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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und Zeitgenössische Kunst mit amüsanten Zutaten bei Andreas Sturies in Düsseldorf

Aus Linien werden Bilder



László Moholy-Nagy, Ohne Titel (Q1 Suprematistisch), 1923

László Moholy-Nagy, Ohne Titel (Q1 Suprematistisch), 1923

Vertikale und horizontale Linien bestimmen László Moholy-Nagys grafisches Werk. Er lässt sie sich überschneiden, verbindet sie zu geometrischen Formen oder löst sie wieder zu einzelnen Strichen auf. Teils arbeitet der Künstler in der Fläche, teils erzeugt er Räumlichkeit. Damit verbunden, zieht sich die Suche nach Strukturen, optischen Zusammenhängen und neuen Perspektiven durch sein Werk, hervorgerufen durch die elementarsten künstlerischen Mittel. So geht Moholy-Nagy auch in seiner Radierung „Ohne Titel (Q1 Suprematistisch)“ vor. Es belässt den Hintergrund farblos und strukturiert die Bildfläche durch jeweils ein vertikales und ein horizontales Linienbündel, die sich komplett über den Druck ziehen. Der Schnittpunkt der so entstehenden Kreuzform ist leicht aus der Bildmitte nach unten links verschoben. Um dieses Zentrum legt er eine Kreisfläche, die aus einem Linienraster besteht. Zwei weitere Kreise, die das vertikale Linienbündel schneiden und so abschnittsweise verbreitern, ergänzen die Komposition. Moholy-Nagy schafft an den Schnittstellen der geometrischen Grundformen die Tiefe des Bildraums. Er zieht die Linien mancherorts stärker oder schwächer, lässt Freiräume oder variiert in den Linienabständen und gestaltet so eine Tiefenstaffelung.


László Moholy-Nagys Radierung stammt aus dem Jahr 1923, dem ersten Jahr der Tätigkeit des ursprünglich aus Ungarn stammenden Künstlers am Weimarer Bauhaus. Sie ist der zweite Zustand des Probedrucks für ein auch im Titel genanntes Gemälde und gehört mit einer Schätzung von 10.000 Euro zu den Highlights der Auktion für moderne und zeitgenössische Kunst, mit der Andreas Sturies am 18. November in die Herbstsaison geht. In Düsseldorf versteigert er eine Auswahl von 198 Werken verschiedener Kunstströmungen. Programmatisch zum nahenden Winter und auch als Titelbild des Katalogs gewählt, wirbt Theo Champions karge Winterlandschaft aus dem Jahr 1925, in der eine kalte graue Atmosphäre dominiert, für die Veranstaltung (Taxe 2.000 EUR). Symbol für die Auktion selbst ist das Ölgemälde allerdings nicht. Andreas Sturies’ Auswahl bietet eine bunte Vielfalt in der beginnenden dunklen Jahreszeit.

Tendenzen deutscher Kunst

Gerade die deutschen Künstler tun sich in Düsseldorf hervor, etwa Toni Stadler mit seiner Terrakotta „Mädchen mit Schale“ aus dem Jahr 1948. Der Münchner Künstler ist bekannt für seine leicht abstrahierenden Bildhauerarbeiten, die oft Figuren thematisieren (Taxe 1.500 EUR). Als Plastiker und Schüler Stadlers tritt Michael Croissant hinzu. Sein aus Bronze geschweißter „Kopf“ von 1984 treibt die Abstraktion, anders als es noch bei seinem Lehrer der Fall war, bis ins Ungegenständliche (Taxe 3.000 EUR). Mit Karl Hartungs „Engelskopf II“ hat Sturies ein weiteres abstraktes Werk deutscher Bildhauerei im Programm. Die tiefbraun patinierte Bronzeplastik von 1955 markiert den Übergang zum Spätwerk des Künstlers und ziert so unter anderem den Umschlag seines Werkverzeichnisses (Taxe 12.000 EUR). Als eine Arbeit des Übergangs lässt sich auch Eduard Bargheers Aquarell eines Stilllebens von 1947 einordnen. Es ist durch sein Changieren zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion ein Zeugnis der frühen Nachkriegszeit, in der sich diese Kunstströmungen gegenüberstanden (Taxe 2.000 EUR).

