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In einer Doppelschau stellen das Kunstmuseum Bern und die Bonner Bundeskunsthalle Werke aus dem Kunstfund Gurlitt vor. Dabei treten besonders die komplexen historischen Hintergründe in den Fokus

Mehr Geschichte als Kunst



Ernst Ludwig Kirchner, Zwei Akte auf Lager (Zwei Modelle), 1907/08

Ernst Ludwig Kirchner, Zwei Akte auf Lager (Zwei Modelle), 1907/08

Symptomatischer lässt sich der Auftakt wohl kaum bestreiten. Direkt am Eingang der Ausstellung steht man vor einem Grafikschrank – kalt, kubisch, beschlagen mit grauem Metall und streng gegliedert in 15 horizontale Schubfächer mit Griffen und Etikettenfeldern. Auf einem ist der Name Gurlitt zu lesen. Ohne weitere Erläuterungen weiß nun jeder worum es geht, um die Einordnung, Erforschung und Konservierung der privaten Sammlung von Cornelius Gurlitt, Sohn des Kunsthistorikers Hildebrand Gurlitt, die in den letzten Jahren viel mediale Aufmerksamkeit erfuhr. Ganz unverhofft als Alleinerbe eingesetzt bildet nun das Berner Kunstmuseum den Auftakt einer in der Bonner Bundeskunsthalle fortgeführten Doppelschau, die erstmals einen breiten Überblick über die private Kunstsammlung des Museumsdirektors und Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt gibt.


Mit Bravour bewältigten in Bern die Kuratoren die Herausforderung, die verwirrte Historie des Fundus und einzelner Kunstwerke bei gleichzeitiger angemessener Gewichtung ästhetischer Qualitäten in eine ausgeglichene Balance zu bringen. Abgesehen von drei Gemälden dominieren die Berner Auswahl fast 160 Papierarbeiten, darunter Gouachen, Aquarelle, Papierholzschnitte, Zeichnungen und Druckgrafiken. Dabei handelt es sich um solche der sogenannten „Entarteten Kunst“, die aus deutschen Museen im Rahmen der gleichnamigen Aktion 1937/38 beschlagnahmt wurden.

Im Jahr 1945 entschied der Alliierte Kontrollrat, dass das „Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst“ vom 31. Mai 1938 nicht rückwirkend aufgehoben werden soll. Auch der nordwestdeutsche Museumsrat bekräftigte 1948, dass keine Rückgabe von Kunstwerken an die enteigneten Museen erfolgen sollte, um den Rechtsfrieden zu wahren. Somit befinden sich im Berner Kunstmuseum „saubere“ Werke. Allerdings: Dass in Museen beschlagnahmte Objekte nicht unbedingt auch im Eigentum des jeweiligen Museums waren und wie etwa beim Essener Museum Folkwang dem Folkwang-Museumsverein – also einem privaten Eigentümer – gehörten, zeigt, wie problematisch und komplex derartige Fragen der Kategorisierungen bis heute sind.

Obwohl Cornelius Gurlitt die Arbeiten auf Papier nicht unbedingt sachgemäß lagerte, strahlen die Jahrzehnte nicht mehr ans Tageslicht gebrachten, nahezu alle als grafische Hauptwerke der klassischen Moderne geltenden Blätter eine derart bestechende Frische aus, als wären sie erst kürzlich entstanden. Farbenfroh und weit entfernt von jedweder Ausbleichung bietet sich etwa der Blick in den von August Macke aquarellierten „Schlossgarten von Oberhofen“ oder in Emil Noldes „Weite Landschaft mit Wolken“. Viele Arbeiten wie etwa Ernst Ludwig Kirchners „Zwei Akte auf Lager“, Otto Muellers „Liegender weiblicher Akt am Wasser“ oder Otto Dix’ „Schütze vom Infanterieregiment 103“ zählen Experten zu den Spitzenwerken im grafischen Œuvre der jeweiligen Künstler.

