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Erstmals präsentiert die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel mit einer Werkübersicht zu Wolfgang Tillmans eine Fotografieschau

Entdeckungen im angstfreien Spiel



in der Ausstellung „Wolfgang Tillmans“

in der Ausstellung „Wolfgang Tillmans“

Kaum hat der Besucher den ersten Oberlichtsaal der Fondation Beyeler betreten, bieten sich ihm Blicke nach draußen. Weit geöffnete Sprossenfenster rahmen und reflektieren zugleich einen fülligen alten Laubbaum. Nicht weit entfernt vor dem Haus entfaltet er in der gleißenden Sonne ein Spiel aus vielen Grünabstufungen, Schattenwürfen und hell blitzenden Lichtzonen. Das Fenster und der Ausblick, ein Lieblingsthema der modernen Maler seit Henri Matisse, hat auch den Fotografen Wolfgang Tillmans zu stilllebenartigen Sujets animiert. Seine Bilder schweifen zwischen Nähe und Distanz und wecken mit ihren gestalterischen Reizen Neugierde, ohne sich dabei anzubiedern. Genau dies bietet der kontemplative Ort seiner aktuellen Werksübersicht: „Ein Weltmuseum in einem Dorf mit Blick auf ein Weizenfeld – das habe ich auch noch nie erlebt“, begann Tillmans sein Statement auf der Pressekonferenz zur Ausstellung in der Fondation Beyeler bei Basel.


Deutlich sind auch sonst Tillmans’ Bezugnahmen auf Entwicklungen der Kunstgeschichte. Allen voran gilt dies beim Titelmotiv der Schau. Ähnlich wie der Manierist Giuseppe Arcimboldo im 16. Jahrhundert, der groteske Köpfe aus Früchten, Blumen oder Tieren zusammensetzte, hat Tillmans ein Haupt mit Kieselsteinen belegt. Ein weiteres Foto stellt das antike Motiv des „Dornausziehers“ nach. Das künstlerische Anliegen des 1968 in Remscheid geborenen Fotografen erstreckt sich jedoch auf tiefer liegende Ebenen. Spielerisch, mit neugierigem angstfreiem Blick hält er Ausschau nach Außergewöhnlichem im Alltäglichen. „Was in der Welt ist, das Auge tut und die Optik macht, ist so interessant, dass man nichts hinzufügen muss“, beschreibt Tillmans sein Credo. Seine Art des Malens geschieht dann aber durch kontrolliertes Manipulieren in der Dunkelkammer, wo er mit verschiedenen Lichtquellen und Methoden auf Fotopapier „zeichnet“. In dieser „unklassischen Fotografie“ verwandelt er gewöhnliche Dinge aus seiner Umgebung in etwas Aufsehenerregendes.

Wie konnte es dazu kommen? Schlüsselerlebnis für das weitere Schaffen des anfänglichen Malers und Zeichners waren Vergrößerungen in einem Kopiershop seiner Heimatstadt. Immer größere Ausschnitte produzierten Kunst auf Knopfdruck: Störeffekte wie seltsame Linien, Lichteffekte wie unklare Schattierungen erzeugten neue Realitäten. Sie öffneten Wolfgang Tillmans Ende der 1980er Jahre den Weg zur Kamera. Als Zivildienstleistender in Hamburg, dann als Student in Bournemouth und Bürger Londons tauchte er in die Protestszene und Subkultur ein. Es war ein Leben im Aufbruch, das unbeschwert und ohne Statusfragen den Freiheitsdrang der Zeit folgte. Bewusst setzte Tillmans die Kamera als künstlerisches Medium ein und wurde mit Bildern von Freunden und Liebenden rasch bekannt und geschätzt. Daneben entstanden Stillleben von verlassenen Partyräumen oder Nahaufnahmen von Stoffen. Vermeintlich abstrakte Bilder tauchten auf, denen eine starke, unmittelbare Präsenz zu eigen ist. Technisch kam er nun in die Lage, seine Colorprints selbst zu entwickeln.

