950er Jahre bis hin zum kühlen Businesstyp von heute fort.

Neben angewandter Gestaltung spielen im weiteren Verlauf die bildenden Künste eine tragende Rolle. Aus dem Raster des „Normalen“ herausfallende, von Künstlern verarbeitete Gesichter kontrastieren die Schaufensterfiguren. Cindy Sherman versteht es, dies in ihrer Serie großformatiger Fotoporträts gekonnt zu verarbeiten. Lustvoll, aber auch erschreckend treibt sie alltäglichen Maskeraden in klischeehaften Bildern auf die Spitze und setzt dafür immer die eigene Person ein. Im Porträt einer alternden Diva stellt Sherman etwa die sozialen Rollen bloß. Ihre Maskeraden zeigen, dass jedes Gesicht unterschiedliche Identitäten annehmen kann.

Gesichter markieren lebenslange Veränderungen. Dies vermittelt eindrücklich das Porträt der 106 Jahre alten Frieda Neas. Paul Mobley setzte in seinem Foto Licht- und Schattenspiele der tief durchfurchten Gesichtslandschaft aus Runzeln und Falten besonders in Szene. Kate Cooper schuf für ein Video ein glattes Werbegesicht. Puppenhaft, ja unheimlich wirkt die mit den Augen klimpernde Gestalt, die kieferorthopädische Produkte vorführt. Wie seit der der Antike Pflegestoffe und Kosmetika den Blick ins Gesicht manipulieren, der den ersten Eindruck so nachhaltig bestimmt, erläutern weitere Objekte.

„Mimik und Ausdruck“ stehen dann im zweiten der insgesamt vier Kapitel im Fokus. Prominent platziert ist hier der um 1775 entstandene „Charakterkopf 31. Geruch, der zum Niesen reizt“ von Franz Xaver Messerschmidt. Der bayrisch-österreichischer Bildhauer schuf diese regellose Porträtplastik und alle weiteren rund 50 extravaganten Antlitze ohne konkreten Auftrag. Fußend auf dem eigenen Spiegelbild, trieb er das Mienenspiel ins Extreme. Interaktive Stationen, in denen digitale Erfassung und Entschlüsselung des Gesichtsausdrucks erprobt werden können, leiten über in einen Abschnitt, der sich der Identifikation von Gesichtern widmet. Die 36 Fotografien des koreanischen Künstlerduos Shinseungback Kimyonghun zeigen gesichtsartige Wolkenbilder und dienen als Exempel dafür, in welche Formen Gesichtszüge hinein interpretiert werden können, wo eigentlich keine sind.

Das Konfliktfeld zwischen zunehmender Überwachung und dem Recht auf unkontrollierte Bewegungsfreiheit inspirierte das Künstlerduo Adam Broomberg und Oliver Chanarin zu der 104teiligen Fotoserie „Spirit is a bone“, die einen kritischen Kommentar auf den immer stärkeren digitalen Zugriff auf unsere Gesichter enthält. In das letzte Kapitel „Das Gesicht als Bildnis“ leitet die Collage „Tupac“ von Marcel Odenbach ein. Die Darstellung des Rappers Tupac Shakur ist eine Montage, bei der Odenbach das Hemd aus Cartoon-Figuren der amerikanischen Fernsehserie „Beavis and Butt-Head“ gebildet hat, um so parallele gesellschaftliche Identitäten zu verdeutlichen.

Wofür steht die Darstellung des Gesichts? Wen soll das Bild ansprechen? Was soll es bewirken? In welchem Zusammenhang ist es entstanden? Diesen Fragen gehen Weigel und Meyer am Beispiel einer Auswahl heterogener künstlerischer Positionen nach. So signalisieren F.C. Gundlachs Fotografien zerrissener, übermalter, zerschnittener und kommentierter Wahlplakate den Angriff auf das Bildnis, der so alt ist wie das Bildnis selbst. Frust, Zorn, Rassismus oder bittere Enttäuschung haben sich hier entladen. Thorsten Brinkmann porträtiert sich selbst als Skulptur, bei der er sein Gesicht stets mit Alltagsgegenständen grotesk verbirgt und somit Neugierde und Fragen provoziert. Das Thema der wieder in Mode gekommenen Fotoporträts auf Grabsteinen thematisiert Robert Lebeck in einer Fotoserie.

