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Neue Sachlichkeit in der Schweiz

François Emile Barraud, La Séance de peinture, 1933

Mit einem großen Überblick zur Kunst der Neuen Sachlichkeit in der Schweiz greift das Museum Oskar Reinhart in Winterthur derzeit ein Thema auf, das seit fast vierzig Jahren nicht mehr in dieser Breite behandelt wurde. Dafür haben die Kuratoren Andrea Lutz und David Schmidhauser über 100 Werke von sechzehn Künstlern ausgewählt, darunter von Aimé Barraud, Otto Baumberger, Max Gubler, Charles-Auguste Humbert oder Eugen Georg Zeller, und wollen den Kanon dieser Strömung in der Schweiz neu definieren. 1979 präsentierte das Museum die von Rudolf Koella organisierte und breiter angelegte Schau „Neue Sachlichkeit und Surrealismus in der Schweiz 1915-1940“. Die aktuelle Ausstellung versucht die Strömung enger zu fassen, indem sie sich ausschließlich auf die Neue Sachlichkeit beschränkt und diese genauer zu abgrenzen sucht. Auch wenn die Kuratoren nicht alle neusachlichen Maler der Schweiz aufgenommen haben, konnten sie den Kreis um einige bisher nicht beachtete, teils früh verstorbene Künstler wie Theodor Barth, Johannes Robert Schürch oder Fritz Paravicini inhaltlich erweitern.

Die Neue Sachlichkeit bildete sich zwischen 1918 und 1933 in Deutschland als Antwort auf den Expressionismus aus und fand auch in der Schweiz ihre Anhängerschaft. Trotz individueller Ausprägungen lassen sich bei den Schweizer Malern formale und inhaltliche Gemeinsamkeiten erkennen. So dominiert ein klarer, linearer Stil, bei dem alles Gegenständliche scharf beobachtet, bisweilen überdeutlich gezeichnet und modelliert ist, oftmals verbunden mit einem strengen, am Gegenstand orientierten Bildaufbau. Dies und die Tilgung der Arbeitsspuren führen zu einer kühlen, dennoch eindringlichen Nüchternheit der Bildsprache. In manchen Fällen ist auch eine Orientierung an spätgotischer Kunst festzustellen: Deutlich bezog sich Niklaus Stoecklin auf Konrad Witz, Eduard Gubler nahm maltechnisch die Tradition der Temperamalerei wieder auf.

Zudem finden sich motivische Berührungspunkte. Im Werk der neusachlichen Künstler herrschen alltägliche, unspektakuläre Gegenstände vor. Dabei lässt sich – wie besonders bei Wilhelm Schmid oder Adolf Dietrich – eine Vorliebe für das Stillleben beobachten, das nicht symbolisch aufgeladen ist, sondern den Gegenstand für sich sprechen lässt. Entsprechend der Schlichtheit in der Objektdarstellung behandeln etwa Arthur Riedel, Fritz Schmid, François Emile Barraud oder Paul-Théophile Robert auch ihre Figurendarstellungen kühl und nüchtern, ohne sie in dramatische Posen zu zwängen. Häufig ist die Malerei ganz auf das Motiv ausgerichtet, das vor neutralem Hintergrund im Zentrum des Interesses steht und dabei statisch isoliert gleichsam wie auf einer Bühne vorgeführt wird.

Die Ausstellung „Neu. Sachlich. Schweiz. – Malerei der Neuen Sachlichkeit in der Schweiz“ ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen. Das Museum Oskar Reinhart hat dienstags von 10 bis 20 Uhr sowie mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt am 1. Weihnachtstag, Neujahr und 2. Januar. Der Eintritt beträgt 15 Franken, ermäßigt 12 Franken. Für Kinder bis 16 Jahre ist er kostenlos. Der 240 Seiten starke Ausstellungskatalog aus dem Verlag Scheidegger & Spiess stellt die erste umfassende Publikation zu diesem Thema dar und kostet 39 Franken.

Museum Oskar Reinhart
Stadthausstrasse 6
CH-8400 Winterthur

Telefon: +41 (0)52 – 267 51 72
Telefax: +41 (0)52 – 267 62 28


19.09.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Veranstaltung vom:


02.09.2017, Neu. Sachlich. Schweiz. - Malerei der Neuen Sachlichkeit in der Schweiz

Bei:


Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten

Variabilder:

François Emile Barraud, La Séance de peinture, 1933
François Emile Barraud, La Séance de peinture, 1933

Variabilder:

Fritz Paravicini, Tintenfass, 1931
Fritz Paravicini, Tintenfass, 1931

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Arthur Riedel, Frau mit Wasserball, 1932
Arthur Riedel, Frau mit Wasserball, 1932

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Wilhelm Schmid, Blumenstillleben, 1923
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Johannes Robert Schürch, Dachzimmer, 1932
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Niklaus Stoecklin, Casa rossa, 1917
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Niklaus Stoecklin, Selbstbildnis, 1918
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