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Fernando Bryce und die Kolonialgeschichte Bremens

Die Kunsthalle Bremen widmet sich derzeit ihrer eigenen Geschichte und nimmt vor allem den Imperialismus und Kolonialismus der Hansestadt in den Blick. Dazu hat sie auch den 1965 in Lima geborenen Fernando Bryce eingeladen. Der in New York lebende Künstler übersetzt historische Dokumente in Tuschezeichnungen, die er zu Werkgruppen kombiniert. Diese oft nostalgisch angehauchten schwarzweißen Blätter thematisieren geopolitische Geschehnisse des 19. und 20. Jahrhunderts. In Bremen setzt er sich für die Ausstellung „Unvergessenes Land“ mit der Rolle der Hansestadt während der Kolonialzeit auseinander. Hierfür hat er in Bremer Archiven recherchiert und neue Zeichnungen geschaffen. Bryce blickt dabei auch auf das Bremer Ausstellungs-, Museums- und Denkmalwesen zwischen 1890 und 1932. Es spiegelt die wirtschaftliche und politische Haltung der Stadt zum Kolonialismus, etwa in der prächtigen Gewerbe- und Industrieausstellung von 1890, aus der das Übersee Museum hervorging.

Sein Zyklus „Unvergessenes Land“ untersucht die Konstruktion von Geschichte und ihre mediale Vermittlung, um ideologische Bild- und Machtstrategien offenzulegen. Fernando Bryce vereinheitliche in seinen Zeichnungen das Archivmaterial und löse es damit aus der gängigen Bildhierarchien, so die Kuratorin Anne Buschhoff. Die 23 Zeichnungen des Künstlers, der zwischen 1982 und 1990 Malerei und Skulptur etwa an der Universidad Católica in Lima und an der École des Beaux Arts in Paris studierte, stellen den zehn Meter hohen afrikanischen Elefanten aus rotem Klinker, der hinter dem Bremer Hauptbahnhof steht, ins Zentrum. Das Monument wurde 1932 von neokolonialen Kreisen als Ehrenmal eingeweiht, 1990 wurde es bei einem Namibia-Freiheitsfest in ein Antikolonialismus-Denkmal umgewidmet und ist heute ein Symbol der Bremer Kolonialgeschichte.

Das Thema der Zerstörung von Kulturgut und Kriegspropaganda präsentiert Bryce in der Werkgruppe „To The Civilized World“ von 2014. Der Titel bezieht sich auf ein gleichnamiges Manifest von 1914, das 93 deutsche Intellektuelle aus Wissenschaft und Kunst an der Heimatfront unterzeichneten. Darin negierten sie trotzig den Vorwurf der Gräueltaten im besetzten Belgien. Dieser Abschrift stellt Bryce hundert Zeichnungen gegenüber, die die Zerstörung oder Beschießung von Kulturdenkmälern durch die Deutschen im Ersten Weltkrieg zeigen, etwa die Ruine der Löwener Universitätsbibliothek und den kopflosen Engel aus der Kathedrale von Reims.

Die Ausstellung „Fernando Bryce. Unvergessenes Land“ läuft bis zum 19. November. Die Kunsthalle Bremen hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Begleitend zur Schau erscheint ein Katalog für 10 Euro.

Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
D-28195 Bremen

Telefon: +49 (0)421 – 32 90 80
Telefax: +49 (0)421 – 32 90 84 70

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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01.07.2017, Fernando Bryce

Bei:


Kunsthalle Bremen

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Fernando Bryce








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