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Jean Fautrier in Winterthur

Jean Fautrier, Tête d’otage no. 20, 1944

In seiner aktuellen Schau richtet das Kunstmuseum Winterthur seinen Fokus auf Jean Fautrier. Das Schweizer Haus hat dazu die eigene Sammlung der Zeichnungen und Gemälde des 1898 in Paris geborenen Malers und Bildhauers mit weiteren Exponaten aus Museen und privater Hand ergänzt, so dass 80 Gemälde und 20 Skulpturen zu sehen sind. Fautriers kleines plastisches Œuvre, dem er sich um 1928 und abermals um 1940 zuwandte, ist noch wenig bekannt und wird hier beinahe vollständig präsentiert.

Jean Fautrier beginnt seine künstlerische Karriere in den 1920er Jahren. Er orientiert sich an der expressiven, realistischen Malerei Nordfrankreichs und Flanderns. In dieser Zeit malt er Akte und Stillleben auf schwarzem Grund, wobei er die Konturen in das Bild kratzt, wie in der um 1927 angefertigten „Nature morte aux poires“. Das beinahe monoton grau-schwarze Werk präsentiert drei leuchtend grüne Birnen, die auf einer Art luftig weichem Kissen liegen. In der Folge sollte sich die Linienführung immer mehr vom Gegenstand lösen und zu einem Kennzeichen seines Werkes entwickeln. Ende der 1920er Jahre erarbeitet sich Fautrier eine eigene Form der Abstraktion, die sich aus der malerischen Geste und der Materialität der Farbe nährt.

Aufgrund der Wirtschaftskrise brechen die Verkäufe von Fautriers Werken ein, die von 1923 bis 1933 der Pariser Kunsthändler Paul Guillaume übernimmt. Nun zieht der Künstler in die Alpen, wo er fünf Jahre lang als Skilehrer und als Hotelier arbeitet. 1940 kehrt er nach Paris zurück. In der von den Nationalsozialisten besetzten Hauptstadt gerät der Künstler kurz in Gefangenschaft, aus der ihm 1943 die Flucht in die nahe Paris gelegene Ortschaft Châtenay-Malabry gelingt. Dort entsteht die Gruppe der „Otages“, die Fautrier 1945 berühmt machen. Diese als „Geiseln“ betitelte Gemäldeserie präsentiert gequälte Figuren, deren Gesichter sich in der Materie auflösen. Sie bilden den Anfang der abstrakten und durch gestischen Farbauftrag charakterisierten informellen Malerei.

In der „Tête d’otage no. 20“ von 1943 formt Jean Fautrier die unregelmäßige schwarz-rote Kontur eines menschlichen Kopfes. Mittig breitet sich eine kleine mit Spachtel bearbeitete weiße pastose Farbschicht aus. Über diese zieht sich das blutrote Profil einer Nase und eines leicht geöffneten Mundes. Finanzielle Umstände erzwingen eine weitere Schaffenspause, die Jean Fautrier erst 1955 zur Malerei zurückkehren lässt. Die Motive sind alltägliche Objekte, erotische Obsessionen und die durch den Aufstand der Ungarn angeregten „Têtes de partisan“. 1959 nimmt er an der Documenta in Kassel teil und wird ein Jahr später mit dem Großen Preis der Biennale in Venedig geehrt. 1964 stirbt Jean Fautrier in Châtenay-Malabry.

Die Ausstellung „Jean Fautrier“ läuft bis zum 12. November. Das Kunstmuseum Winterthur hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Franken, ermäßigt 12 Franken. Begleitend zur Schau erscheint ein Katalog für 45 Franken.

Kunstmuseum Winterthur
Museumsstraße 52
CH-8402 Winterthur

Telefon: +41 (0)52 – 267 51 62
Telefax: +41 (0)52 – 267 53 17

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Veranstaltung vom:


26.08.2017, Jean Fautrier

Bei:


Kunstmuseum Winterthur

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Jean Fautrier, Tête d’otage no. 20, 1944
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Jean Fautrier, L’homme qui est malheureux, 1947
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Jean Fautrier, Nature morte aux poires, um 1927
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Jean Fautrier, Paysage violet sur fond gris-bleu, um 1958
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Künstler:


Jean Fautrier








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