Der Parcours in Bern gestaltet sich als Gang durch die Stilvielfalt der Kunstentwicklung in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Zudem spiegelt die Auswahl auch die Vorlieben des Sammers Hildebrand Gurlitt. Am Anfang steht Käthe Kollwitz als Vertreterin der Berliner Secession. Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde oder Karl Schmidt-Rottluff repräsentieren mit ihren kraftvollen Sujets dann die Künstlervereinigung „Die Brücke“, deren Werke Hildebrand Gurlitt bereits als Elfjähriger in Dresden zu sehen bekam. Auch Arbeiten von Künstlern des „Blauen Reiters“ weckten seine Sammelleidenschaft ebenso wie jene aus dem Umfeld des Bauhauses. Mit zugespitzten, karikaturhaften Zügen versuchten Künstler des Spätexpressionismus und Verismus wie Otto Dix, George Grosz oder Max Beckmann, im letzten Abschnitt soziale Spannungen zu thematisieren.

Dialogisch zu den fünf kunsthistorischen Kapiteln stellen neun Abschnitte historische Fakten der Sammlung vor. Wer war Hildebrand Gurlitt? Als Spross einer verzweigten, kunstaffinen Familie kam er 1895 in Dresden zur Welt. Sein Vater war der Architekt und Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt, sein Großvater Louis Gurlitt ein erfolgreicher Landschaftsmaler. Auch Hildebrands Geschwister waren im Kunstbetrieb tätig. Der Bruder seines Vaters, Fritz Gurlitt, arbeitete in Berlin als erfolgreicher Kunsthändler und Verleger, dessen Geschäfte sein Sohn Wolfgang Gurlitt bis 1965 fortführte. Die Familie barg also schon ein eng gestricktes Netzwerk.

Nach Kriegsteilnahme und Kunstgeschichtsstudium wirkte Hildebrand Gurlitt seit 1925 als Direktor des König-Albert-Museums in Zwickau, wo er wegen des großen Engagements für die zeitgenössische Kunst 1930 unter dem Vorwand der Finanzknappheit abgelöst wurde. Nach zweijähriger Tätigkeit als Direktor des Hamburger Kunstvereins musste er aus denselben Gründen 1933 seine Stellung erneut aufgeben. Zwangsläufig wechselte er mit der Eröffnung seines „Kunstkabinetts Dr. Gurlitt“ in Hamburg am 1. November 1935 in den Kunsthandel. Im Jahr 1938 bot er sich dem Reichspropagandaministerium als Verkäufer beschlagnahmter und entarteter Kunst an. Im Rahmen mehrerer Vertragsabschlüsse übernahm er fast 4.000 Werke aus dem Beutegut. Damit übertraf sein Handelsvolumen das von den drei weiteren auf diesem Feld tätigen Kollegen Bernhard A. Böhmer, Ferdinand Möller und Karl Buchholz bei weitem.

Hildebrand Gurlitts Kennerschaft auf dem Sektor der Grafik erlaubte es ihm, zielsicher eine große Anzahl von Spitzenwerken in seinen Besitz zu bringen. Wegen intelligenter Verteilung des Kunstbestandes im Zweiten Weltkrieg und findiger Steuerung des Entnazifizierungsverfahrens konnte er seine Kollektion behalten. Ab 1948 arbeitet er dann als Direktor des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf. Als er 1956 an den Folgen eines Autounfalls verstarb, erbte sein Sohn Cornelius einen Großteil der väterlichen Kollektion, die im Rahmen eines Zollermittlungsverfahrens im Jahr 2012 rechtswidrig beschlagnahmt wurde.

Unterlegt von einschlägigen Dokumenten und Archivalien führt die Ausstellung jetzt erstmals die Rolle der Gurlitts detailliert vor Augen. Nach dem Tod Cornelius Gurlitts im Jahr 2014 wird die Einsetzung der Stiftung Kunstmuseum Bern als Alleinerbin überraschend zur Kenntnis genommen. Bei umfangreichen Untersuchungen der insgesamt 1566 Positionen konnten die Provenienzforscher bislang bei sechs Werken den Raubkunstverdacht einwandfrei feststellen. Vier davon wurden den rechtmäßigen Erben bisher restituiert.

