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Praemium Imperiale vergeben

Shirin Neshat, 2017

Zum Start der Berlin Art Week hat die Japan Art Association gestern die Preisträger des Praemium Imperiale bekanntgegeben. Mit der hochdotierten Auszeichnung, die auch als „Nobelpreis der Künste“ gilt, werden in diesem Jahr der ghanaische Bildhauer El Anatsui, der Tänzer und Choreograf Mikhail Baryshnikov, der spanische Architekt Rafael Moneo, der senegalesische Musiker Youssou N’Dour und die aus dem Iran stammende Foto- und Videokünstlerin Shirin Neshat geehrt. Neben den Preisträgern in den fünf Hauptsparten „Malerei“, „Skulptur“, „Architektur“, „Musik“ und „Theater/Film“ verlieh die Japan Art Association den Nachwuchspreis für junge Künstler an die „Zoukak Theatre Company and Cultural Association“ aus dem Libanon bekannt.

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts und internationaler Berater der Japan Art Association, würdigte die Preisträger für ihr einzigartiges Lebenswerk, das neben der internationalen Wirkung auf Kunst und Kultur auch von gesellschaftlicher Relevanz sei: „Die ausgewählten Künstler überzeugen mit ihrer von Individualität und hohem Schaffensdrang geprägten Arbeit, aber auch mit deren grenzüberschreitender Bedeutung. Mit ihren Werken treten sie in einen intensiven Dialog mit und über Menschen und Gesellschaften rund um den Globus – oftmals kontrovers und anspruchsvoll, immer kreativ und facettenreich. Sie geben Impulse, fordern Emotionen und Diskussionen heraus.“ 2017 sei eine besondere Preisträger-Konstellation, denn mit zwei afrikanischen Künstlern werde die eigenständige Kunstentwicklung jenseits der westlichen Klischeevorstellungen prominent ausgezeichnet, so Lehmann weiter.

Der Praemium Imperiale blicke mit seinen Preisträgern 2017 nicht nur auf die ästhetischen Kategorien, sondern auch auf das gesellschaftspolitische Umfeld künstlerischen Schaffens mit zentralen aktuellen Elementen wie Exil, Migration, Identität, Repression. Lehmann fuhr fort: „Die Iranerin Shirin Neshat kämpft gegen Ungleichbehandlung und Unterdrückung der Menschen und für Emanzipation. Als Honorarprofessorin der Universität der Künste, durch ihre Ausstellung im Hamburger Bahnhof 2005 und ihre Berlinale-Jurymitgliedschaft von 2013 ist sie ebenso mit Berlin verbunden wie der große spanische Architekt Rafael Moneo, der sich in der Verbindung von historischer Substanz und moderner Architektursprache mit seinen Berliner Bauten mehrfach auf Karl Friedrich Schinkel beruft. Er betont die soziale Verantwortung der Architektur und die Bedeutung einer humanen Stadtentwicklung.“

Shirin Neshat ist eine in New York ansässige Künstlerin aus dem Iran, die mit visuellen Medien wie Fotografie, Videoinstallation und Film arbeitet. In ihrem Werk beschäftigt sie sich vor allem mit dem Leben muslimischer Frauen in diktatorischen Regimen, evoziert deren Psyche, Gefühlswelten und politische Anschauungen. El Anatsui gestaltet Werke aus Holz, Ton, Metall und Recyclingprodukten. Monumental und zugleich zart scheinen sich seine Arbeiten ein eigenes Genre zwischen Malerei und Installation zu schaffen. Das Zerstören und Wiederzusammensetzen von alltäglichen Objekten stellt ebenso ein Muster seiner Arbeit dar wie der Fokus auf Materialität und Symbolik.

Rafael Moneo ist weltweit bekannt für die Klarheit und Eleganz seiner Bauwerke. Dass sie sich harmonisch in ihre Umgebung einpassen, ist eines seiner hauptsächlichen Anliegen – die Wahl des besten Baumaterials für den jeweiligen Ort und seine Geschichte hat für ihn stets Priorität. Dank der Vielfalt seiner Ideen und Ausdrucksmöglichkeiten gilt Moneo auch als „Meister des Pluralismus“. Die Musik des Sängers und Komponisten Youssou N’Dour ist gekennzeichnet durch den unverwechselbaren Klang seiner reinen, fast schwebenden Stimme und den von ihm kreierten Sound „Mbalax“, einem senegalesisch geprägten Pop-Funk. Er ist international tätig und genießt in seiner Heimat auch aufgrund seines sozialen und gesellschaftspolitischen Engagements Kultstatus. So begleitete er 2012 und 2013 das Amt des Ministers für Kultur und Tourismus.

Mikhail Baryshnikov, gebürtiger Lette und US-amerikanischer Staatsbürger, gilt als eine Ikone des klassischen und modernen Tanzes, der sein Publikum seit Jahrzehnten mit vollendeter Technik, Körperbeherrschung und hoher emotionaler Ausdruckskraft fasziniert hat. Erfolgreich auch als Choreograf sowie als Bühnen- und Filmschauspieler ist er weltweit bekannt. Das Theaterkollektiv „Zoukak“ hat seinen Hauptsitz in Beirut. Es befasst sich mit den Auswirkungen von Krieg, Gewalt und Migration auf die Gesellschaft, auf Gruppierungen und Minderheiten und unterstützt diese darin, mit kreativen Techniken neue Ausdrucksmöglichkeiten und Lösungen für ihre Lebensgestaltung zu finden. Es erhält den mit 5 Millionen Yen, derzeit rund 38.500 Euro, dotierten „Grant for Young Artists“.

Der Praemium Imperiale wird jährlich an fünf Personen verliehen, deren „Arbeiten einen außergewöhnlichen Beitrag zur Entwicklung der Kultur leisten und deren künstlerisches Schaffen die Welt in besonderem Maße bereichert“. Geehrt werden Lebenswerk, außergewöhnliches Talent, künstlerische Kraft und internationale Bedeutung. Der Preis ist mit jeweils 15 Millionen Yen, derzeit rund 115.000 Euro, ausgestattet.


13.09.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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