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Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt in einer sehenswerten Retrospektive die Lightboxes des kanadischen Konzeptkünstlers Rodney Graham

In der Rolle der anderen



Rodney Graham, Canadian Humorist, 2012

Rodney Graham, Canadian Humorist, 2012

Ein gepiesackter Städter in einer Spelunke irgendwo im Wilden Westen, der von angetrunkenen, herumballernden Cowboys zum unfreiwilligen Tanz gezwungen wird. Ein einsamer Leuchtturmwärter, der seine Füße am Backofen wärmt und sich offenbar die Zeit damit vertreibt, in seiner kleinen Kammer ein Modell seines Leuchtturms zu bauen. Ein Professor der Medienwissenschaft im 1970er-Jahre-Outfit, der betont lässig auf der Tischkante sitzt und gerade mit der Zigarette in der Hand zu einem längeren Vortrag ausholt. Die schlecht gewischte Tafel im mit altmodischer Technik vollgestopften Seminarraum deutet eher auf Laissez-faire als auf Kompetenz hin. Dies sind nur drei Beispiele für die in aufwendigen Leuchtkästen präsentierten Großfotografien des kanadischen Konzeptkünstlers Rodney Graham. Sie sind Teil einer Retrospektive seiner Lightboxes, die jetzt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden vorstellt. Auf vier Ebenen werden 22 kleinere und große, teils in Form von Triptychen gehaltene Leuchtkästen Grahams gezeigt, die zwischen den Jahren 2000 und 2017 entstanden sind.


Der bekannte Vertreter der konzeptuellen „Vancouver School“, der auch seine Freunde und Kollegen Jeff Wall und Stan Douglas angehören, stellt die Protagonisten seiner nostalgisch aufgeladenen, dabei ebenso humorvollen wie leicht melancholischen Bilderzählungen stets selbst dar. Der 1949 geborene Graham schlüpft dabei in die verschiedensten Rollen. Oft sind es etwas tragische Gestalten in einsamen Momenten der Reflexion: Der Sous-Chef mit Kochmütze, der während einer Zigarettenpause an eine Birke gelehnt müde auf dem Boden sitzt. Der in die Jahre gekommene Jazz-Schlagzeuger, der während des „Dinner Breaks“ sein opulentes „Salisbury Steak“ auf seiner Trommel serviert bekommt und Messer und Gabel so hält, als seien es seine Drum Sticks. Oder der „Canadian Humorist“, ein gealterter TV-Entertainer im karierten Jackett, der noch an die alten Ideale einer das Publikum belehrenden Fernsehunterhaltung glaubt. Für viele der dargestellten Helden und Antihelden bei Rodney Graham gibt es konkrete Vorbilder. So spielt er hier auf den kanadischen TV-Unterhalter Pierre Berton an.

Ein Meisterwerk der Leuchtkasten-Serie ist die 2007 entstandene Fotografie „The Gifted Amateur“. Ein etwas älterer Junggeselle im blauen Schlafanzug hat in seinem stilvollen, modernistisch eingerichteten Wohnzimmer den Boden mit Zeitungspapier ausgelegt. In Anspielung auf den US-amerikanischen Action Painter Morris Louis, lässt er aus Tupperdosen in lässiger Pose Farbe über eine Leinwand laufen. So entsteht ganz beiläufig das abstrakte Kunstwerk eines beschränkt begabten, aber offenbar vermögenden Hobbymalers, der es trotz Midlife-Crisis nicht nötig hat, sich den Mechanismen des Kunstmarktes zu unterziehen. Hier wie in vielen anderen Arbeiten thematisiert Rodney Graham die Rolle des Künstlers als Individuum in einer von Saturiertheit geprägten Gesellschaft.

Die Liebe zum Detail und das Arrangieren anspielungsreicher Requisiten, die häufig als kunsthistorische, literarische oder filmische Zitate fungieren, bestimmen die Arbeitsweise Rodney Grahams. Er konstruiert mit Hilfe seines Teams raumgreifende, bühnenbildartige Settings für eine einzige, auf den Punkt genau inszenierte Aufnahme. Während er früher noch mit einer Großbildkamera gearbeitet hat, benutzt er heute eine Digitalkamera. Das endgültige Bild entsteht aus vielen Einzelaufnahmen, die am Computer zusammengesetzt werden.