Mit drei Werken Imi Knoebels aus der Serie „Anima Mundi“ der Jahre 2010/11 offeriert Sturies ungegenständliche Kunst der jüngsten Vergangenheit. Mit dem Titel „Weltseele“ steht für Knoebel das Zusammenspiel von Form, Farbe und Materialität programmatisch und originär für die Kunst (Taxe je 5.000 EUR). Auf die aktuelle Ausstellung zu Christian Megert in der Düsseldorfer Akademie-Galerie hat Sturies reagiert und die beiden Spiegelobjekte „ID-22-07“ und „ID-19-08“ des gebürtigen Schweizers in die Versteigerung aufgenommen, die mit vorgelagerten farbigen Papier verschiedene Valeurs untersuchen (Taxe 1.500 und 2.000 EUR). Wieder in die Gegenständlichkeit führt Friedrich Schröder-Sonnenstern mit seinem surreal-naiven Traumwesen „Der Mondeselbändiger Kackispiritus“. Seine Buntstiftzeichnung aus dem Jahr 1952 soll 10.000 Euro einspielen. In einer zweiten Buntstiftzeichnung von 1965 zündet Schröder-Sonnenstern eine leicht erotisch angehauchte „Moralische Atombombe“ (Taxe 6.000 EUR). Für die deutsche Variante der Pop Art steht der Ende Oktober verstorbene Werner Berges. Seine titellose Kohle- und Bleistiftzeichnung von etwa 1967 greift mit einem Frauenportrait sein Hauptthema auf, das Berges charakteristisch stilisiert und mit Farbpunkten und -kreisen fragmentiert hat (Taxe 2.500 EUR).

Bernd und Hilla Becher prägten die deutsche Fotografie durch ihre Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie nachhaltig und steuern zur Auktion ihren „Wasserturm Trier-Ehrang“ von 1982 in typologischer Exaktheit bei (Taxe 3.000 EUR). Daneben haben auch zwei Werke ihrer Schülerin Candida Höfer Eingang in die Versteigerung gefunden. Ihr Blick in den Zuschauersaal der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf aus dem Jahr 2012 bringt die nüchternen geometrischen Qualitäten des Baus zur Geltung (Taxe 2.000 EUR). Historistisch verspielter und dekorativer offenbart sich Höfers Foyer im „Teatro Colón Buenos Aires“ von 2006/08 (Taxe 4.000 EUR). Der wohl bekannteste der Becher-Schüler ist Andreas Gursky. Fast wie eine Spielzeuglandschaft wirkt sein Foto „Düsseldorf, Flugzeug“ über einer künstlich aufgeschütteten Halde aus dem Jahr 1989 (Taxe 7.500 EUR).

Zwischen Chagall und Valensi

Andreas Sturies hat auch internationale Künstler im Programm, unter anderem Marc Chagall mit der Lithographie „Faincés dans le Ciel de Nice“ von 1967 nach einer Gouache des Künstlers. Chagalls typisch expressiver und teils verspielter Stil kommt in der Tanzszene der zwei Verlobten im Himmel, umgeben von Blumen und einer Friedenstaube, über der Stadt Nizza zum Ausdruck (Taxe 8.000 EUR). Hier fällt die Bandbreite der Auktion besonders auf, die von international großen Namen der Kunstgeschichte bis zu weniger bekannter und preisgünstiger Kunst reicht. Für eine Schätzung von nur 400 Euro wird beispielsweise eine Farbradierung von Pierre Alechinsky angeboten. Der gebürtige Belgier greift in seinem Stillleben „De la Mort“ ausdrucksvoll die Vanitas-Thematik auf. Das schon häufig vor ihm in der Kunst ausgeführte Bildthema setzt er in eine ans Karikierende grenzende Illustration um, in der Totenköpfe gerade auf das Vergehen einer Pflanze zu lauern scheinen.

