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William Kentridge eröffnet in Salzburg seine Weltsicht in Gestalt seiner atemberaubenden theatralischen Arbeiten

Gesamtkunstwerk für apokalyptische Bilderträume



William Kentridge, The Refusal of Time, 2012

William Kentridge, The Refusal of Time, 2012

Anfang August hatte bei den diesjährigen Salzburger Festspielen Albans Bergs Oper „Wozzek“ Premiere. William Kentridge inszenierte das musikalische Werk, mit dessen Erarbeitung der junge Alban Berg, gerade dreißigjährig, in Anlehnung an Georg Büchners gleichnamiges Drama, noch während des Ersten Weltkriegs begonnen hatte. Wie schon für seine szenische Installation von Schuberts „Winterreise“ hat Kentridge für die Tragödie des gedemütigten Wozzeck mit animierten Kohle- und Tuschzeichnungen einen Fond geschaffen, der als sich ständig verändernder Handlungsträger zum dominierenden Mitspieler des Geschehens wird: marschierende Soldaten, geborstene Bäume, Landkarten mit wechselnden Frontverläufen, zerstörte Städte, Kraterlandschaften und geschundene Körper, überzogen mit Stacheldraht, Gasmasken, Megaphone und ein Kaiser-Wilhelm-Bildnis, das schließlich in Einzelteile zerfällt, bilden das visuelle Vokabular für die Inszenierung von Bergs visionärer Oper, in der der Komponist auch persönliche Leiderfahrungen verarbeitete.


In seiner Inszenierung spiegelt Kentridge, der 1955 in Johannesburg geboren wurde und die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung durch das Apartheid-Regime häufig thematisiert, die Traumata des Protagonisten auf fesselnde Weise in einem überwältigenden apokalyptischen Bilder-Albtraum. Individuelle Gewalt, so zeigt Kentridge, ist unmittelbare Folge der kollektiven Gewalt des Krieges – eine emotional packende Deutung, die der Künstler in eine düstere und zugleich visuell magische Bühnensprache umsetzt.

Kentridges enge Beziehung zum Theater und zur Oper, für die er als Schauspieler, Produzent, Bühnenbildner und Kostümdesigner tätig ist, fließt in seine Arbeit als bildender Künstler ein. Im Gegenzug prägen die theatralischen Werke die zeichnerische und konzeptuelle Arbeit im Atelier. Dieses sich gegenseitig durchdringende Nahverhältnis dokumentieren die beiden großen Ausstellungen, die zeitgleich mit der Salzburger „Wozzek“-Inszenierung im Museum der Moderne eröffnet wurden und noch bis Anfang November in beiden großen Häusern – am Mönchsberg und im Rupertinum – zu sehen sind.

Im Rupertinum neben dem Haus für Mozart, wo die „Wozzek“-Premiere stattfand, werden die Theater- und Operntätigkeit des Künstlers dokumentiert und Zeichnungen, Collagen, Plakate, Kostüme, Modelle und Filme gezeigt, die seit den späten 1970er Jahren zu wichtigen Produktionen entstanden. Neben „Wozzeck“ sind das unter anderem „Sophiatown“ von 1986/89, Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse“ von 1998, Mozarts „Preparing the Flute“ von 2004/05 und Dmitri Schostakowitschs „Die Nase“ von 2010. Kentridges Arbeiten für das Theater stehen damit erstmals im Zentrum einer eigenen Ausstellung. Im Museum der Moderne am Mönchsberg sind die filmischen, theatralischen Arbeiten, Performances und situationistischen Modelle zu sehen, die in der Kunst William Kentridges eine so bedeutsame Rolle spielen.

Im Auditorium führen „10 Drawings for Projection“ von 1989/2011 in die für Kentridges Schaffen grundlegende Thematik ein: Soho Eckstein und Felix Teitlebaum sind die Namen der fiktionalen Gestalten, ein Industrieller und ein Alter Ego des Künstlers, die gesellschaftliche Haltungen im Südafrika der 1990er Jahre bis heute widerspiegeln. Auf der großen Ausstellungsebene werden sieben raumgreifende Multimedia-Installationen präsentiert. Die Arbeiten „7 Fragments for Georges Méliès“, „Day for Night“ und „Journey to the Moon“ von 2003, eine Hommage an den französischen Pionier des Stummfilms, stellen im zentralen Raum die Arbeitsweise des Künstlers vor. Kentridge zeichnet mit Kohle, filmt das Bild, radiert es anschließend wieder aus, überzeichnet und filmt wieder. „Man kann die Welt entweder als Tatbestand aus Fakten begreifen und dem entspricht dann zum Beispiel eine Fotografie oder ein Bild, die sich nicht verändern. Oder man begreift die Welt als Prozess, der sich entwickelt und offenbart. Und dem entspricht die Animation, die mit der Verwandlung des einen Bildes in ein anderes zu tun hat. Denn jedes dieser Bilder ist vorläufig und wird von einem ähnlichen, aber auch anderen Bild abgelöst, 24 Mal in der Sekunde. Und das kommt meiner Auffassung der Welt und ihrer Widersprüche sehr viel näher. Animation, das steht für ein Verständnis der Welt als Prozess“, erklärt Kentridge seine Vorgehensweise.