Peter Keetman fotografierte eine Frau durch ein metallenes Gitternetz, in dessen Maschen Wassertropfen hängen. Die Bildsplitter eröffnen so unterschiedliche Wahrnehmungen und Lebensgeschichten. Weder berühmt noch außergewöhnlich waren David und Afra Dettigkhofer, die Christoph Amberger in den Jahren nach 1530 in Öl porträtierte. Ab 1500 geschah der Durchbruch der Porträtmalerei. Das Individualporträt stieg zum Symbol einer neuen Oberschicht auf. Es wurden nun nicht mehr Typen dargestellt, sondern individuelle Gesichter. Heute sind sie abgelöst durch Selfies, deren Boom die Smartphones ausgelöst haben. Selfies sind das Ergebnis einer technischen Revolution, die es erlaubt, sich nach eigenen Vorstellungen stets und überall ins Bild zu setzen und zu inszenieren. Sie werfen zum Abschluss die Frage auf, welche Relevanz und Gestalt das Gesichtsporträt künftig noch entfalten wird.

Die Ausstellung „Das Gesicht. Eine Spurensuche“ ist bis zum 25. Februar 2018 zu sehen. Das Deutsche Hygiene-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Neujahr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist er kostenlos. Die zur Ausstellung erschienene Begleitpublikation kostet im Museum 24,90 Euro.

Kontakt:

Deutsches Hygiene-Museum

Lingnerplatz 1

DE-01069 Dresden

Telefon:+49 (0351) 48 460

Telefax:+49 (0351) 48 46 102

E-Mail: service@dhmd.de



21.11.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 14

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Variabilder (12)

Veranstaltung vom:


19.08.2017, Das Gesicht - Eine Spurensuche

Bei:


Deutsches Hygiene-Museum

Variabilder:

Peter Keetman, 1001 Gesichter, 1957
Peter Keetman, 1001 Gesichter, 1957

Variabilder:

Christoph Amberger,
 Porträt David Dettigkhofer – Porträt Afra Dettigkhofer geb. Manlich, 1533
Christoph Amberger, Porträt David Dettigkhofer – Porträt Afra Dettigkhofer geb. Manlich, 1533

Variabilder:

Shinseungback Kimyonghun, Cloud Face, 2012
Shinseungback Kimyonghun, Cloud Face, 2012

Variabilder:

Cindy Sherman, Untitled #567, 2016
Cindy Sherman, Untitled #567, 2016

Variabilder:

Paul Mobley,
 Frieda Neas, 2015
Paul Mobley, Frieda Neas, 2015

Variabilder:

F.C. Gundlach, aus der Serie „Wählers
 Gunst oder Die kleine Rache des Souveräns“, 2015
F.C. Gundlach, aus der Serie „Wählers Gunst oder Die kleine Rache des Souveräns“, 2015

Variabilder:

Kate Cooper, Rigged,
 2014
Kate Cooper, Rigged, 2014







Peter Keetman, 1001 Gesichter, 1957

Peter Keetman, 1001 Gesichter, 1957

Christoph Amberger, Porträt David Dettigkhofer – Porträt Afra Dettigkhofer geb. Manlich, 1533

Christoph Amberger, Porträt David Dettigkhofer – Porträt Afra Dettigkhofer geb. Manlich, 1533

Shinseungback Kimyonghun, Cloud Face, 2012

Shinseungback Kimyonghun, Cloud Face, 2012

Cindy Sherman, Untitled #567, 2016

Cindy Sherman, Untitled #567, 2016

Paul Mobley, Frieda Neas, 2015

Paul Mobley, Frieda Neas, 2015

F.C. Gundlach, aus der Serie „Wählers Gunst oder Die kleine Rache des Souveräns“, 2015

F.C. Gundlach, aus der Serie „Wählers Gunst oder Die kleine Rache des Souveräns“, 2015

Kate Cooper, Rigged, 2014

Kate Cooper, Rigged, 2014

Kate Cooper, Rigged, 2014

Kate Cooper, Rigged, 2014

Adam Broomberg und Oliver Chanarin, Spirit is a Bone, 2013

Adam Broomberg und Oliver Chanarin, Spirit is a Bone, 2013

Thorsten Brinkmann, Upper Ich, 2006

Thorsten Brinkmann, Upper Ich, 2006

Robert Lebeck, aus der Serie „In Memoriam: Fotografien auf Gräbern“, 1980

Robert Lebeck, aus der Serie „In Memoriam: Fotografien auf Gräbern“, 1980




Copyright © '99-'2017
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce