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Berlin entdeckt Fahrelnissa Zeid

Eine hierzulande unbekannte Künstlerin hebt die die Deutsche Bank Kunsthalle in Berlin ab heute aufs Podium und präsentiert in Kooperation mit der Londoner Tate Modern eine umfassende Retrospektive der Türkin Fahrelnissa Zeid. In der großen Werkschau versammeln sich Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen aus über vier Jahrzehnten. Die expressiven Bilder der 1940er Jahre, die abstrakten Leinwände der 1950er und 1960er Jahre sowie die figurativen Portraits des Spätwerks zeugen von der außergewöhnlichen Laufbahn der Künstlerin der Nachkriegszeit.

Die 1901 in eine großbürgerliche Intellektuellenfamilie geborene Zeid war eine der ersten Frauen, die in Istanbul Kunst studierten. Nachdem sie ihre Ausbildung in Paris fortgesetzt hatte und hier mit den Strömungen der europäischen Avantgarde in Berührung gekommen war, gelang ihr in den frühen 1940er Jahren der Durchbruch in der Türkei, während sie mit neuen Malweisen experimentierte und zusammen mit der avantgardistischen Künstlervereinigung „Gruppe d“ ausstellte. Als sie 1946 mit ihrem Mann Prinz Zeid Al-Hussein nach London zog, befand sie sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Zeid wurde immer bekannter und konnte ihre Stellung als bedeutende zeitgenössische Künstlerin festigen.

In ihren bunten, oft großformatigen Interieurs, Porträts und Landschaften der frühen Zeit verbindet Fahrelnissa Zeid europäische Maltraditionen und orientalische Einflüssen. Bilder wie „Third Class Passengers“ von 1943 sind von der byzantinischen Mosaikkunst inspiriert, kleinteilig aufgebaut und fast ohne Raumtiefe flächig gemalt. Leuchtende Gemälde wie „My Hell“ von 1951 zeugen dann von einer abstrakten Formensprache: Kaleidoskopisch splittert Fahrelnissa Zeid den bewegten Bildraum auf und füllt ihn mit satten Farben in kleinen geometrischen Gebilden.

Einen Wendepunkt ihrer künstlerischen Entwicklung markierte der Juli des Jahres 1958, in dem bei einem Staatsstreich im Irak die Monarchie der Haschimiten gestürzt und die gesamte Familie ihres Mannes getötet wurde. Auf dieses traumatische Erlebnis reagierte Zeid mit der Rückkehr zur Figuration. Die daraus entstandenen Portraits von Familie und Freunden zielen mit ihren prägnanten Gesichtszügen auf die Darstellung der Seele. Zudem experimentierte Zeid damals mit Tierknochen, die sie bemalte und in Kunstharz eingoss. Mit 89 Jahren starb die Künstlerin in Jordanien.

Die Ausstellung „Fahrelnissa Zeid“ läuft vom 20. Oktober bis zum 25. März 2018. Die Deutsche Bank Kunsthalle hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. An Heiligabend und 1. Weihnachtstag bleibt die Kunsthalle geschlossen. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, für Schulklassen und am Montag ist er kostenlos. Der englischsprachige Katalog mit deutschem Einleger kostet 25 Euro.

Deutsche Bank Kunsthalle
Unter den Linden 13/15
D-10117 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 20 20 930
Telefax: +49 (0)30 – 20 20 93 20

Quelle: Kunstmarkt.com/Maren Janka Hopp

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