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Fritz von Uhde bleibt in Wiesbaden

Fritz von Uhde, Gang nach Bethlehem, 1890

Im vergangenen Jahr hat das Museum Wiesbaden Fritz von Uhdes „Gang nach Bethlehem“ an die Erben von Rudolf Mosse restituiert. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung sowie der Hessischen Kulturstiftung gelang nun der Rückkauf des sakralen Historiengemäldes im profanen Gewand. Uhdes frühwinterliche Szene mit einem einsamen jungen Paar auf einer Dorfstraße reiht nun zwischen Gemälden von Wilhelm Leibl, Franz von Lenbach, Adolph von Menzel, Max Liebermann und weiteren Zeitgenossen des Malers ein.

Fritz von Uhde wählte 1890 für sein weihnachtliches Sujet bewusst keine sakrale Überhöhung. Vielmehr verlegte er wie sonst auch die biblische Erzählung in die Gegenwart seiner Zeit und aktualisierte damit die Frohe Botschaft. In seinem, im realistischen Gestus gemalten „Gang nach Bethlehem“ führt er ein ärmlich gekleidetes Paar durch die Landschaft des Dachauer Mooses. In feiner Lasur aufgetragen, verschleiern weiße Nebelschwaden das Ende des gefrorenen Weges. Seiner Frau zugewandt, umfängt der Mann sie stützend mit seiner rechten Hand, seinen eigenen Gang sichert ein Gehstock in der linken. Durch die Unwirtlichkeit der kargen Winterlandschaft bewegen sie sich auf die vor ihnen liegende Häuserreihe zu, wo kleine, orangefarben leuchtende Lichter warmen Unterschlupf verheißen. Lediglich die geschulterte Säge als Attribut des Zimmermanns Josef zeichnet die beiden als biblisches Personal aus.

Dass Fritz von Uhde biblische Figuren zu seinen Zeitgenossen machte und das Geschehen vergegenwärtigte, brachte ihm zunächst mehr Rüge als Ruhm ein. Als „Anarchistenfraß“ verunglimpfte Kaiser Wilhelm II. das monumentale „Erste Abendmahl“ von 1886, an dessen Tafel der Künstler den Komponisten Anton Bruckner zwischen den Jüngern platzierte. Die erste Version des „Gangs nach Bethlehem“ fand nur unter dem neutralen Titel „Der schwere Gang“ 1890 Eingang in die Königliche Neue Pinakothek in München. So bewahrheiteten sich Uhdes Bedenken, sein Werk würde „dem bornierten allgemeinen Geschmack… wenig zusagen“.

War auch die wilhelminische Gesellschaft noch nicht vollends bereit für Uhdes Kunstauffassung, so zeigte sich der Berliner Sammler Rudolf Mosse (1843-1920) sehr empfänglich. Der Verleger und Kunstmäzen gab dem Mitbegründer und späteren Präsidenten der Münchener Secession noch im selben Jahr den Auftrag, für seine private Sammlung deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts den „Gang nach Bethlehem“ ein weiteres Mal zu malen. Uhdes Meisterwerk war als Teil der Sammlung ab 1910 regelmäßig der Öffentlichkeit im sogenannten „Mosseum“ zugänglich, dem neobarocken Stadtpalais am Leipziger Platz im Herzen Berlins. Nach dem Tod Mosses 1920 ging neben seinem Berliner Verlagsimperium auch die Kunstsammlung an seine Tochter Felicia (1888-1972) und ihren Ehemann Hans Lachmann-Mosse (1885-1944) über.

Bis zum Ende der Weimarer Republik kämpfte die Verlegerfamilie mit ihrem publizistischen Flaggschiff, dem seit 1871 erschienenen linksliberalen „Berliner Tageblatt“, gegen zunehmende antisemitische und antidemokratische Strömungen. Doch kurz nach der Machtübernahme liquidierten die Nationalsozialisten die durch die Weltwirtschaftskrise stark angeschlagene Handelsgesellschaft und zwangen die als Juden verfolgten Nachkommen Mosses ins Exil. Die kostbare Kunstsammlung gelangte unter die Kontrolle des Regimes. Am 29. und 30. Mai 1934 wurde sie dann im Berliner Auktionshaus Rudolph Lepke zerschlagen. Den Zuschlag für den „Gang nach Bethlehem“ erhielt bei 7.700 Reichsmark ein Käufer namens Carl Braunstein. Aus der Sammlung Friedrich und Rosa Klein gelangte das Gemälde über vierzig Jahre später mit 14 weiteren Werken als Stiftung in das Museum Wiesbaden.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Fritz von Uhde, Gang nach Bethlehem, 1890
Fritz von Uhde, Gang nach Bethlehem, 1890

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Fritz von Uhde








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