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Documenta: Adam Szymczyk geht in die Offensive

Das Kuratorenteam der Documenta hat sich gegen Vorwürfe der Geldverschwendung gewehrt. In einem offenen Brief haben gestern der künstlerische Leiter Adam Szymczyk und seine Mitstreiter die Verantwortung für das Defizit von rund 7 Millionen Euro von sich gewiesen und vielmehr die Politik angegriffen. In den Artikeln, die am 12. September in der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ erschienen sind, würden die Meinungen der Autoren als objektive Tatsachen präsentiert und Spekulationen und Halbwahrheiten wiederholt, denen zufolge Szymczyk und Annette Kulenkampff, die Geschäftsführerin der Documenta gGmbH, verantwortlich für das gemacht werden, was die Autoren als den unmittelbar bevorstehenden Bankrott der Documenta bezeichnen würden, heißt es in dem Schreiben. Laut den Autoren würde dies durch einen Mangel an Managementkompetenz und einem völligen Versagen der finanziellen Aufsicht seitens des Teams der Documenta gGmbH verursacht. Keiner der Journalisten habe es für nötig befunden, seine Informationen mit den beiden Protagonisten abzugleichen, noch ein differenziertes Bild der komplexen Situation zu zeichnen.

Das Budget und die Strukturmittel seien seit der letzten Ausgabe im Jahr 2012 nicht wesentlich verändert worden, „trotz der Tatsache, dass dieses neue Projekt notwendigerweise größere und offensichtliche Folgen für die finanzielle Seite haben würde“. So seien keine zusätzlichen Mittel für notwendig befunden worden für die Realisierung der Ausstellung in zwei Städten und über eine Dauer von insgesamt 163 Ausstellungstagen – eine ganze Stadt und 63 Tage mehr als jede bisherige Documenta. Die Gesellschafter, das Land Hessen und die Stadt Kassel, hätten immer wieder ihre Unterstützung für das Projekt zum Ausdruck gebracht und hinter allen Schritten im Prozess dieser Documenta 14 mit ihren zwei Veranstaltungsorten gestanden. Nun aber kämen die Kuratoren zu dem Schluss, „dass diese Zustimmung sehr viel mehr an Bedingungen geknüpft und begrenzt war, als man uns glauben ließ“.

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Im Geiste einer gemeinsamen Auseinandersetzung glauben wir, dass es an der Zeit ist, das System der Wertschöpfung solcher Megaausstellungen wie der Documenta auf den Prüfstand zu stellen. Wir möchten das ausbeuterische Modell, unter dem die rechtlichen Gesellschafter der Documenta ‚die wichtigste Ausstellung der Welt‘ produzieren möchten, anprangern. Die Erwartungen von stets wachsendem Erfolg und ökonomischem Wachstum führen nicht nur unmittelbar zu ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, sondern gefährden die Möglichkeit, dass die Ausstellung ein Ort kritischer Aktion und künstlerisches Experimentierfeld bleibt. Wie lässt sich die Wertschöpfung der Documenta messen? Das Geld, das während Dauer und Vorbereitung der Documenta in die Stadt fließt, übersteigt die Summe, die Stadt und Region in die Ausstellung investieren, und zwar um ein Vielfaches.

Wir haben entschieden, uns gerade jetzt zu äußern und gemeinsam die Unabhängigkeit der Documenta als kulturelle und künstlerische Institution vor parteipolitischen Interessen zu schützen. Die Politik hat diesen Medienrummel verursacht, indem sie das Bild des unmittelbar bevorstehenden Bankrotts der Documenta in Umlauf gebracht hat und sich selbst als ‚Retter‘ in einer Krise präsentiert, deren Entwicklung sie selbst zugelassen hat.“

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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