Die Ausstellung in der Fondation Beyeler versammelt die rund 200 fotografischen Arbeiten von 1986 bis 2017 nicht chronologisch, sondern in einer für Tillmans’ spezifischen Präsentationsart. Große und kleine, figürliche und abstrakte, ungerahmte oder als Drucke direkt an die Wand gehängte Werke verteilen sich in unterschiedlichen Höhen lose an den Wänden. Damit evozieren sie vielfältige, mehrdeutige und offene Beziehungen. Porträts, Aktdarstellungen, Stillleben und Landschaftsbilder entfalten ein ausgedehntes Panorama unterschiedlicher gesellschaftlicher Lebenswirklichkeiten.

Bildnisse versteht er nicht als zeitgebundene Werke. Wolfgang Tillmans begreift das Porträtieren nicht nur als künstlerischen Akt, sondern auch als Austausch mit der Person, die er als eigenständiges Wesen vorstellen möchte. Meist handelt es sich um Menschen aus seinem Umfeld, für die er Gefühle hegt. Diese fließen in das Bild mit hinein, allerdings ohne künstlerische Verbesserungsmethoden wie Lichteinwirkungen oder Kulissen. Einige Fotos pendeln zwischen Menschen und ihrer Umgebung oder lösen sich quasi im Nebel auf. Linien, Flächen, Schlieren lassen Formen bis an die Grenze der Erkennbarkeit verschwinden und bieten viele unterschiedliche Interpretationsansätze.

Wie roter Blütenstaub oder ein Funkenregen fallen Pigmente im „Icestorm“ aus dem Jahr 2001 auf die Buschlandschaft. „Leaf for Architects“ von 2013 lässt vorder- und rückseitig die Rippenstruktur von Seerosenblättern im braunem Wasser unter einem exotischen Sonnenschirm vor einer nur leicht angedeuteten Brüstung erkennen, eigentlich nebensächliche Realitäten, die man sonst kaum zur Kenntnis nimmt. Wie der Betrachter dabei partiell auch genarrt wird, zeigt die 2007 geschaffene Arbeit „Die Schwärze“. Ähnlich eines Bumerangs schiebt sich ein Gletscher ins Bild und umschlingt ein seltsam anmutendes Bergmassiv. Doch in Umkehr der Größenverhältnisse implantierte Tillmans hier einen Backenzahn. Vorlieben hegt er schon lange für die Astronomie und deren kosmische Himmelsmechanik, die sich stark an der Grenze zum Sichtbaren bewegen. Gerade diese Grenzen zwischen den Dingen, die Grauzonen des Nichtwissens und Erkennens bereiten ihm großes Vergnügen.

Seit 2009 nutzt Wolfgang Tillmans digitale Kameras, 2011 hat er die analoge Bilderstellung vollends zur Seite gelegt. Dieses neue Instrument erlaubt ihm ein breiteres Spektrum an bildnerischen Möglichkeiten. So ist es auch nur mit digitaler Technik möglich, ein Fernsehbild ohne schwarze Balken festzuhalten. „Weak Signal“, ein mehrere Meter langer und hoher Inkjet-Print, zeigt nichts, nur das elektromagnetische Rauschen eines analogen Fernsehbildes in der Form dunkler Verdichtungen schwacher Signale. Von weitem scheint der Abzug schwarz-weiß. Doch erweist er sich als unvermutet farbig, wenn man dicht davor steht. „Es ist alles eine Frage des Blickes, des offenen, angstfreien Blickes“, kommentiert Tillmans sein Schaffen. Mehr zu sehen und bildhaft zu machen, ist seine Strategie, die der komplexen, vieldeutigen Welt ein Antlitz verleiht.

Die Ausstellung „Wolfgang Tillmans“ ist noch bis zum 1. Oktober zu sehen. Die Fondation Beyeler hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 25 Franken, ermäßigt 12 Franken. Für alle Personen bis 25 Jahre ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog kostet 62,50 Franken.

Kontakt:

Fondation Beyeler

Baselstrasse 101

CH-4125 Riehen

Telefax:+41 (061) 64 59 719

Telefon:+41 (061) 64 59 700

E-Mail: fondation@beyeler.com



31.08.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Wolfgang Tillmans, Nite Queen, 2013

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Wolfgang Tillmans, Icestorm, 2001

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