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Alison und Peter W. Klein lassen sich von Kunst und Künstlern begeistern. Was sie mit Empathie in den vergangenen 30 Jahren zusammengetragen haben, ist nun im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen

Die etwas andere Sammlung



Sean Scully, Landline Green White, 2014

Sean Scully, Landline Green White, 2014

Ende der 1980er Jahre besuchte der Unternehmer Peter W. Klein zum ersten Mal eine Vernissage in der Nähe von Pforzheim. Gemeinsam mit seinem Architekten war er auf der Suche nach Kunstwerken für die Ausstattung eines Gebäudes. Er erwarb dort sein erstes Kunstwerk, ein Gemälde des regional bekannten Malers Wolfgang Kappis. Zu diesem Zeitpunkt drehte sich das Leben des erfolgreichen Unternehmers um „Arbeit, Umsatz, Benchmark und Wettbewerb“. Erst durch die Kunst und die Anthroposophie sei er wieder Mensch geworden, berichtet Klein. Nach dieser Initialzündung eröffnete sich eine neue Welt für ihn und seine Frau Alison. Die beiden stürzten sich in die Kunstszene, reisten umher, besuchten Messen und Galerien und kauften anfangs einfach nach Gefühl, was ihnen gefiel. Das Kunstmuseum Stuttgart stellt nun Auszüge dieser umfangreichen Sammlung vor, die die Leidenschaft der beiden für die Kunst spürbar werden lassen.


Anna Oppermann schuf die für die Ausstellung titelgebende Arbeit „Ensemble mit Dekor. Über den Umgang mit Menschen, wenn Zuneigung im Spiel ist – Dekor mit Birken, Birnen und Rahmen“. Das Ensemble, mit dem Oppermann schon 1977 auf der Documenta 6 teilnahm, entstand in drei Schritten in den Jahren 1969, 1984 und 1992. Ausgangspunkt war ein Foto, das eine Begegnung zwischen der Künstlerin und ihren ersten Sammlern Johanna und Hans Peter Althaus dokumentiert. In der kleinteiligen Materialcollage setzt Oppermann Fotos und Objekte mit Begriffen wie „Schnörkel“, „Dekor“, „Maskierung“ in Beziehung und schafft so eine Analyse von zwischenmenschlichem Verhalten unter den Bedingungen der bestehenden gesellschaftlichen Rituale und Normen. Eine weitere Ebene ist durch Stichworte wie „Rahmen“ und „Rahmung“ angedeutet. Sie blickt kritisch auf die Funktion von Kunst und die Rolle des Kunstschaffenden in der Gesellschaft. Kuratorisch klug ergänzt wird die Präsentation durch Prints, die die vorherigen Ausstellungen abbilden und so die Geschichte des Ensembles veranschaulichen. Der Titel, der für die Begegnung zwischen Künstlerin und Sammlern steht, lässt sich auf die Kleins übertragen, denen die persönliche Beziehung und der Austausch zu Künstlerinnen und Künstlern wichtiger sind als strategische Überlegungen zur Marktentwicklung.

Ein besonders enges Verhältnis hat die Familie Klein zu dem Maler Sean Scully. Der Ire ist mit Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen vertreten, die im Kunstmuseum Stuttgart in einer eigenen Sektion zusammengeführt werden. Ältere Arbeiten wie „Distillation of Squares“ von 1973 sind offenkundig statischer und strenger komponiert. Die übereinander gelegten Gitterstrukturen in Rot, Lila, Grün und leuchtendem Orange sind noch an die Op-Art angelehnt und vermitteln räumliche Tiefe. Von diesen älteren unterscheiden sich die jüngeren Bilder, in denen Scully malerischer und intuitiver vorgeht. In locker fließendem Gestus verbindet er in „Landline Green White“ von 2014 sechs horizontale, unterschiedlich dicke Streifen in Blau- und Grüntönen zu einem leicht flimmernden Farbenspiel.

