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Kunsthalle Mainz geht in ihrer aktuellen Schau Strategien des Entschwindens, der Auflösung und der Transformation nach und hat dafür eine internationale Künstlerschar nach Rheinland-Pfalz geholt

Vom Verschwinden in der Kunst



Das wäre doch die Sensation schlechthin, eine Einnahmequelle par excellence, die Beseitigung des Hauptumweltproblems: die Verschmutzung unserer Erde durch Plastikmüll. Dieser unglaublichen Aufgabe könnten wir Herr werden, wenn man der Schweizer Künstlerin Pamela Rosenkranz folgt. Seit einigen Jahren arbeitet sie an einer Werkserie, bei der sie das Wasser in Plastikflaschen vermeintlich hochwertiger Wassersorten durch synthetische Flüssigkeiten ersetzt. Pamela Rosenkranz ist eine von elf Künstlerinnen und Künstlern in der Mainzer Kunsthalle, die ihren Beitrag zum Thema „Mit den Händen greifen und doch nicht zu fassen“ geleistet haben. In der Ausstellung präsentiert sie eine Flasche „Evian“, die zähflüssiges, blau pigmentiertes Silikon enthält.


Pamela Rosenkranz hat etliche leere Wasserflaschen aus den zahlreichen Kanälen Venedigs gefischt. An den Flaschen befinden sich Fingerabdrücke, in den Flaschen oft noch Wasserreste und Speichel. Der perfekte DNA-Code, an dem man, würde man ihn auswerten, den Besitzer und damit den Umweltsünder ausfindig machen könnte. Genetische Fingerabdrücke sind weltweit gespeichert, und so könnte man die Verschmutzer zur Kasse bitten und damit die illegale Plastikbeseitigung eindämmen. Ein schöner Gedanke, nicht realisierbar! Aber ein Beweis dafür, dass man, auch wenn man glaubt, mit dem Wegwerfen der Flasche verschwindet das, was lästig ist, und niemand wird herausfinden, wer das so gewissenlos getan hat, dennoch seine Spuren hinterlässt.

„Niemals geht man so ganz, irgendwas von Dir bleibt hier,...“ heißt es schon in einem Schlager, in dem es um Liebeskummer geht. Aber ist das wirklich so, dass wir keine Chance haben, zur Gänze zu verschwinden? Diese Frage stellt sich Stefanie Böttcher, die Mainzer Kunsthallenchefin. Tim Etchells’ Video „Erasure“ aus dem Jahr 2003 war die Initialzündung für die Ausstellung über das Verschwinden. Ein Halbstarker, vielleicht 15 oder 16 Jahre alt, schaut ganz starr in die Kamera und erzählt seine Geschichte vom Verschwinden. „Ich werde durch Orte schlüpfen wie komplett unbemerkt.“ Sein Gesicht ist so banal, sein Haarschnitt so normal und seine Stimme so eintönig uncharakteristisch, dass sich niemand an ihn erinnern wird. Das Verschwinden beginnt mit dem Rückzug aus den sozialen Medien. Aber schon da wird klar: Die sozialen Medien lassen niemanden abtauchen, und ist es wirklich so, dass Kreditkarten keine Spuren hinterlassen?

Petrit Halilaj beschäftigt sich mit dem Verlust des kulturellen Erbes in Zeiten politischer Umwälzungen. In der Ausstellung zeigt er wiederaufbereitete Tierpräparate des Naturhistorischen Museums des Kosovo in Pristina. Vom Krieg blieb das Ausstellungshaus weitestgehend verschont. Doch den Politikern war es wichtiger, die ethnologischen Wurzeln zu bewahren. Die Tierpräparate vergammelten im Keller, bis sie der Künstler entdeckte und wiederauferstehen ließ. Er bevölkert den Ausstellungsraum mit originalgroßen Nachbildungen eines Vogels, eines Wildschweins und eines Hasen, die aus glänzenden Metallröhren herauskrabbeln oder auf ihnen sitzen. Das Tierfragment wird aus Kuhdung und Erde wieder nachgebildet, ergänzt durch Staub, Kehricht und einen Schauschrank aus dem Museum, in dem noch Überreste der ausgestopften Vögel an der Rückwand kleben.

