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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Böser Expressionismus in Bielefeld

Die Kunsthalle Bielefeld thematisiert in ihrer neuen Schau „Der böse Expressionismus. Trauma und Tabu“ die kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts in der Kunst und zeigt die aufwühlende, kämpferische Seite der expressionistischen Maler. Hierfür hat Kuratorin Jutta Hülsewig-Johnen Arbeiten von George Grosz, Jacoba van Heemskerck, Walter Jacob, Oskar Kokoschka, Else Lasker-Schüler, August Macke, Paula Modersohn-Becker, Hans Richter, Ernst Ludwig Kirchner, Marianne von Werefkin, Gert Heinrich Wollheim, Jakob Steinhardt, Otto Dix, Emmy Klinker oder Max Ernst ausgewählt. Zu den 200 Werken von 30 Künstler gehören auch Leihgaben aus Privatbesitz, die erstmalig präsentiert werden.

Die Vehemenz in der Kunst des Expressionismus nahm mit dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der wilhelminischen Epoche zu und resultierte in einer Protesthaltung der jungen Generation gegen das Bürgertum und deren konservative Normen. Heute hat sie sich etabliert und wird als dekoratives gesellschaftsfähiges Interieur wahrgenommen. Diese Verharmlosung entsprach aber nicht den Vorstellungen der Künstler. So stand in Herwarth Waldens Sturm-Zeitschrift von 1910: „Wir wollen nicht unterhalten, wir wollen ihnen ihr bequemes, ernst-erhabenes Weltbild tückisch demolieren.“ Diese Geisteshaltung entwickelte sich aus einer Zeit der Spannungen heraus: Industrialisierung, Landflucht, Wohnungsknappheit und Unterdrückung trafen auf die Theorien Sigmund Freuds und Friedrich Nietzsches, das antinationalistische Denken sowie ein selbstbestimmtes Subjekt. Provokationen durch Brechen von Tabus, Drogenexzesse und Forderung auf Toleranz spiegelten sich in den Bildern der Expressionisten wider. Zudem nutzten die Künstler Literatur, Film, Musik und Tanz als Projektionsfläche für ihre Rebellion.

Das Bielefelder Haus möchte an die Aufbrüche und Abstürze des frühen 20. Jahrhunderts erinnern und den Bogen zur heutigen Zeit spannen. Themen, wie Individualität und gesellschaftliches Miteinander, mit denen sich Künstler vor einem Jahrhundert auseinandersetzten, sind für uns immer noch relevant. Neben der Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm, das auch den expressionistischen Film, Tanz und Literatur einbezieht. Zwei Konzertabende mit der Cooperativa Neue Musik und den Bielefelder Philharmonikern sind dem Expressionismus und der Musik gewidmet.

Die Ausstellung „Der böse Expressionismus. Trauma und Tabu“ läuft bis zum 11. März 2018. Die Kunsthalle Bielefeld hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr und samstags schon ab 10 Uhr geöffnet. An Heiligabend und Silvester bleibt das Haus geschlossen Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung erscheint im Wienand Verlag ein Katalog; der Buchhandelspreis beträgt 45 Euro, der Preis in der Kunsthalle 38,90 Euro.

Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Straße 5
D-33602 Bielefeld

Telefon: +49 (0)521 – 329 99 500
Telefax: +49 (0)521 – 329 99 50 50

Quelle: Kunstmarkt.com/Katja Hock

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11.11.2017, Der böse Expressionismus - Trauma und Tabu

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Kunsthalle Bielefeld

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