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Jugoslawischer Künstlerdialog in Krefelder Mies-Bauten

Jasmina Cibic, Nada Act III: The Exhibition, 2017

Jüngere künstlerische Tendenzen des ehemaligen Jugoslawien und seiner Nachfolgestaaten stehen nicht gerade im Fokus der deutschen Kunstszene. In den beiden benachbarten, von Ludwig Mies van der Rohe erbauten Villen Lange und Esters in Krefeld bietet sich dem Besucher zur Zeit eine außergewöhnliche dialogische Doppelschau. Erstmals überhaupt stellt eine Ausstellung in Deutschland die maßgeblich zwischen 1951 und 1956 aktive jugoslawische Künstlergruppe „EXAT 51“ vor. Die historischen Positionen ergänzt im Haus Esters die slowenische Künstlerin Jasmina Cibic mit einer raumübergreifenden Installation. Für ihre erste Personale in Deutschland hat sie ihre Filmtrilogie „Nada“, die sich um drei Star-Architekten der Moderne und die Rolle der Architektur in der Repräsentation von Nationen dreht, mit einem Video über Mies van der Rohe in den Krefelder Villen vollendet.

Der Bruch des jugoslawischen Machthabers Tito mit dem Sowjetführer Stalin hatte in der Kunst die Abkehr vom sozialistischen Realismus zur Folge. In den Künsten sollte nun die eigene nationale Identität im Vordergrund stehen. Im sowjetischen Herrschaftsbereich isoliert und im Westen aus unerfindlichen Gründen eher beiläufig wahrgenommen, entwickelte eine die Traditionen des Bauhauses, des Konstruktivismus und der De Stijl-Bewegung fortführende Richtung. Die Gruppe „EXAT 51“, deren Abkürzung für „Experimental Atelier“ und das Gründungsjahr 1951 steht, war die treibende Kraft. Hervorgegangen aus einer Arbeitsgemeinschaft junger Architekten und Maler, die frisch von der Akademie kamen, erregten sie schon um 1950 viel Aufsehen mit Pavillonentwürfen für internationale Handelsausstellungen. Die Architekten Vjenceslav Richter und Zvonimir Radic sowie die Maler Aleksandar Srnec und Ivan Picelj gehörten zum frühen Kern der Gruppe.

Die Abstraktion und das Experiment standen im Fokus ihres Schaffens. Besonders deutlich zeigen dies Modelle ihrer Pavillons für internationale Ausstellungen, etwa für die Hannoveraner Handelsausstellung im Jahr 1950. Nur teilweise realisiert wurde die extrem revolutionäre Planung für die Weltausstellung in Brüssel 1958, bei der die Konstruktion an einem 70 Meter hohen Zentralpfeiler hängt. Neben Architekturentwürfen und Modellen steht die Malerei bei der Auswahl der rund 130 Exponate im Vordergrund. Plakate, Titelgestaltungen für Magazine und Möbel verdeutlichen die Bestrebungen, eine Synthese aus bildenden und angewandten Künsten zu gewinnen, in der alle Disziplinen gleichwertig sind. Vielfältige Bezüge etwa zur deutschen Malerei der 1950er Jahre mit ihren organischen, dynamischen oder grafisch-geometrischen Strukturen sowie dem erdfarben abgetöntem Kolorit und zu Mies van der Rohe sind offensichtlich.

Ergänzend dazu geht die 1979 in Ljubljana geborene Künstlerin Jasmina Cibic, die 2013 ihr Heimatland auf der Biennale in Venedig vertrat, in ihrem genreübergreifenden Schaffen, darunter Performances, Installationen oder Filmen, Fragen der nationalen Kulturen oder Identitäten nach. Zudem verhandelt sie die Indienstnahme der Kunst für politische Zwecke. Damit sind bereits Brücken zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen hergestellt. Mit den ersten beiden, von ihr als Krefelder Museumsdirektorin kuratierten Ausstellungen ist Katia Baudin eine kleine Sensation gelungen.

Die Ausstellungen „Ideologie, Abstraktion und Architektur. EXAT 51“ und „Jasmina Cibic – The Spirit of Our Needs“ sind bis zum 14. Januar 2018 zu sehen. Haus Lange und Haus Esters haben täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. An Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester sind sie geschlossen. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der umfangreiche Ausstellungskatalog zu EXAT 51 kostet im Museum 36 Euro. Zu Jasmina Cibic wird gegen Ende der Ausstellung ein Katalog erscheinen.

Museum Haus Lange – Museum Haus Esters
Wilhelmshofallee 91-97
D-47800 Krefeld

Telefon: +49 (0)2151 – 97 55 80
Telefax: +49 (0)2151 – 97 55 82 22


11.10.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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