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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Wenn die Bilder auf dem Kopf stehen und ein Dinosaurierbaby in Eierschale alle Aufmerksamkeit bekommt, versammelt sich wohl Zeitgenössische Kunst im Wiener Dorotheum

Oben ist unten und vorne ist hinten



Was für die einen zum Bestandteil der Faszination eines Kunstwerks gehört, ist für manche Kritiker Grund zum Naserümpfen. Georg Baselitz spielt schon lange mit diesem Gegensatz, indem er seine Bilder vermeintlich verkehrt herum konzipiert und das Motiv mit diesem Handgriff ganz neu wirken lässt. So steht nicht etwa der triumphierende Boxer im Fokus seiner zwei Meter großen Leinwand von 2003, sondern ein „Kleines Feuer“, das vom Himmel zu fallen scheint. Eine neoexpressionistische Neuinterpretation sozialistischer Schulbuchbilder präsentiert Baselitz 2001 auf einer zwei Meter messenden runden Leinwand mit dem Titel „Sibirski Greeting the Champions“, in der zwei kleine Kinder mit Blumensträußen einer dunklen bedrohlichen Farbmasse in Schwarz gegenübertreten – natürlich nur echt mit der auf dem Kopf stehenden Hängung. Beide Bilder stehen nun im Dorotheum zur Verfügung und gehören mit 170.000 bis 220.000 Euro respektive 150.000 bis 200.000 Euro zu den Highlights der Auswahl an zeitgenössischer Kunst.


Liebhaber der Kunstproduktion aus den vergangenen 70 Jahren kommen im Wiener Auktionshaus am 22. und 23. November auf ihre Kosten und können bei knapp 400 Positionen fündig werden. Bei Giuseppe Uncini kann man nicht gleich auf den ersten Blick sicher sein, was Vorder- und was Rückseite ist. Und dann ist das, was erst wie genageltes Holz wirkt, auch noch bearbeiteter Beton! Seine geometrische Struktur „Cementarmato n. 5“ von 1960 ist signiert für 150.000 und 200.000 Euro zu haben. Freunde explizit gegenständlicher Darstellungen werden sich mehr über die Werke Tom Wesselmanns freuen. Der US-amerikanische Pop Art-Künstler steuert zwei seiner „Großen Nackten“ bei, weibliche Akte in sexuell provokativen Posen: Während „Monica lying on Blanket“ von 1988 einer Umrisszeichnung aus mit Laser geschnittenem Stahl und Emailfarbe gleicht (Taxe 75.000 bis 85.000 EUR), lässt das detaillierte Bleistift- und Liquitexblatt „Drawing for Great American Nude #87“ keinen Raum für Fantasie (Taxe 38.000 bis 50.000 EUR).

Nicht Sex, sondern Niedlichkeit sells soll es im Fall eines riesigen Eis mit Dinosaurierbaby heißen, wenn es nach den Experten im Dorotheum geht. Dieses steht im Mittelpunkt des 1996 entstandenen quadratischen Gemäldes von Martin Kippenberger. Der 1997 verstorbene Maler sprach dem Ei mit seinen körperlichen, sexuellen und mythologischen Implikationen in vielen seiner Bilder eine wichtige motivische Rolle zu. Die Darstellung eines Urzeitmonsters in pränatalem Zustand, für die eine Abbildung aus der Zeitschrift „National Geographic“ Vorlage war, lässt sich zudem als vielschichtiges Selbstporträt des zur Entstehungszeit schon schwer kranken Künstlers lesen. Das Ölgemälde ist mit der Schätzung auf 250.000 bis 350.000 Euro eines der Top-Lose der Auktion.

Mittlerweile traditionell punktet die Auktion mit herausragenden Arbeiten italienischer Avantgardekünstler der 1960er Jahre. Ein besonderes Highlight ist die dunkelblaue „Zone riflesse“ von Paolo Scheggi aus drei übereinander liegenden Leinwänden mit Acrylbemalung und elliptisch verzerrten Öffnungen, die für stolze 280.000 bis 360.000 Euro aufs Auktionspult steigt. Eine etwas kleinere, himmelblaue Variante gibt es schon ab 180.000 Euro. Eines von Scheggis Vorbildern in Mailand war Lucio Fontana, der etwa mit einer wie Öl schimmernd bemalten, zerfurchten Keramik auf ovaler Platte unter dem Titel „Crocifissione“ von 1961/62 teilnimmt (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Verformte Leinwände, die die Grenzen zwischen Malerei und Plastik sprengen, steuern Enrico Castellani mit seiner „Superficie bianca“ von 1981 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR) und Agostino Bonalumi bei. Letzterer beteiligt sich mit einer subtileren Variante in Weiß mit Wellenrelief von 1976 (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR) und einem dunkelroten Reliefobjekt mit aus der Leinwand herausgebogenen kreisförmigen Rippen, die senkrecht zur Oberfläche stehen (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR).

