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Viel Hoffnung bleibt nicht, wenn Nicole Eisenman ihre Sicht auf die gegenwärtige Zeit kundtut. Ihre dystopischen Bildwelten sind nun in der Wiener Secession zu sehen

Dem Abgrund entgegen



Es ist nicht einfach, in Nicole Eisenmans Œuvre so etwas wie ein wiederkehrendes Thema oder auch nur Linien einer systematischen Entwicklung nachzuvollziehen, schier aussichtslos aber, ihre Bilder, Zeichnungen und Installationen auf einen Nenner zu bringen. Man könnte die Künstlerin aus New York, die 1965 im französischen Verdun geboren wurde, als neugierige Akkommodiererin der Kunstgeschichte bezeichnen, die sich für die Malereientwicklung der Neuzeit ebenso interessiert, wie für Einflüsse aus Untergrund- und Populärkultur. Nicole Eisenman ist als Malerin komplexer Erzählungen in Form psychologisch tiefgründiger Gemälde mit oft dystopischen Untertönen bekannt. Zuletzt erregte sie Aufsehen mit ihrer Neuinterpretation einer barocken Brunnenanlage für die Skulptur Projekte Münster und stand außerdem mehrmals in den Schlagzeilen, nachdem ihr Beitrag – zuletzt in der vergangenen Woche – absichtlich beschädigt worden war.


Seit Beginn ihrer Karriere in den frühen 1990er Jahren arbeitet Nicole Eisenman auch an einer zeitgenössischen Bildsprache für queere und feministische Themen. Privates und Politisches lässt sie in ihren teils epischen Tableaus aufeinandertreffen und bildet dabei immer auch einen Ausschnitt ihres eigenen Lebensumfeldes ab. Wenn überhaupt ist Eisenmans stilistische Vielseitigkeit Markenzeichen ihres künstlerischen Œuvres, von dem derzeit ein kleiner aktueller Ausschnitt in der Wiener Secession zu sehen ist.

Im hellen Oberlichtsaal hängen mit dem namensgebenden Gemälde „Dark Light“ und „Riding Down River on the USS J-Bone of an Ass“ von 2017 und „Shooter 2“ von 2016 drei Werke im Zentrum der Ausstellung, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Flankiert werden sie von einer Suite von Papierarbeiten und Zeichnungen, die zumeist als Studien und Vorskizzen entstanden sind. Vitrinen mit umfangreichem Dokumentationsmaterial, mit Fotografien, Postkarten, Zeitungsausschnitte, Texten und Notizen, geben Auskunft über den motivischen Reichtum, den Eisenman in ihre Werke einspeist, und über die Sujets, mit denen sich die Künstlerin beschäftigt. Ein viel Platz einnehmendes Wohnzimmer-Arrangement mit dem Titel „Monument for a Politician“ (2017), bestehend aus Teppich, weißer Sofagruppe, Tisch, Lampe, Pflanzen und einer durch die gläsernen Oberlichter hindurch in den Dachboden ragenden Holzkonstruktion, wurde mit schwarzer Farbe bespritzt und mit comicartigen Graffitis bemalt. Der Titel der Arbeit bezieht sich auf das Gedicht „To a Politician“ der US-amerikanischen Schriftstellerin Bernadette Mayer. Noch vor Eröffnung der Ausstellung las Nicole Eisenman das Poem auf der Couch sitzend, während von oben schwarze Farbe auf die Künstlerin und die Installation geschüttet wurde.

Auch wenn Eisenmans Ausstellung ausschließlich Werke aus diesem und dem vergangenen Jahr zeigt, bietet sie doch einen Einblick in die inhaltlichen und formalen Aspekte des Schaffens dieser einem queer-punkigen „bad painting“ nahestehenden Künstlerin. „Shooter 2“ ist ein Paradebeispiel für Eisenmans eklektischen Malstil: Vor dem in klar konturierte Farbfelder strukturierten Hintergrund umfasst eine rote Hand eine blaue Pistole, deren Lauf direkt auf die Betrachter zielt. Eisenman zitiert hier ein Thema, das Roy Lichtenstein, einer der bekanntesten Vertreter der Pop Art, mit seiner Serie „Pistols“ Ende der 1960er Jahre mehrmals variierte. „Shooter 2“ ist, wie auch die beiden anderen großen Gemälde und die mit deren Entstehung zusammenhängenden Zeichnungen, so erfährt man aus dem die Ausstellung begleitenden Pressetext, als unmittelbare Reaktion auf die letzte US-Präsidentenwahl entstanden.

