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Leonardo da Vinci im Doppel bei Christie’s

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, um 1500

Das letzte große Werk Leonardo da Vincis, das sich in privater Hand befindet, wird im November bei Christie’s in New York versteigert. Hierbei handelt es sich um ein frontales Bildnis Christi als „Salvator Mundi“ von circa 1500. Das auf Walnussholz gemalte Renaissancewerk galt lange Zeit als zerstört, bis es 2005 wiedergefunden wurde und 2011 in einer Ausstellung der Londoner Nationalgalerie zu sehen war. Das Gemälde wird nicht bei den Alten Meistern, sondern in der Abendauktion „Post-War and Contemporary Art“ am 15. November mit einem Schätzpreis von 100 Millionen US-Dollar angeboten. Christie’s erhofft sich mit dieser ungewöhnlichen Platzierung eine größere weltweite Aufmerksamkeit.

Das Bildnis des Erlösers zeigt ihn in ein feines himmelblaues Gewand mit erlesener goldener Bordüre gehüllt. Zwei breite goldene Bänder kreuzen sich auf seiner Brust. Leonardo verzichtet auf den Heiligenschein und lässt das ruhige und entrückt schöne jugendliche Antlitz des Heilands von dunkelblondem Haar rahmen. Der seit dem Spätmittelalter gängige Typ des „Erlösers der Welt“ beinhaltet die frontale Ausrichtung im Halbportrait und die Kombination des Segensgestus der erhobenen rechten Hand mit einer Sphärenkugel oder einem Reichsapfel in seiner Linken. Letztere stehen für die Herrschaft des Gottessohnes über die Welt.

Leonardos Gemälde ist erstmals in der Sammlung King Charles I. von England (1600-1649) aufgeführt und kam in den Besitz seines Sohnes King Charles II. Die nächste Erwähnung im Jahr 1763 bezieht sich auf den Verkauf durch Charles Herbert Sheffield, den illegitimen Sohn des Herzogs von Buckingham. Das Werk war bis 1900 verschollen, als es von Sir Charles Robinson für die Cook Collection in Doughty House in Richmond erworben wurde. Die Urheberschaft Leonardos war nun in Vergessenheit geraten, das Antlitz wie das Haar Christi übermalt worden. In der Versteigerung der Cook Sammlung bei Sotheby’s 1958 wurde es als Nachfolger Leonardos für 45 Britische Pfund verkauft. 2005 erwarben der New Yorker Kunsthändlers Robert Simon und weitere Personen das Gemälde. Sie ließen es genauer erforschen und restaurieren, was zu einer Zuschreibung an Leonardo da Vinci führte. 2011 wurde der „Salvator Mundi“ in der Ausstellung „Leonardo da Vinci: Painter at the Court of Milan“ in der Londoner Nationalgalerie als Wiederentdeckung stürmisch gefeiert.

Leonardo da Vinci gelingt sein zweiter großer Auftritt bei Christie’s mit Hilfe Andy Warhols. Mit einen Schätzwert von 50 Millionen US-Dollar bilden dessen „Sixty Last Suppers“ von 1986 einen weiteren Höhepunkt in der Abendauktion am 15. November. Das monumentale Bild entstand kurz vor dem Tod Warhols im Februar 1987 und wird nun erstmals bei einer Auktion zum Verkauf angeboten. In seinem Œuvre bilden religiöse Themen und die Vergänglichkeit wichtige Motive, die hier in einem Werk vereint sind.

Thema der Arbeit ist die 60fache schwarz-weiße Wiedergabe von Leonardo da Vincis Wandmalerei „Das Letzte Abendmahl“ von 1495/98 in Santa Maria delle Grazie in Mailand. Der Betrachter verliert sich in den vielen Wiederholungen der Renaissancearbeit. Die Idee hierfür lässt sich in das Jahr 1984 zurückverfolgen. Warhol schuf eine Serie von mehr 100 Versionen von Leonardos berühmtem Werk. Religiöse Sujets beschäftigen den Künstler vermehrt in seinem Spätwerk der 1980er Jahre, als er sich mit seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzte.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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