Ganz selbstironisch sagt Maria Lassnig über ihren Erfolg, dass man sie „so lange unterbewertet habe, dass sie die jetzige Bewertung gar nicht mehr bewerten kann“. Die 2014 verstorbene Grande Dame der zeitgenössischen österreichischen Malerei ist mit zwei selbstreflexiven Körperbewusstseinsbildern aus der Serie „Innerhalb und außerhalb der Leinwand“ von 1984/85 (Taxe je 180.000 bis 320.000 EUR) sowie einem kleinen grünlastigen frontalen Porträt des Schauspielers Roland von Schulze aus dem Jahr 1977 vertreten, das im Berliner Restaurant Axbax hing (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR). Landsmann Franz West ist mit einer unbetitelten Pappmascheeskulptur von 1994/96, einer Erweiterung seiner ebenfalls körperlich gedachten, sogenannten „Passstücke“, mit von der Partie (Taxe 120.000 bis 220.000 EUR). Einen subtilen Nachklang des Wiener Aktionismus erlebt man mit einer stürmisch rot verwischten Leinwand Otto Muehls von 1990 (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR).

Eine Ode auf die Absurdität der Bürokratie schuf Tony Cragg 1993 mit seinem monumentalisierten Stempelkarussell „Subcommittee“ aus Bronze, von dem nur zwei weitere Ausführungen existieren, weshalb das Dorotheum die Schätzung mit 100.000 bis 150.000 Euro für die Skulptur ansetzt. Nicht weniger beeindruckend präsentiert sich die glänzend goldfarben patinierte „Disco in forma di rosa del deserto“ von Arnaldo Pomodoro aus dem Jahr 2006, die nach vielen erfolgreich versteigerten Losen des Bildhauers optimistisch bei 250.000 bis 300.000 Euro rangiert. Für den Kunstliebhaber mit kleinerem Geldbeutel empfehlen sich Pomodoros Einzelstück einer herabhängenden abgerissenen „Colonna“ aus weißem Fiberglas von 1985 für 30.000 bis 40.000 Euro oder die in Bronze gegossene Reliefplatte „Lettera narrativa“ von 1977 für 15.000 bis 20.000 Euro.

Pomodoros „Continuità“-Kollege Tancredi sticht unter vier Losen besonders mit einer unbetitelten Leinwand von 1959 hervor, die mit wilden Pinselstrichen einem bunten Farbenfeuerwerk gleicht (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Minimalistisch auf eine Lieblingsfarbe legte sich hingegen Ettore Spalletti bei der quadratischen „Muro 2004“ in beruhigendem Himmelblau fest (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR), das ihn schon 1997 begeisterte, wie „Così com’è, bianco“ beweist, ein Diptychon im selben Hellblau sowie Weiß mit Blattgoldschnitt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Das beherrschende Element bei den Arbeiten des ZERO-Künstlers Heinz Mack ist hingegen das Licht, das auch den feinmaschigen „Lichtfächer im Raum“ von 1965 aus Streckmetallgewebe zu einem schillernden reflektierenden Objekt verwandelt (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Künstlerfreund Gotthard Graubner untersucht das Licht 1968 auf einer mit Hilfe von Schaumstoff verformten Leinwand in leichtem Grau-Weiß (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Die schöpferische Wucht des Malers steht im Mittelpunkt der fantastischen Abstraktionen der CoBrA-Bewegung, die ebenso fröhlich stimmen wie verstören wollen: 1948 als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg von sechs Künstlern gegründet und vier Jahre später bereits wieder aufgelöst, nahm die avantgardistische Gruppe noch lange Einfluss auf die zeitgenössische Kunst in Europa. Asger Jorns Ölbild „Brokit brak-Patchy quarrel“ von 1964 mit ungestümen Gestalten ist ein lebendig-aggressives Beispiel für eine Reihe von Arbeiten aus diesem Kreis, die in dieser Auktion anwesend sind. Die kraftvolle Arbeit mit den breiten Pinselstrichen und starken Farbkontrasten ist mit 150.000 bis 200.000 Euro das am höchsten bewertete Werk der Reihe. Der Holländer Corneille porträtierte 1948 stark abstrahiert einige „Bicyclistes“ vor giftgrünem Hintergrund (Taxe 55.000 bis 75.000 EUR), während Landsmann Karel Appel mit aufgespachtelter Farbmasse bunte und unheimliche Vogelgestalten wie den „Earth bird“ von 1955 oder den „Bird fantastic“ von 1956 schuf (Taxen zwischen 40.000 und 65.000 EUR).