Auch zwei seiner jüngsten Installationen aus dem Jahr 2015 sind zu sehen: „O Sentimental Machine“, produziert für die Istanbul Biennale, über das türkische Exil des russischen Revolutionärs Leo Trotzki und „Notes Towards a Model Opera“ über die Kulturrevolution in China. Die Videoarbeit wurde zuvor anlässlich der ersten Retrospektive von Kentridge in Beijing, anschließend in Seoul und Johannesburg und unlängst im Rahmen der Ausstellung „Art/Afrique, le nouvel atelier“ in der Pariser Fondation Louis Vuitton vorgestellt. Kentridge adaptiert die Bildsprache der klassischen chinesischen Propagandakunst und lässt eine afroamerikanische Tänzerin mit einem Gewehr auf dem Rücken, die die rote Kappe der chinesischen Kulturrevolution trägt, vor wechselnden Hintergrundmotiven wie Landkarten, Zeitungsausschnitten, Listen mit chinesischen Zeichen und Tagebucheintragungen zu einer eindringlichen Klangcollage von Philip Miller klassische Ballettschritte ausführen.

In „Second-hand Reading“ von 2013 führt William Kentridge eine frühe Form von Film als Daumenkino auf und hat auch „The Refusal of Time“ installiert. Die spektakuläre Arbeit über Zeit als Form politischer und gesellschaftlicher Herrschaft hat schon auf der Documenta 13 in Kassel 2012 für Furore gesorgt: Tickende Metronome, kreisende Räder, von der Decke hängende Megaphone und Schauspieler in Kostümen, die vor gezeichneten Hintergründen auftreten. In der Mitte des Raumes agiert eine Maschine, teils Pumpe, teils Lunge, als Motor der Installation. Die Videobilder verbinden sich mit dem räumlichen Erlebnis und lassen die Betrachter sich selbst als Teilchen einer überdrehten und außer Kontrolle geratenen Spieluhr erleben. „Es ist“, kommentiert Kentridge, „eine Absurdität, man kann sich der Zeit nicht verweigern, ob man nun möchte oder nicht. Trotzdem ist es ein realer Wunsch: so zu leben, als wären wir der Zeit und dem Verfall nicht unterworfen.“ Zeit thematisiert er damit als Form der politischen Herrschaft über Natur und Menschen.

Im größten Raum schließlich lädt ein fünfzig Meter langer Fries von bewegten Bildern dazu ein, in die Prozession von „More Sweetly Play the Dance“ aus dem Jahr 2016 einzutauchen – eine lange Filmprojektion, die im vergangenen Jahr im Rahmen des Projekts „No it is!“ nicht nur im Berliner Martin-Gropius-Bau, sondern auch an der Fassade des Festspielhauses zu erleben war. Alban Berg, der sich sehr für bildende Kunst interessierte, sah die Oper als Gesamtkunstwerk. Kentridges musikalisch und visuell unter die Haut gehende „Wozzek“-Inszenierung wird Bergs epochaler Oper auf eigenwillige und bezwingende Weise gerecht. Die Welt als Bühne, der Künstler als Schauspieler, die Kunst als Widerspruch. Etwas anderes wäre seiner südafrikanischen Heimat, dieser Gesellschaft in Transformation, wohl auch kaum adäquat. William Kentridge führt diese Verstrickungen in Salzburg einmal mehr höchst eindrucksvoll vor.

Die Ausstellung „William Kentridge. Thick Time. Installationen und Inszenierungen“ läuft bis zum 5. November. Die Museen haben täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt für beide Häuser beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag für 35 Euro.

Kontakt:

Museum für moderne Kunst Salzburg - Rupertinum

Wiener-Philharmoniker-Gasse 9

AT-5020 Salzburg

Telefon:+43 (0662) 84 22 200

Telefax:+43 (0662) 84 22 20 700



14.09.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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