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Exotische Wunderkammern von Karl-Ferdinand Schaedler in München

Eigentlich ist Karl-Ferdinand Schaedler Volkswirt und Ethnologe. Doch vor einigen Jahren hat der 87jährige die Seiten gewechselt und ist selbst unter die Kunstschaffenden gegangen. Anregungen findet er dabei in der Kunst und den Vorstellungswelten Afrikas. Nun steht die vierte Ausstellung des promovierten Münchners an. Ab heute Abend gibt Schaedler in der Orangerie am Englischen Garten einen Einblick in seine Ansichten zu den essenziellen Dingen des Lebens. Unter dem Titel „Reflexionen“ stellt er sein umfassendes Wissen über Mythen, Magie und Kulte vor und hat dazu „Altäre“ geschaffen, die menschlichen Haltungen und Wünschen gewidmet sind. Mit ihren kleinen Figuren, Körperteilen und Ritualgefäßen wirken sie wie Votivgaben in Wallfahrtskirchen.

In seine Altararrangements integriert Karl-Ferdinand Schaedler Historisches ebenso wie Fundstücke aus dem Alltag. Er stellt Bezüge zu uralten Riten und Okkultem her und dekuvriert Altäre als Orte der Melancholie und Nostalgie. Der Ausstellungsbesuch wird so zu einer Reise durch die Welten von Glauben, Aberglauben und Zauberei, wo Verderben auf Wachspuppen, Seifenstücke oder Tierdarstellungen gebannt wird oder diese mit besonderer Kraft aufgeladen werden. Auch mit seinen lebensgroßen Menschenskulpturen, wie der mit Augen übersäten Männergestalt „Der böse Blick“, will Schaedler die Situation des modernen Menschen in einer von Religiosität entfremdeten Welt ansprechen.

Geboren 1930, absolvierte Karl-Ferdinand Schaedler nach dem Abitur zunächst eine Kürschnerlehre und vervollkommnete sein Können an der Hamburger Meisterschule für Mode. Ab 1954 studierte er Betriebs- und Volkswirtschaft in München und Innsbruck und wurde 1960 in den USA promoviert. Als Volkswirt reiste er in den 1960er Jahren im Auftrag des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung zu einem Entwicklungsprojekt an die Elfenbeinküste. Hier erwachte sein Interesse für die afrikanische Kunst, die bald zur Leidenschaft wurde. Zahlreiche Aufenthalte in Ost- und Westafrika folgten.

Ab 1970 arbeitete Schaedler als selbständiger Berater für Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Parallel dazu publizierte er über afrikanische Kunst und organisierte Ausstellungen in München, Leipzig und Wien. Mit 47 Jahren studierte er nochmals Ethnologie und wurde 1986 mit der Arbeit „Die Weberei in Afrika südlich der Sahara“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert, wo er auch afrikanische Kunst unterrichtete. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu seinem Spezialgebiet, wie das „Lexikon Afrikanische Kunst und Kultur“, die „Masken der Welt“ oder „Götter Geister Ahnen – Afrikanische Skulpturen in deutschen Privatsammlungen“. Zudem war er viele Jahre lang Experte für Tribal Art bei den Münchner Auktionshäusern Ketterer und Neumeister. Bei letzterem ließ er 2009 seine umfangreiche, über 400 Losnummern zählende Sammlung versteigern.

Die Ausstellung „Karl-Ferdinand Schaedler – Reflexionen“ läuft vom 14. bis zum 24. September. Geöffnet ist täglich von 11 bis 19 Uhr.

Orangerie München
Englischer Garten 1a
D-80538 München

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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