Von den unter Raubkunst kategorisierten Arbeiten, also jenen, die verfolgten privaten Sammlern von den nationalsozialistischen Machthabern entzogen wurden, sowie von bislang unverdächtigen Gemälden und Plastiken präsentiert die Bonner Bundeskunsthalle eine Auswahl von 255 Positionen. Solange nicht einwandfrei der Raubkunstverdacht ausgeräumt werden kann, verbleiben die Kunstwerke in Bonn. Zu den Höhepunkten zählt hier zweifellos Claude Monets „Waterloo Bridge“ aus dem Jahr 1903. Ergänzend zu den Werken werden in Bonn die Schicksale jüdischer Sammler, Künstler und Kunsthändler, Mechanismen der NS-Kulturpolitik und des Kunstraubes sowie die Biografien Betroffener thematisiert.

Ziel der Doppelschau ist die Präsentation einer ersten vorläufigen Bestandaufnahme der Sammlung Gurlitt, im Rahmen derer sich die Initiatoren Impulse zur Aufklärung weiterer Schicksale erhoffen. Eines hat die Schau schon jetzt erreicht: Die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit für das Thema, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Erweiternde Kenntnisse vermittelt dazu der dicke Katalog mit umfangreichen analytischen Abhandlungen.

In der Bonner Bundeskunsthalle ist die Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen“ bis zum 11. März 2018 zu sehen. Die Kunsthalle hat täglich außer montags sowie feiertags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Der umfangreiche, für beide Ausstellungen konzipierte Gesamtkatalog kostet im Museum 29,90 Euro.

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Friedrich-Ebert Allee 4
D-53113 Bonn

Telefon: +49 (0)228 – 91 71 0
Telefax: +49 (0)228 – 23 41 54

Der Ausstellungsteil „Bestandsaufnahme Gurlitt. „Entartete Kunst“ – Beschlagnahmt und verkauft“ läuft im Kunstmuseum Bern bis zum 4. März 2018. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags zusätzlich bis 21 Uhr. Am 1. Weihnachtstag bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt beträgt 10 Franken, ermäßigt 7 oder 5 Franken.

Kontakt:

Kunstmuseum Bern

Hodlerstraße 8-12

CH-3000 Bern

Telefon:+41 (031) 328 09 44

Telefax:+41 (031) 328 09 55



07.11.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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03.11.2017, Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen

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02.11.2017, Bestandsaufnahme Gurlitt. „Entartete Kunst“ – Beschlagnahmt und verkauft

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Otto Mueller, Bildnis Maschka Mueller, vor 1925
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Emil Nolde, Weite Landschaft mit Wolken, o. J.
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Broschüre zur Ausstellung „Entartete Kunst“, 1937
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Otto Dix,
 Feierabend, o.J.
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Otto Dix, Selbstporträt, rauchend, o.J.
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Otto Mueller, Bildnis Maschka Mueller, vor 1925

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Emil Nolde, Weite Landschaft mit Wolken, o. J.

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Broschüre zur Ausstellung „Entartete Kunst“, 1937

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Otto Dix, Feierabend, o.J.

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Otto Dix, Selbstporträt, rauchend, o.J.

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Eintrittskarte in die Ausstellung „Entartete Kunst“, Berlin 1938

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auf der Pressekonferenz zur Gurlitt-Ausstellung in Bern

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Otto Mueller, Liegender weiblicher Akt am Wasser, o. J.

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Franz Marc, Sitzendes Pferd, 1912

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August Macke, Landschaft mit Segelbooten, 1913

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August Macke, Im Schlossgarten von Oberhofen, 1914

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Paul Klee, Grieche und Barbaren, 1920

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