In Stuttgart sind auch zwei Landschaftsbilder von Anselm Kiefer mit von der Partie. Zu dem in Donaueschingen geborenen Künstler pflegen die Kleins einen sehr guten Kontakt. In „Velimir Chlebnikov, Lehre vom Krieg, Seeschlachten wiederholen sich alle 317 Jahre“ aus dem Jahr 2005 treibt ein Boot aus Blei in den tosenden Fluten des dunklen Meeres. Direkt dahinter bündelt sich die See in der Bildmitte zu einer riesigen Welle und droht die bootsförmige Bleiskulptur mit voller Wucht zu treffen. Das Bild gibt einen Verweis auf die historische Dimension von Seeschlachten und die konstante Wiederkehr von Krieg und Zerstörung.

Eine andere Größe der deutschen Malerei ist Corinne Wasmuht. In ihren farbenreichen Gemälden verbindet die Dortmunderin urbane Szenarien zu mehrschichtigen leuchtenden Panoramen, die in der Ausstellung ein absoluter Hingucker sind. Ins Auge fällt auch Franziska Holsteins fast vier Meter breiter Siebdruck „Ohne Titel (Fernseher, Pflanze)“ aus dem Jahr 2008. Die Collage basiert auf übermalten Zeitungsausschnitten und Werbeanzeigen aus der Kindheit der Künstlerin in der DDR. Neben den vergrößerten Bildausschnitten, die unten im Bild befestigt sind, prägen die dicken weißen, schwarzen und violetten Farbflächen, die im Still der Hard Edge-Malerei zueinander in Beziehung gesetzt sind, den oberen Bildteil. Die Farbbalken überlagern sich, wobei der schwarze Block dominiert und Distanz zur Auseinandersetzung mit dem Vergangenen schafft. Durch dieses Miteinander der Bildelemente schafft die Künstlerin eine spannungsreiche Komposition, die der Vergangenheit keinen illusionistischen Zauber zugesteht.

Es gibt viel zu entdecken in dieser vielfältigen und spannenden Ausstellung, so zum Beispiel die großformatigen Aquarelle von Michael Wutz. Seine von Skeletten überzogenen apokalyptischen Landschaften bestechen durch die dichte Atmosphäre und die detailliert gezeichneten Details. Grundlage für die Tuschezeichnungen ist die Auseinandersetzung des Künstlers mit archäologischen Ausgrabungsstätten und Gesteinsschichten. Auch Jorinde Voigt nutzt für die expressive Arbeit „Focus-Synchronicity-Relief-Now (3)“ den Kontrast von schwarzer Tusche und Farbe. Im Bildzentrum steht ein dynamisches, in sich verwobenes Gebilde überdimensionierter Farbkleckse. Die Dynamik wird verstärkt durch die roten Spritzer und Flächen, die um das Wurstknäuel herum angelegt sind.

Neben Grafik und Malerei hält die Ausstellung auch Fotografien und Videoarbeiten vor. Hierbei setzen die Kleins auch internationale Akzente, die ihre hohe Kennerschaft und ihr intuitives Gespür für relevante zeitgenössische Kunst demonstrieren. Ein Beleg sind die Fotografien der Iranerin Shirin Neshat, die aktuell auch die Kunsthalle Tübingen mit einer Einzelausstellung bespielt. In der Schwarz-Weiß-Fotografie „Moon Song“ aus der Werkserie „Women of Allah“ sind Frauenhände zu sehen, die mit arabischen Gedichtversen beschrieben und kunstvoll mit Ornamenten verziert sind. In der linken Handfläche liegen zwei Patronen, unterhalb wellt sich eine Decke. Neshat setzt sich in „Women of Allah“ in beeindruckender ästhetischer Klarheit und Ausdruckskraft mit der Rolle von Frauen in islamisch geprägten Ländern auseinander.

