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Anton Kolig in Wien

Das Leopold Museum präsentiert in Wien nach mehr als 50 Jahren wieder eine Retrospektive zu Anton Kolig und kann sich dabei auf den umfangreichen eigenen Bestand an Werken diese Hauptvertreters der österreichischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert stützen. Die Schau umfasst etwa 60 Gemälde und 50 Arbeiten auf Papier von Kolig, der mit Oskar Kokoschka und Egon Schiele zu den Begründern des österreichischen Expressionismus zählt. Neben Porträts und Stillleben sind auch Allegorien und Jünglingsakte im expressiven, dynamischen Malstil des 1886 in Mähren geborenen Künstler zu sehen.

Seine Studien an der Kunstgewerbeschule in Wien und anschließend an der dortigen Akademie der bildenden Künste beendete Anton Kolig im Jahr 1912. Schon ab 1910 war er Mitglied in der von Schiele initiierten „Neukunstgruppe“ und stellte erstmals in deren zweiter Ausstellung im Club deutscher Künstlerinnen in Prag aus. Dank der Stiftung der Schwestern Fröhlich reisten Anton Kolig und sein Malerfreund Franz Wiegele bis 1914 zwei Jahre lang nach Paris, West- und Südfrankreich. Koligs Farbpalette gewann an Ausdruckskraft, wie es der „Jüngling mit Amor“ von 1911 und „Kindergruppe beim Dominospiel“ von 1912 verdeutlichen. Anstelle eines neutralen grauen Grundes bevorzugte Kolig einen hellblauen Farbton. Die Malweise wird flächiger, so dass der Raum eher erahnt als tatsächlich dargestellt wird. Das Inkarnat der Kinder vereint neben Gelb und Magenta auch Grüntöne. Dies mag auf das Wirken der Fauvisten zurückzuführen sein. Der Erste Weltkrieg beendete die Reise, so dass Kolig im August 1914 Hals über Kopf nach Österreich zurückkehrte. Viele seiner Arbeiten musste er in Frankreich zurücklassen, einige gelten bis heute als verschollen.

Seit 1916 arbeitete Anton Kolig als Kriegsmaler und führte mehrere Offiziers- und Soldatenportraits aus. Seine Aufgabe war es, heroische Kriegsdarstellungen festzuhalten und Gefechtsstellungen im Feld zu dokumentieren. 1918 wurde der Kontakt zu Egon Schiele intensiver. Kolig trat Schieles 1918 gegründetem „Sonderbund österreichischer Künstler“ bei, dem er bis zur Auflösung 1932 angehörte. Das Portrait war ein Lieblingsthema. Kolig hielt Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft fest, darunter 1915 die Journalistin und Schriftstellerin Berta Zuckerkandl-Szeps. Einen Höhepunkt bildet das 1923 entstandene fulminante Bildnis der Opernsängerin „Marie Gutheil-Schoder als Potiphars Frau“. Überraschend ist sein starken Pinselstrichen gekennzeichnetes Selbstbildnis aus demselben Jahr. Denn Kolig stellt sich als Maler an der Staffelei ohne Hose unten nackt dem Betrachter vor.

In den 1920er und 1930er Jahren beginnt eine Zeit, in der Anton Kolig auch international ausstellte, etwa in Den Haag, New York oder Berlin. 1928 wurde er an die Akademie der bildenden Künste nach Stuttgart berufen, wo er bis 1943 als Professor tätig war. Neben dem Portrait gehörte der Männerakt zu seinen favorisierten Themen, der sich zwischen antikischer Idealisierung, heroischen Posen, etwa beim „Großen Spiegelakt“ von 1926 oder allegorischen Anspielungen wie im Gemälde „Unsere Jugend“ von 1947 bewegt. Der wichtigste öffentliche Auftrag Koligs waren die später durch die Nazis vernichteten Fresken im Kärntner Landhaus in Klagenfurt von 1929. Im Dezember 1944 zerstörte eine Bombe das Wohnhaus der Familie Kolig in Nötsch, tötete Freunde und führte zu schweren Gesundheitsproblemen des Malers. 1950 starb der Künstler an den Spätfolgen der Verletzungen.

Die Ausstellung „Anton Kolig“ läuft bis zum 8. Januar 2018. Das Leopold Museum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt an Heiligabend geschlossen. Der Eintritt beträgt regulär 13 Euro, es gibt mehrere Ermäßigungsstufen. Der Katalog zur Ausstellung kostet 29,90 Euro im Museumsshop.

Leopold Museum
Museumsplatz 1
A-1070 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 525 70 0
Telefax: +43 (0)1 – 525 70 1500

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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