Bereits in früheren Werken thematisierte Nicole Eisenman Machtverhältnisse sowie Ohnmacht und Gleichgültigkeit des Individuums. „Dark Light“ zeigt einen Mann, dessen rote Baseballkappe ein Sympathieverhältnis zum gegenwärtigen amerikanischen Präsidenten nahelegt. Bekleidet mit einem grün-braunen Camouflage-Shirt und gelber Hose steht er aufrecht auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks, umgeben von drei schlafenden Männern. Mit zugekniffenen Augen schaut er in Richtung des Betrachters, den rechten Arm kraftvoll ausgestreckt, während die überdimensionierte Hand eine Taschenlampe hält, deren dunkelblaues Licht zum linken Bildrand leuchtet. Auffallend sind die strengen waagerechten Kompositionslinien, die sich mit den Vertikalen des silbernen Rohres, aus dem eine dunkle Farbwolke quillt, und dem schwarzen Farbfluss begegnen, der sich aus einem kreisförmigen Element vom oberen zum unteren Bildrand ergießt.

Vordergründig – so erfährt man – bezieht sich das Bild auf „rolling coal“, ein Phänomen aus den USA, bei dem Dieselautos, vornehmlich Pick-up-Trucks, so umgebaut werden, dass auf Knopfdruck mehr Diesel eingespritzt wird, als der Motor verbrennen kann, und sich daraufhin eine stinkende Rauchwolke bildet. Eingesetzt wird diese gesundheitsschädliche Praxis neben einschlägigen Wettbewerben vorzugsweise gegen FahrradfahrerInnen, FußgängerInnen und Hybridautos, in letzter Zeit bevorzugt auch gegen Anti-Trump-Demonstranten. Die auf dem Gemälde ebenfalls im Truck sitzenden drei Figuren, von denen die am unteren rechten Bildrand überraschender Weise die Gesichtszüge von Gustav Klimt trägt, scheinen unbeteiligt von der Rußattacke mit geschlossenen Augen zu schlafen.

Ähnlich wie ihr deutscher Malerkollege Neo Rauch findet Eisenman ihre Motive aus der unmittelbaren Anschauung, oder es sind erinnerte Bilder, die eng mit Vorläufern in der Kunstgeschichte und der Welt der Comics zu tun haben. Vergleiche zu den Arbeiten des Leipziger Malers drängen sich auf, vor allem wenn man ihr Gemälde „Riding Down River on the USS J-Bone of an Ass“ genauer betrachtet. Die Arbeit ist kleinteilig angelegt und erinnert mit ihrer räumlichen Staffelung des Bildraums und der Charakteristik der Landschaft an die italienische Malerei des Trecento. Mehrere Objekte und ein Boot steuern auf den Abgrund eines Wasserfalls zu. Der gigantische Unterkieferknochen eines Esels funktioniert hier als Boot und befördert einen Mann mit einer Flöte, einen Matrosen und einen Geschäftsmann im Anzug. Zwar hält die mittlere Gestalt, der Matrose, die Schot mit festem Griff, doch das Boot ist manövrierunfähig und das große Segel zerfetzt. Im hellen Geviert klafft ein Riss, dessen Kontur dem Kopf der amerikanischen Freiheitsstatue ähnelt.

Auf etwa gleicher Höhe und ebenso wie das Segelboot in unmittelbarer Gefahr vor dem Abgrund befindet sich ein zweites Boot mit rotem Rumpf. Auf dem Deck steht eine Figur, die eine Landsknechttrommel schlägt, jenes Musikinstrument, mit dem zu Kriegszeiten die Soldaten unerbittlich vorangetrieben wurden. Dem Rhythmusinstrument mit seinem kriegerischen Hintergrund stellt Eisenman ein von seiner äußeren Form her phallisches Instrument, die Flöte, gegenüber. Mit ihrem oft klagenden Ton als Symbol der Sehnsucht steht sie für das Schöpferische aller Kunst und wird von der zuvorderst sitzenden Figur im Segelboot gespielt. Doch all das geht, folgt man Eisenmans an Symbolen so reichem Werk, den Bach hinunter. Unheil droht, und ein Abgrund tut sich auf, dem die Protagonisten regungslos entgegentreiben.

Man könnte in Eisenmans aktuellen Arbeiten weiter nach Motiven suchen, die Objekte enträtseln und nachspüren, wie sie diese vor dem Hintergrund eines von Trump regierten Amerikas mit aktuellen Konflikten in Bezug zu bringen sucht. Waren die feministisch-kritischen Angriffe in ihren früheren Arbeiten von einer direkten, aggressiv-provozierenden Bildsprache gekennzeichnet, sind ihre aktuellen Werke eine eher plakative Kritik an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Was jedoch mehr irritiert, ist die bemühte Simultaneität kunsthistorischer Versatzstücke, deren tendenziell kalkuliert-dilettantische Umsetzung letztlich in Erinnerung bleibt.

Die Ausstellung „Nicole Eisenman – Dark Light“ ist bis zum 5. November zu sehen. Die Secession hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder unter zehn Jahren ist er kostenlos. Das Künstlerbuch zur Ausstellung kostet 26,40 Euro.

Kontakt:

Secession

Friedrichstraße 12

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 587 53 07

Telefax:+43 (01) 587 53 07 34

E-Mail: office@secession.at



26.09.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


14.09.2017, Nicole Eisenman - Dark Light

Bei:


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Künstler:

Nicole Eisenman










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