Aufs erste irritierend sind die Fotografien von Kohei Yoshiyuki. Für die Serie „Koen“ die zwischen 1971 und 1979 entstand, fotografierte er mit einer Infrarotkamera Männer, die nachts im Park Paaren auflauern, um sie beim Sex zu beobachten. Kohei Yoshiyuki lichtete die Spanner von Hinten mit Blick auf die Paare ab und reflektierte so auch die Rolle des Fotografen als Voyeur. Im Japan der 1970er Jahre machten es die prüden gesellschaftlichen Vorgaben und die beengten Wohnverhältnisse notwendig, dass viele Liebespaare ihre Intimität außerhalb der Wohnung praktizieren mussten. Die 1960 geborene Australierin Tracey Moffatt verhandelt in ihren Arbeiten häufig Themen wie Rasse, Gender, Sexualität und Identität. Ein Akzent liegt hierbei auf der Lebensrealität der Aborigines im heutigen Australien, was eine Brücke zu den Kleins schlägt, die zahlreiche Kunstwerke der australischen Ureinwohner zusammengetragen haben. In der Arbeit „Love“, die aus verschiedenen Filmsequenzen bekannter amerikanischer Spielfilme der 1930er bis 1970er Jahre zusammengeschnitten ist, richtet Moffatt ein Schlaglicht auf die stereotype Darstellung von Geschlechterrollen und darauf, wie man im früheren Hollywood-Kino verschiedene emotionale Zustände in Liebesbeziehungen inszeniert hat.

Dass Alison und Peter Klein gesellschaftspolitische Aspekte nicht nur in der Kunst, die sie sammeln, wichtig sind, sondern sie sich auch für kulturelle Teilhabe einsetzen, zeigt sich etwa am kostenlosen Ausstellungsbesuch. Jeweils von Freitagabend bis Sonntag ist der Eintritt in das Kunstmuseum Stuttgart frei. Außerdem haben die beiden in ihrem schwäbischen Heimatort Nussdorf ein Privatmuseum gebaut, in dem auf 1.000 Quadratmetern die Bestände in Wechselausstellungen zu sehen sind. Über ihre Sammlungspolitik sagen sie: „Das Entscheidende ist, dass uns ein Kunstwerk berührt“. Dabei lassen sich die Kleins nicht „von großen Namen oder aktuellen Trends auf dem Kunstmarkt leiten“. Genau diese Haltung ist es, die diese Sammlung so außergewöhnlich und spannend macht.

Die Ausstellung „Über den Umgang mit Menschen, wenn Zuneigung im Spiel ist. Sammlung Klein“ läuft bis zum 5. November. Das Kunstmuseum Stuttgart hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist freitags ab 18 Uhr, samstags und sonntags ganztägig frei. An den anderen Tagen beträgt er 11 Euro, ermäßigt 8 Euro. Der Katalog kostet im Museum 25 Euro, im Buchhandel 30 Euro.

Kontakt:

Kunstmuseum Stuttgart

Kleiner Schlossplatz 1

DE-70173 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 216 196 15

Telefon:+49 (0711) 216 196 00

E-Mail: info@kunstmuseum-stuttgart.de



04.10.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sebastian Schmitt

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15.07.2017, Über den Umgang mit Menschen, wenn Zuneigung im Spiel ist. Sammlung Klein

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Kunstmuseum Stuttgart

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Gregory Crewdson, Ohne Titel, 2003/05
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Annette
 Kelm, Lucie, 2016
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Anselm Kiefer,
 Velimir Chlebnikov, Lehre vom Krieg, Seeschlachten wiederholen sich alle 317 Jahre, 2005
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Variabilder:

Karin
 Kneffel, Ohne Titel, 2008
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Shirin
 Neshat, Moon Song, 1995
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Markus
 Oehlen, Ohne Titel, 2005
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Gregory Crewdson, Ohne Titel, 2003/05

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Annette Kelm, Lucie, 2016

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Anselm Kiefer, Velimir Chlebnikov, Lehre vom Krieg, Seeschlachten wiederholen sich alle 317 Jahre, 2005

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Karin Kneffel, Ohne Titel, 2008

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Shirin Neshat, Moon Song, 1995

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Markus Oehlen, Ohne Titel, 2005

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Chiharu Shiota, Ohne Titel, 2010

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Jorinde Voigt, Focus-Synchronicity-Relief-Now 3, 2015

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Das Sammlerpaar Alison und Peter W. Klein

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Gottfried Helnwein, Dark Hour, 2003

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Gotthard Graubner, Farbkörper (rot), 1993

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Anna Oppermann, Ensemble mit Dekor (Über den Umgang mit Menschen, wenn Zuneigung im Spiel ist) – Dekor mit Birken, Birnen und Rahmen, 1969-1984-1992

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