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Der Schlaf zu Besuch in Bremen

Félix Vallotton, Nu à l’echarpe verte, 1914

Im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen dreht sich alles um den Schlaf. Der unbewusste Zustand wird in 70 Exponaten des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart vorgestellt, darunter Arbeiten von Gustave Courbet, Andy Warhol, Edvard Munch, Karl Hartung, Sophie Calle, Henri Cartier-Bresson, Michael Triegel und Ernst Barlach. Neben Gemälden sind auch Fotografien, Grafiken, eine Skulptur, Film und das Medium der Performance Teil der Schau. Das Ziel sei es, der gegenwärtigen ruhelosen Gesellschaft den Schlaf als „produktive Zeitverschwendung“ nahe zu bringen, so die Mitteilung des Museums. Die Ausstellung ist in fünf Teile gegliedert: privater, öffentlicher, erotischer, märchenhafter Schlaf und Künstlerschlaf.

Die Idee für das Thema Schlaf gaben drei Werke von Paula Modersohn-Becker: eine liegende Mutter mit Kind, der schlafende Otto Modersohn und ein friedlich schlummernder Säugling. Der private Schlaf mit Konzentration auf das Antlitz findet sich in „Otto Modersohn schlafend“ um 1907. Modersohn-Beckers Ehemann liegt entspannt mit Brille auf einem Kissen. Die friedliche Atmosphäre vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit und wirkt zugleich flüchtig, da ein Geräusch den Schlafenden ebenso rasch aus der Traumwelt herausholen kann. Weniger gemütlich ist der Schlaf im öffentlichen Raum, der im 19. Jahrhundert zu einem gesellschaftlichen Thema wird, etwa durch Erntearbeiter und Heimatlose. Auch Schlummernde in Zügen, Hauseingängen und Parks werden beobachtet, wie es Friedrich Seidenstücker in den 1930er Jahren in seiner Fotografie erschöpfter Ziehleute in einer S-Bahn schildert.

Die märchenhafte Seite präsentiert neben Heinrich Vogeler oder Gerhard Marcks ein Foto von Annelies Štrba. Ihr „Nyima 499“ von 2012 zeigt von oben ein schlafendes blondes Mädchen auf einem üppigen Sofa. Der modifizierte Farbfilter lässt die Haut des Kindes grünlich wirken, die eingefügten goldgelben Punkte erscheinen wie ein magischer Vorhang oder Goldregen, der den Betrachter von der Traumwelt trennt. Die erotische Komponente mit nackter Haut und zerwühlten Laken spiegelt eine intime Seite, die unter anderem Félix Vallotton und Martin Eder präsentieren. Der Betrachter wird zum Voyeur und darf sich an der schlafenden Schönheit erfreuen, wie in William Nelson Copleys „Reclining Nude“ von 1953. Das künstlerische Selbstbildnis während des Schlafens findet eine Stellvertreterin in Ulrike Rosenbach. 1977 legte sich die Künstlerin für die Videoaktion „Zehntausend Jahre habe ich geschlafen“ vor der Kamera zur Ruhe.

Die Ausstellung „Schlaf. Eine produktive Zeitverschwendung“ läuft bis zum 4. Februar 2018. Das Paula Modersohn-Becker Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, am Tag der Deutschen Einheit von 13 bis 18 Uhr geöffnet. An Heiligabend, dem 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre ist er kostenlos. Der begleitende Katalog kostet im Museum 25 Euro, im Buchhandel 29,80 Euro.

Paula Modersohn-Becker Museum
Böttcherstraße 6-10
D-28195 Bremen

Telefon: +49 (0)421 – 33 88 222
Telefax: +49 (0)421 – 33 88 233


26.09.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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24.09.2017, Schlaf. Eine produktive Zeitverschwendung

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Paula Modersohn-Becker Museum

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Annelies
 Štrba, Nyima 499, 2012
Annelies Štrba, Nyima 499, 2012

Variabilder:

Friedrich Seidenstücker,
 Ziehleute beim Nickerchen in der Berliner S-Bahn, 1930er Jahre
Friedrich Seidenstücker, Ziehleute beim Nickerchen in der Berliner S-Bahn, 1930er Jahre

Variabilder:

Ulrike Rosenbach, Zehntausend Jahre habe ich geschlafen, 1977
Ulrike Rosenbach, Zehntausend Jahre habe ich geschlafen, 1977

Variabilder:

Ron Mueck,
 Swaddled Baby, 2002
Ron Mueck, Swaddled Baby, 2002

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Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn schlafend, 1907
Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn schlafend, 1907

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Martin
 Eder, Melancholie, 2017
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William Nelson Copley, Reclining Nude, 1953
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