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600 Jahre Papstwahl in Konstanz

Aus einem Fenster des Kaufhauses verkündet ein Kleriker mit einem Tragkreuz die erfolgte Papstwahl

Am Martinstag, dem 11. November 1417, hieß es in Konstanz: „Habemus Papam“. Von einem Fenster des heutigen Konzilsgebäudes verkündete ein Diener die neue Nachricht. Das Konklave hatte nach drei Tagen und zwei Wahlgängen den italienischen Kardinal Oddone Colonna zum neuen alleinigen Papst Martin V. gewählt. Es war die bislang einzige gültige Papstwahl auf deutschem Boden. Das wichtigste Ziel des Konstanzer Konzils damit war erreicht und das knapp 40 Jahre währende abendländische Schisma beendet. Im April 1418 fuhren die Teilnehmer wieder in ihre Heimat. Heute, genau 600 Jahre später, erinnert die Stadt Konstanz mit einem ökumenischen Gottesdienst, einem Festakt sowie einem stattlichen Martinsumzug an das wichtigste Ereignis ihrer Stadtgeschichte.

Nicht nur diese und viele weitere Veranstaltungen, sondern auch kunsthistorisch bedeutende Artefakte und Bauten künden in Konstanz noch heute auf Schritt und Tritt von den ereignisreichen Konzilsjahren. Die Plenarsitzungen des Konzils fanden im heutigen Münster statt. Die einstige Kathedrale des 1821 aufgelösten Bistums Konstanz besteht im Kern aus einer romanischen Säulenbasilika. Der im Jahr 1089 geweihte Bau erfuhr dann vor allem nach der Reformation zahlreiche Überformungen im jeweils aktuellen Stil der Zeit. Die 1853 errichtete neugotische Turmspitze bildete den Abschluss aller Maßnahmen.

Die Papstwähler fanden sich zum Konklave in einem Lagerhaus direkt am Seehafen zusammen. Zwischen 1388 bis 1391 nach Vorstellungen des „Meister Arnold“ im feuchten Seeboden auf Eichenpfählen am Ufer entstanden, gilt das massive Walmdachgebäude als größter erhaltener mittelalterlicher Profanbau nördlich der Alpen. Von drei Seiten vom See umgeben, konnten Waren von den Schiffen mittels Kräne direkt ins Haus gehievt werden, die in den heute so markanten auskragenden Eckerkern eingerichtet waren. Da das Objekt gut gesichert und abgeschottet werden konnte, bot es sich als idealer Ort für die 53 Papstwähler an, die samt ihren Dienern im oberen dreischiffigen Saal in eigens eingebauten Zellen logierten.

Auch heute noch bietet sich dem Besucher auf den zwei Vollgeschossen die originale dreischiffige Hallenstruktur aus je acht Achsen mit mächtigen, die Konstruktion tragenden Holzpfeilern. Ab 1824 wurden im Obergeschoss Erinnerungsstücke an das Konzil präsentiert. Nachdem seeseitig im Jahr 1911 ein langer Terrassenanbau erfolgte, dient das wichtige Baudenkmal als Restaurant und Veranstaltungssaal. Hier fand auch im Jahr 2014 die große Konzilsausstellung statt.


Infos: www.konstanzer-konzil.de

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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