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Jimmie Durham in Zürich

Das Migros Museum für Gegenwartskunst hat seine aktuelle Schau Jimmie Durham gewidmet und den international tätigen Künstler, der etwa im Museum Ludwig in Köln, im Whitney Museum of American Art oder auf der Biennale in Venedig ausgestellt hat, nach Zürich geholt. Der 1940 geborene amerikanische Aktivist, Konzeptkünstler und Schriftsteller setzt sich in seinen Performances und Skulpturen mit ethischen Fragen und nationalistisch geprägten Narrativen auseinander. In seinem aktuellen Projekt „God’s Children, God’s Poems“ wendet sich Durham dem teils mit Klischees behafteten Verhältnis von Mensch und Natur in 14 Skulpturen zu. Durham, der seit 1994 in Berlin wie auch Rom lebt, verbindet dabei die Schädel der größten europäischen Tierarten mit Materialien wie Holz, Metall und Textil.

Jimmie Durham, der Träger des Kaiserrings der Stadt Goslar im Jahr 2016, möchte in seinen Assemblagen zur Reflexion über das Verhältnis zur Natur einladen. Er verweise hierbei auch auf die mögliche Abschaffung der vorwiegend „europäischen, klassischen Dichotomien Natur/Kultur und Subjekt/Objekt“, so die Kuratorin Heike Munder. Den Ausstellungsraum bevölkern nun etwa das Vierhornschaf, Wildschwein, der Braunbär, Elch oder die Deutsche Dogge. Durhams Ziel ist die Dekonstruktion einer kulturell-ethnischen Authentizität. Die Grenze zwischen natürlich und künstlich verwischt etwa am Beispiel der Bison/ Wisent-Skulptur. Den schwarz lackierten Schädel des in West-, Zentral- und Südwesteuropa lebenden Rinds hat Durham auf die schmale Seite eines Holzschrankes angebracht, der die Rolle des mächtigen Leibes übernimmt.

Seine Interpretation der Deutschen Dogge verbindet den silbern lackierten Schädel mit schimmernd bunten Glasaugen und ornamentalen Glasfragmenten als Ohren. Über den Klebeband-Hals geht der Blick auf einen Körper aus Rohren und blauen an Flaschen erinnernden Objekten über. Die Auswahl der Tiere spielt ebenfalls mit dem Gegensatz aus natürlich und künstlich. Das Wisent ist eigentlich eine vom Aussterben bedrohte Bisonart. Der Knochenkopf des Wildtieres jedoch stammt aus einer Zucht. In seinen Skulpturen gestaltet Durham die Tiere zu Individuen, indem er ihnen neue Körper und künstlerisch überarbeitete Schädel verleiht.

Die Ausstellung „Jimmie Durham. God’s Children, God’s Poems“ ist bis zum 5. November zu sehen. Das Migros Museum für Gegenwartskunst hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Franken, ermäßigt 8 Franken, donnerstags ab 17 Uhr ist er kostenlos. Der begleitende Katalog kostet 38 Franken.

Migros Museum für Gegenwartskunst
Limmatstrasse 270
CH-8005 Zürich

Telefon: +41 (0)44 – 277 20 50
Telefax: +41 (0)44 – 277 62 86

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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