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Das Motiv der Schweizer Tracht in Solothurn

Cuno Amiet, Richesse du soir, 1899

Die Schau „Die Pracht der Tracht“ im Kunstmuseum Solothurn wendet sich dem Motiv der Tracht in der Schweizer Kunst zu. Neben den Arbeiten auf Papier, der Malerei und Skulptur seit dem späten 18. Jahrhundert sind auch Exponate der Fotografie, Plakatkunst und Werbung zu sehen. Ein kleiner Teil der Ausstellung präsentiert Einzelteile der Trachten wie Hauben oder Schmuck. Laut den Kuratoren Marcel Just und Christoph Vögele geht es bei den rund 200 Exponaten „weniger um das Vergleichen von Vorlage und künstlerischem Abbild als vielmehr um das Aufzeigen einer eigenen Qualität“. Oftmals habe die kunsthandwerkliche Akribie die spezifische Handschrift der Malerei inspiriert. Ein Trachten-Sampler stellt Ausschnitte aus Filmen vom späten 19. Jahrhundert über Franz Schnyders Gotthelf-Verfilmungen der 1950er Jahre bis hin zu Daniel Schmids „Beresina oder die letzten Tage der Schweiz“ von 1999 vor. Ferner fragt die Ausstellung nach den gesellschaftlichen und historischen Gründen des wechselnden Auftretens der Tracht.

In der Schweizer Malerei bildet die Tracht um 1900 ein beliebtes Motiv, so etwa bei Cuno Amiets noch vom Jugendstil beeinflussten Ölgemälde „Richesse du soir“ von 1899. Die Häufung der Tracht als Bildmotiv ist oftmals mit nationalen Tendenzen verbunden. Der so genannte „Landi-Geist“ etwa bezieht sich auf die Landesausstellung 1939 in Zürich. Vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Deutschland appellierte die Schau an die Selbständigkeit der Schweiz und die „geistige Landesverteidigung“ mit traditionell und regional geprägten Bildern wie der Tracht. Ein früheres Beispiel ist etwa Ludwig Vogels (1788-1879) undatiertes Aquarell „Deutsch-Freiburger Tracht, Wirtstochter aus Pfaffeien“: Das kniende Mädchen trägt ein schwarz-rotes Gewand mit gelben Streifen und grünen, in die Zöpfe geflochtenen Bändern.

Neben Portraits geben Genreszenen einen Einblick in das ländliche Leben, so das lustige, ausgelassene und farbenfrohe Treiben in Gottlieb Emil Rittmeyers „Stubete auf Alb Sol“ von 1865, das ein Treffen von Volksmusikanten vor einer Bergkette thematisiert. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg zogen viele Maler aufs Land und schlossen sich zu Kolonien zusammen. Der Jugendstil erkennt in den Trachten das Element des Dekorativen, so etwa bei Ernest Biélers „Le petit cheval rouge“ von 1909. Das rote Spielzeugpferd ist beinahe in der Hand der Mutter versteckt, während das bunte Kinderkleid, die bestickte Haube und das nüchterne braune Muster der Tracht der jungen Mutter das Bild beherrschen. Ein Beispiel aus der jüngeren Kunst ist Anka Schmids Installation „Hierig-Heutig“ von 2008.

Die Ausstellung „Die Pracht der Tracht. Schweizer Trachten in Kunst und Kunstgewerbe“ läuft bis zum 7. Januar 2018. Das Kunstmuseum Solothurn hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr und am Wochenende von ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei; um eine Spende wird gebeten. Begleitend erscheint ein Katalog für 49 Schweizer Franken.

Kunstmuseum Solothurn
Werkhofstraße 30
CH-4500 Solothurn

Telefon: +41 (0)32 – 624 40 00
Telefon: +41 (0)32 – 622 50 01


04.09.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Cuno Amiet, Richesse du soir, 1899
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Gottlieb Emil Rittmeyer, Stubete auf Alp Sol, 1865
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