Geometrische und Konkrete Kunst mit dem Fokus auf Muster und Sinnestäuschung prägt das Werk von Künstlern wie Gianni Colombo oder Dadamaino. Colombos quadratisches „Spazio elastico 16 quadrati“ von 1975 besteht aus elastischen Metallfäden, die zu 16 sich überschneidende Rechtecke gespannt sind. Doch der Betrachter kann sie beliebig verschieben und so zu immer neuen Objektstrukturen modifizieren (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Dadamainos Arbeit aus der „Oggetti Ottico Dinamici“-Serie besteht aus gewalzten Aluminiumplatten, die wie Kacheln ein Metallschachbrett formen und durch ihren Wechsel von hellen und dunklen Flächen mit den Dimensionen des Raums und den Augen des Betrachters spielen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Eine skurrile Reliefarbeit liefert Francesca Pasquali mit „Straws“, in der sie Hunderte von farbigen Strohhalmen 2010 zu einem imposanten Korallenriff formte und auf Holz fixierte (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).

Geradezu angenehm figurativ wirkt im Vergleich ein gewollt leidenschaftsloses Bild von Alex Katz, der meist Porträts von Freunden und Verwandten in alltäglichen Situationen herstellte. In seinem Œuvre stehen Studien für sich, so auch in der Arbeit, die nun in Wien versteigert wird: Die Ölstudie von John Button und Scott Burton zeigt in der Anlage zwar das im selben Jahr entstandene Gemälde aus der Sammlung Frieder Burda, unterscheidet sich in der Ausführung jedoch stark davon und behält sich so seine Eigenständigkeit (Taxe 130.000 bis 160.000 EUR). Julian Schnabel stellt uns überlebensgroß die junge „Rhonda“ vor, die seit 1982 im trägerlosen Kleid und durch Rechtecke optisch eingezwängt auf einem Stuhl steht (Taxe 40.000 bis 70.000 EUR). Der Brite John Salt nimmt uns dann in seinem hyperrealistischen Gemälde „Demolished, Arrested Auto“ von 1970 auf einen Schrottplatz mit (Taxe 55.000 bis 75.000 EUR).

Ein höherer Abstraktionsgrad ist dann wieder dem Schaffen Eduardo Arroyo zu eigen. Sein Doppelportrait „Permi les peintres“ mit adrett gekleideten Männern hat er 1975 als Collage aus Schmirgelpapier gestaltet, wobei er die Hautpartien mit kleinen bunten Farbinseln ungegenständlich belässt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Auf die Umrisslinien konzentriert sich Cesare Tacchi 1967 bei seinem in Rot getauchten Liebespaar mit wulstigem Stoffrahmen (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR). Weihnachtsstimmung kommt am 23. November schon dank zwei Papierarbeiten von Andy Warhol auf: Ein handgemalter Formschnitt auf Karton zeigt in Grün- und Rottönen einen kleinen Weihnachtsbaum mit Stechpalmenzweigen, der kitschig die richtige Atmosphäre schafft (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR); klassisch-elegant präsentiert sich hingegen das Offset „Christmas Tree“ auf Goldblattdruck und Glanzpapier, das mythische Symbole, Fabel- und Märchenwesen zu einer vegetabilen Pyramide anhäuft (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR).

Die Versteigerung des ersten Teils der „Zeitgenössischen Kunst“ startet am 22. November um 18 Uhr. Der zweite Teil folgt am 23. November ab 17 Uhr. Eine Besichtigung der Werke ist zum jeweiligen Auktionsbeginn möglich. Das Palais Dorotheum hat werktags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Katalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



20.11.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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22.11.2017, Zeitgenössische Kunst I - 221117

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