Ein Zeichen gegen das Vergessen, ergänzt durch große Fotos von zerstörter Architektur, setzt der libanesische Künstler Walid Ra’ad. Er ist Gründer einer imaginären Stiftung mit dem Namen „The Atlas Group“. Sie erforscht und dokumentiert die jüngere Geschichte des Libanon. Mit der Fotoserie „We decided to let them say ‘We are convinced‘ twice. It was more convincing this way“ weist Ra’ad auf eine bedeutsame Episode des Libanonkriegs hin, als die israelische Armee 1982 Beirut bombardierte. Im Titel der Serie wird der Wahrheitsgehalt der Dokumente bezweifelt. Die übergroßen Abzüge von Negativen in schlechter Qualität dokumentieren den Versuch, Beirut auszulöschen. Die Fotos hat Walid Ra’ad als 15jähriger selbst gemacht und die Negative erst kürzlich wiederentdeckt.

Eindrucksvoll und ungewöhnlich geht Juergen Staack mit dem Thema Verschwinden um. Er hat Landschaftsaufnahmen mit der Polaroidkamera gemacht und sie Menschen präsentiert, die noch eine vom Aussterben bedrohte Sprache sprechen. Sie sollten mit ihren Worten beschreiben, was sie sehen, und gleichzeitig das Bild mit einem schwarzen Stift mal breiter, mal schmaler auslöschen. Über Kopfhörer kann man sich Beschreibungen auf Obersorbisch, Li oder aber auch Miao anhören und auf das schwarze Polaroidbild starren. In Staacks zweiter Arbeit in der Kunsthalle geht es um eine Besonderheit in Peking. Dort schreiben Menschen ihre Telefonnummern auf Wände von „Hutongs“ auf, um ihre Dienste anzubieten. Diese „Hutongs“ sind einstöckige Wohnhäuser mit schmalen Gassen und Innenhöfen, die immer mehr aus dem Stadtbild verschwinden. Gegen diese illegale Eigenwerbung geht die Stadt mit Übermalungstrupps an. Juergen Staack hat diese im Laufe der Zeit durch Wind und Wetter entstandenen abstrakten Gemälde fotografiert und Abzüge auf die grau getünchten Wände der Kunsthalle tapeziert. Vor den Übermalungen hatte er noch Zeit, Telefonnummern aufzuschreiben und die Menschen anzurufen. Aus diesen Telefonaten ist in der Soundinstallation zur Arbeit nur noch das „Wei“ – chinesisch für „Hallo“ – geblieben. Verschwinden die Menschen, nur weil ihre Telefonnummer ausgelöscht wird? Nein, aber sie verschwinden wieder in der Anonymität, aus der sie sich befreit hatten.

Mit virtuellen Welten und den Möglichkeiten von Medizin und Technik spielt die Amerikanerin Lynn Hershman Leeson und das schon 1994. Damals drehte sie ihr Video „Seduction of a Cyborg“, in dem sie einen Blick in eine dystopische Zukunft wirft, in der Menschen zu Cyborgs werden. Hershman Leeson thematisiert darin den Verlust der Kontrolle über den Körper, die Auflösung in digitalen Sphären und die damit verbundene Isolation. Die Strophen des eingespielten Pop Songs unterstreichen dies: „Es ist so einfach in einem Käfig zu sein. – Draußen ist es nicht besser. – Niemand ist da draußen.“ Der 2006 verstorbene Japaner Yutaka Matsuzawa, der als ein Begründer der Konzeptkunst seiner Heimat gilt, wollte nach eigener Aussage keine materiellen Kunstwerke mehr produzieren. Er bevorzugte stattdessen, sprachbasiert zu arbeiten. So hat er sich 1972 bei einem Abschlussprojekt an der alternativen Kunstschule Bigakko in Tokio mit finaler Kunst beschäftigt und führte dazu mit seinen Studenten mentale Übungen durch. Auf dem in Mainz ausgestellten Blatt mit jeweils 9 Schriftzeichen pro Zeile ist die Anweisungen für ein solches Gedankenexperiment zu lesen:„ Beginne damit, dieses Papier verschwinden zu lassen, dann weite das Verschwinden auf die Umgebung aus, bis Japan selbst verschwindet. Beeil dich, beeil dich. Beginne damit dieses Papier verschwinden….“