Besonders liebevoll komponiert ist die Fotografie „Antiquarian Sleeping in His Shop“ von 2017, eine der neuesten Arbeiten der Ausstellung. Sie präsentiert einen älteren Antiquitätenhändler inmitten seines detailreich ausgestatteten Geschäfts, der nach Geschäftsschluss bei der Lektüre eines Buches, eingeschlafen ist. Rodney Graham hat für diese Aufnahme einige Antiquitätenläden in Vancouver besucht und dort prägnante Objekte erworben, mit denen er mit sicherer Hand das Setting für das Foto ausgestattet hat.

Rodney Grahams Biografie ist nicht unbedingt typisch für einen bildenden Künstler. Er wird 1949 in Abbotsford, einer Kleinstadt der Provinz British Columbia in Kanada, geboren. Seine Zeit an der Highschool beendet er in Vancouver, wohin er 1964 mit seiner Familie zieht. Nach ersten Studien in verschiedenen geisteswissenschaftlichen Fächern an der Universität in Vancouver lernt er Jeff Wall kennen, der sein Mentor wird. Er reist nach Rom, wird kurz darauf Mitglied einer erfolgreichen New Wave-Rockband, beginnt ein Kunstgeschichtsstudium und geht zunehmend mit seinen eigenen Arbeiten als bildender Künstler an die Öffentlichkeit.

1987 nimmt Rodney Graham an den Skulptur Projekten in Münster teil, 1992 an der Documenta in Kassel. 1997 vertritt er Kanada auf der Biennale in Venedig mit der Arbeit „Vexation Island“. Er bereist immer wieder Europa und lebt im Jahr 2001 als DAAD-Stipendiat in Berlin und München. Heute wohnt Rodney Graham in Vancouver. Er arbeitet in den verschiedenen Medien wie Film, Fotografie, Installation, Performance, Malerei, Literatur und Musik. Sein Werk ist gespickt mit Zitaten, Querverweisen und Anspielungen, die es zu entdecken gilt und deren Entschlüsselung zum tieferen Verständnis der einzelnen Arbeiten beitragen. Im lesenswerten Katalog zur Ausstellung gibt Rodney Graham selbst viele Hinweise dazu.

„Immer stehen die mannigfaltigen Selbstinszenierungen Grahams im Zentrum“, sagt Patricia Kamp, die Kuratorin der sehenswerten Schau. „Immer wirkt er wie ein melancholischer Zeitreisender, ein moderner Buster Keaton, der sich in verschiedenen Verkleidungen durch die Irrungen und Wirrungen moderner Kultur bewegt und dabei in die Rolle von Produzenten, Zuschauern oder Vermittlern schlüpft.“ Die Konzentration auf die Lightboxes ermöglicht dem Besucher, das facettenreiche Rollenspiel des Rodney Graham mit all seinen Kostümen, Haar- und Barttrachten, Accessoires und Gesten genau zu studieren. Künstlich überhöht und doch lebensecht, genau analysiert und gekonnt nachgestellt: Rodney Grahams elegant in Leuchtkästen präsentierte Fotografien sind kleine, entlarvende, jedoch nie böse oder zynische Erzählungen in den unterschiedlichsten Milieus heutiger und vergangener Zeiten.

Die Ausstellung „Rodney Graham: Lightboxes“ ist bis zum 26. November zu sehen. Das Museum Frieder Burda hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 11 Euro, für Schüler ab neun Jahren 5 Euro, darunter ist er frei. Der Katalog aus dem Kehrer Verlag kostet im Museum 36 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.

Kontakt:

Museum Frieder Burda

Lichtentaler Allee 8b

DE-76530 Baden-Baden

Telefon:+49 (07221) 398 980

Telefax:+49 (07221) 398 98 30

E-Mail: office@museum-frieder-burda.de



08.09.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Rodney Graham, Paradoxical Western Scene, 2006
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in der Ausstellung „Rodney Graham: Lightboxes“
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in der Ausstellung „Rodney Graham: Lightboxes“
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in der Ausstellung „Rodney Graham: Lightboxes“
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Rodney Graham, Paradoxical Western Scene, 2006

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in der Ausstellung „Rodney Graham: Lightboxes“

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Rodney Graham, Newspaper Man, 2016

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Rodney Graham, Media Studies, 77, 2016

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Rodney Graham, Lighthouse Keeper with Lighthouse Model, 1955, 2010

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Rodney Graham, Dinner Break (Salisbury Steak), 2017

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Rodney Graham, Antiquarian Sleeping in his Shop, 2017

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Rodney Graham, Sunday Sun 1937, 2012

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