Ein Siebdruck der „Saint Apollonia“ von Andy Warhol zeigt den Großmeister der Pop Art in einer ungewohnten Facette. Bei seiner Darstellung der frühchristlichen Märtyrerin orientierte er sich an einem mittelalterlichen Gemälde und platzierte die Heilige vor ungewöhnlich goldgelbem Grund, der an christliche Ikonen erinnert und sogar das Krakelee alter Gemälde nachahmt (Taxe 4.000 EUR). Bob Thompson zählt zu den frühen afroamerikanischen Malern, der 1966 in Rom mit nur 27 Jahren jung verstarb und trotzdem ein Œuvre von über 1.000 Werken hinterlassen hat. Seine starkfarbige Malerei „Harvest Rest“ von 1964 hat mit der großen perspektivischen Weite der Landschaft und der stark formalisierten Menschengruppe an einem Baum im Vordergrund einen Zug ins Psychedelische (Taxe 12.000 EUR). Aus Italien gesellt sich dann Enrico Prampolini hinzu, der seine kleine reizvolle Studie mit drei Köpersilhouetten und Würfelmotiven 1929 dem taubstummen Tänzer Julius Hans Spiegel gewidmet hat (Taxe 8.000 EUR).

Eine Entdeckung der Versteigerung ist das abstrakte Ölgemälde „Expression sur un Hydravion“ von Henry Valensi aus dem Jahr 1919. Zwischen den vertrauten Künstlern seiner Zeit kann Valensi, der als Hauptvertreter für den kaum geläufigen Stil des Musikalismus steht, durch Ausdruckskraft und Dynamik bestechen und verdient eine genauere Betrachtung: Über einer Wasserlinie bewegt sich ein seltsames, kaum zu erfassendes Gefährt, das in mäandernden Sphären und lebhafter Fantasie auf die gesamte bunte Bildfläche ausgreift. Ruhig und gesetzt geht es dagegen auf Yves Laloys Gemälde „Rythme“ aus den 1970er Jahren mit farbigen Dreiecken und Kreisen auf schwarzem Grund zu. Als dritter Franzose mischt noch André Heurtaux mit einer kalkulierten, über die Bilddiagonale organisierten Farbflächenkomposition von 1948 mit (Taxe je 3.000 EUR).

Kunst muss nicht immer ernst sein

Andreas Sturies beweist mit seiner Auswahl, dass Kunst nicht immer ganz ernst sein muss. Beleg dafür ist der als großer Zyniker bekannte Martin Kippenberger. Angeboten wird sein Werk „Aschenbecher“ aus Gießharz, einem einlaminiertem Buch und Zigarettenstummeln des Künstlers. Ein Aschenbecher als Kunst oder die Kunst als Aschenbecher beinhaltet wohl einiges an Kippenbergers oft scharf geäußerter und spöttischer Kritik (Taxe 2.000 EUR). Dieter Roth ist gleich mit 23 Werken auf der Auktion vertreten. Sein Objekt „Im Meer“ von 1970 mit einem Spielzeugflieger, der in einem Pappkarton in ein blaues Meer aus Zuckerguss stürzt, bricht ironisch mit den positiven Assoziationen, die ein solcher Werktitel wohl normalerweise hervorruft (Taxe 5.000 EUR). Auch der „Motorradfahrer“ muss jetzt gegen die rote Acrylfarbe ankämpfen, die Roth 1969 lustvoll über ihn gegossen hat (Taxe 8.000 EUR). In dieser illustren Gruppe darf Sigmar Polke nicht fehlen, der 1968 für seine acht Offsetdrucke der „Palmenserie“ waghalsige Konstrukte aus banalen Materialien baute und sie in die Mappe „Höhere Wesen befehlen“ integrierte (Taxe 5.000 EUR). Claes Oldenburgs umgedrehter, eingedrückter und damit phallisch wirkender Hydrant als Lithografie namens „Soft Fireplug“ von 1973 spricht in dieser Kategorie wohl für sich (Taxe 500 EUR).

Die Auktion beginnt am 18. November um 14 Uhr im Steigenberger Parkhotel, Königsallee 1a, in Düsseldorf. Die Vorbesichtigung findet vom 11. bis zum 16. November in den Räumen des Auktionshauses statt. Der Katalog ist im Internet unter www.sturies.de abrufbar.

Kontakt:

Dr. Andreas Sturies - Moderne Kunst & Auktionen

Goltsteinstraße 23

DE-40211 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 514 13 54

Telefax:+49 (0211) 514 07 69

E-Mail: auktionen@sturies.de



09.11.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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