In „Grey Area“, einem Video aus dem Jahr 2001, versucht die Schwedin Sofia Hultén, gekleidet in das klassische mausgraue Bürokostüm, in zwölf Anläufen, im Büro – auch dieses ist klassisch eingerichtet – unsichtbar zu werden. Es endet mit dem untauglichen Versuch, den Kopf unter dem mausgrauen Teppichboden zu verstecken und eine mausgraue Einheit mit dem Büro zu werden. Die Künstlerin spielt auf den schmalen Grat zwischen Arbeiten und Nicht-Arbeiten, zwischen Anwesend- oder Nicht-Anwesend-Sein, zwischen Verweigerung und Verbergen an. Katerina Sedá kommt aus Tschechien und hat ein Projekt mit ihrer Oma entwickelt. Nach dem Tod ihres Mannes, wollte Katerinas Großmutter nicht mehr am Leben teilnehmen. Ihr Standardsatz „Ist mir egal“ sollte durchbrochen werden. 30 Jahre hat sie in einem Haushaltswarenladen gearbeitet. Die Enkelin bat sie, doch einmal die Gegenstände zu zeichnen, die sie während dieser Zeit verkauft hat. 600 Zeichnungen mit schwarzem Filzstift sind daraus entstanden, alles war im Kopf gespeichert. In einem Begleitvideo spricht die Enkelin mit der Großmutter über eine Küchenlampe. Was verschwunden war, kehrt in diesen Zeichnungen wieder, und es wird der kulturellen Erinnerung gehuldigt.

Die Kultur eines Landes wird auch durch seine Wälder definiert. In Georgien wachsen Kiefernwälder, zerstört und in Brand gesetzt durch einen sinnlosen Krieg. Vajiko Chachkhiani zeigt mit „Endless Ends“ versengte Zweige, kleine und große, die in zarten Schwüngen eine Wand hinauf- und hinabschweben. Sie stehen für die Seelen der Bewohner Georgiens, zerstört durch die Weltmacht Russland. Und die Polin Agnieszka Polska setzt die Seelen toter Künstler der Avantgarde des 20. Jahrhunderts an einen fiktiven Ort. Ein Film als moderne Vanitas-Darstellung, ein Nachdenken über die Vergänglichkeit von Kunst und darüber, was bleibt. Und was passiert, wenn man der Aufforderung in Tim Etchells’ Neonleuchtschrift folgt: „Let’s pretend none of this ever happened“ – Lasst uns so tun, als ob nichts davon jemals passiert wäre? Die Ausstellung ist hier zu Ende, und wir existieren noch – wie lange noch, wer weiß das schon?

Die Ausstellung „Mit den Händen greifen und doch nicht zu fassen“ ist bis zum 19. November 2017 zu sehen. Die Kunsthalle Mainz hat dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Am Reformationstag und an Allerheiligen ist geschlossen. Der Eintritt beträgt regulär 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Mainz

Am Zollhafen 3-5

DE-55118 Mainz

+49 (06131) 12 69 36

+49 (06131) 12 69 37

E-Mail: mail@kunsthalle-mainz.de



19.10.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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01.09.2017, Mit den Händen zu greifen und doch nicht zu fassen

Bei:


Kunsthalle Mainz

Künstler:

Yutaka Matsuzawa

Künstler:

Sofia Hultén

Künstler:

Katerina Sedá

Künstler:

Vajiko Chachkhiani

Künstler:

Lynn Hershman Leeson

Künstler:

Juergen Staack

Künstler:

Walid Ra’ad










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