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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Die erste Art Berlin geht an den Start

Im dritten Anlauf geglückt?



Mark Dion, Monster, 1998

Mark Dion, Monster, 1998

Art Forum Berlin, Art Berlin Contemporary (abc) und jetzt Art Berlin: Es ist der dritte Versuch, eine Messe für zeitgenössische Kunst in Berlin zu etablieren, und dieses Mal könnte es gelingen. Nachdem die Macher des Gallery Weekend Berlin mit ihrem Konzept einer Gruppenausstellung von Einzelpositionen gescheitert sind und sich die Art Cologne als wirtschaftlichen Träger und Ausrichter mit ins Boot geholt haben, hat die deutsche Hauptstadt wieder eine Kunstmesse. Genau die Hälfte der Teilnehmer stammt aus Berlin, so wie es auf der abc ursprünglich hätte sein sollen, bis der unbestimmte Zwitter aus Messe und Ausstellung zuletzt immer regionaler und kleiner wurde und zuletzt auf nur noch etwas über 60 Teilnehmer kam. Mit der neuen Nüchternheit soll jetzt etwas mehr der kommerzielle Aspekt der Veranstaltung hervorgehoben werden.


Das beginnt schon beim Betreten der Messehallen in der Station am Gleisdreieck: Das verwirrende Durcheinander der über Böden und vereinzelte Wände verteilten Ausstellungsinseln ist einer klassischen Messearchitektur mit Gängen und Kojen gewichen, und plötzlich wirkt die ehemalige Postverladestation nicht mehr rumpelig, sondern angemessen cool. Im Gegensatz zur abc bietet die Art Berlin auch nicht nur ausschließlich Primärgalerien Zugang, sondern auch Händlern.

Immerhin 30 der 110 Aussteller haben sich entschieden, wie bisher nur eine Position zu zeigen, darunter die Galerie Crone (Berlin/Wien) mit Constantin Luser, Samuelis Baumgarte (Bielefeld) mit Heinz Mack, Sprüth Magers (Berlin/London) mit John Bock und Nagel Draxler (Berlin/Köln) mit Mark Dion. Die 150.000 Euro, die für die zentrale, an Kuriositätenkabinette auf Jahrmärkten des 19. Jahrhunderts erinnernde Arbeit von Dion aufgerufen werden, dürften für Berliner Verhältnisse dann doch außerhalb der üblichen Sammlerbudgets liegen. Doch haben sich genügend Kuratoren auf der Messe umgesehen, die derartige Präsentationen im Hinterkopf behalten, dass sich die Investition der Messeteilnahme langfristig lohnen könnte. Auch die 650.000 Euro, die Michael Schultz aus Berlin für eines der alchimistischen Großformate mit phosphoreszierenden Farben auf Papier von Sigmar Polke verlangt, könnten den Berliner Markt überfordern.

Der Großteil des Angebots bewegt sich im vier- und niedrigen fünfstelligen Bereich; das war in Berlin schon immer so und würde sich wohl auch erst ändern, wenn die Art Berlin in die Top-Liga von Art Basel, Frieze oder FIAC aufsteigen sollte. Doch das wird kaum passieren. Nicht nur fehlen dem Standort Deutschland die Voraussetzungen. Die besten Zeiten dieser Weltkunstmessen scheinen sich auch einem Ende zuzuneigen.

Irgendwie mutet es an, dass sich alle mit den neuen Verhältnissen angefreundet haben. Im Vorfeld schien eine Art Waffenstillstand zwischen den verschiedenen Fraktionen in Berlin und im Rheinland zu herrschen. Sogar Kristian Jarmuschek, BVDG-Vorstand und einer der Macher der alternativen Messe „Positions“, wurde mit seiner Berliner Galerie eingeladen. Seine Veranstaltung in der Arena an der Spree mit ihren knapp 90 Ausstellern zielt auf Einsteiger und den jungen Sammler, hat allerdings mittlerweile auch einige etablierte Branchenvertreter mit höherpreisiger Ware unter ihrem Dach zu bieten.

Eingebettet in die Berlin Art Week mit ihren Museums- und Galerieeröffnungen macht die Art Berlin Sammlern ein deutlich attraktiveres Angebot als ihre Vorgängerin. Wenn sich das herumspricht, kommen in Zukunft vielleicht auch wieder mehr ausländische Galerien im Herbst an die Spree.

Die Art Berlin läuft bis zum 17. September. Geöffnet ist täglich von 11 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, für Familien 28 Euro.

Station – Berlin
Luckenwalder Straße 4-6
D-10963 Berlin

artberlinfair.com



16.09.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Stefan Kobel

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