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Die Sibylle in Rüsselsheim

Eigentlich ist es ein Phänomen der DDR. Doch nun widmen sich auch die Opelvillen in Rüsselsheim der Modezeitschrift „Sibylle“ und präsentieren die Fotografen des Blattes für Mode und Kultur aus dem ehemaligen Osten Deutschlands. Zu sehen sind über 200 Werke, die die Entwicklungsphasen der ostdeutschen Modefotografie aufzeigen. In ihr floss der dokumentarische Stil der sozial engagierten Fotografen ein, die die Wirklichkeit aus einer dem Menschen zugewandten Perspektive zeigen wollten. Die Frauenzeitschrift „Sibylle“ war in der DDR sehr beliebt und gesucht. Sie erschien erstmals 1956 und wurde sechsmal im Jahr in einer Auflage von nur 200.000 Exemplaren gedruckt. Obwohl sie sich vorwiegend der Mode widmete, schloss sie im Untertitel „Zeitschrift für Mode und Kultur“ ein Gebiet ein, das in den Augen des Herausgebers, des Modeinstituts Berlin, als gleichrangig galt.

Die Gründerin und Namensgeberin dieser auch als „Ost-Vogue“ bezeichneten Publikation war die im Dezember 2016 verstorbene Sibylle Boden-Gerstner. Sie holte zunächst Arno Fischer, Günter Rössler, Elisabeth Meinke und Roger Melis als Fotografen an Bord. Ende der 1960er Jahre kamen Michael Weidt und Sibylle Bergemann hinzu. In den 1970er Jahren folgten Wolfgang Wandelt, Rudolf Schäfer, Ute Mahler, Werner Mahler und in den 1980er Jahren Ulrich Wüst, Hans Praefke und Sven Marquardt. Die Modefotografien waren anspruchsvoll, was darin lag, dass Fotografen und Designer die Macher der Zeitschrift waren. Neben Artikeln zur Mode und der zentralen Rolle der Fotografie bereicherten auch Beiträge zur Kunst, Architektur und Gesundheit die Hefte.

Die Fotografen suchten neue Wege, dachten gesellschaftsbezogen und waren zunächst der Utopie eines gesellschaftlichen Neubeginns erlegen. Orte, wie die Industriestadt Bitterfeld, wurden nicht von der Redaktion vorgeben, sondern frei gewählt. Ziel war es, die normale Frau bei der Arbeit, auf der Straße und im Alltag anzusprechen. Die Frau sollte klug und natürlich sein und nicht länger mondän und damenhaft. Alltagsszenen, die auf der Straße beobachtet werden konnten, übten auf die Modefotografen der Anfangsjahre einen großen Reiz aus. Als die Diskrepanz zwischen sozialistischem Ideal und gesellschaftlicher Wirklichkeit immer offener zu Tage trat, fanden vor allem die jüngeren Fotografen in ihrer Aussage kompromisslosere Bilder. So verbreitete etwa der junge Punk Sven Marquardt mit der düsteren Ausstrahlung seiner Fotos eine Art Endzeitstimmung. Anfang 1995 wurde die „Sibylle“ eingestellt.

Die Ausstellung „Sibylle – Die Fotografen“ ist bis zum 26. November zu sehen. Außer montags und dienstags haben die Opelvillen täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen nichts. Der Katalog kostet 39,80 Euro.

Stiftung Opelvillen
Ludwig-Dörfler-Allee 9
D-65428 Rüsselsheim

Telefon: +49 (0)6142 – 83 59 07
Telefax: +49 (0)6142 – 83 60 14

Quelle: Kunstmark.com/Ulrich Raphael Firsching

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