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Die Kunst des Zusammenlebens in der Kunsthalle Wien

Allein oder zu zweit



Kader Attia, Reflecting Memory, 2016

Kader Attia, Reflecting Memory, 2016

Soziale Konflikte, Spaltung gesellschaftlicher Gruppen und die Angst vor Bedrohung und Terror sind prägende Elemente unserer Gegenwart geworden. Die globalen Entwicklungen wirken in einer Zeit des Umbruchs auf unser alltägliches Leben und verlangen nach neuen Kategorien des politischen Denkens und Handelns – Probleme, die bereits Roland Barthes, den französischen Philosophen, Schriftsteller und Literaturkritiker, beschäftigten und deren Analyse er sich in seinen 1977 am Collège de France gehaltenen Vorträgen widmete. Ein später unter dem englischen Titel „How to live together“ publiziertes Kompendium, in dem Barthes’ Überlegungen veröffentlicht wurden, stand Pate für die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Wien, in der Direktor Nicolaus Schafhausen grundlegende Gedanken des Philosophen aufgreift.


Eine Form des Zusammenlebens, die individuelle Freiheit nicht ausschließt und die Lebensrhythmen des jeweils anderen anerkennt – das sind zwei der wesentlichen Schlüsse, die Barthes zog, um verträglich und damit erfolgreich zusammenleben zu können. Bereits 2012 veranstaltete der Salzburger Kunstverein eine Ausstellung, die sich unter dem Titel „Wie zusammen leben?“ die Frage nach dem Verhältnis des Eigenen zum Anderen stellte. Welches sind heute die individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen und Potentiale unseres Zusammenlebens, fragt auch Nicolaus Schafhausen und lud rund dreißig Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Generationen ein, um in ihren Werken Antworten auf diese Problematik zu finden. In ihren Arbeiten gehen sie von persönlichen Erfahrungen aus und verweisen vor dem Hintergrund von Asyl, Migration und der Divergenz prekärer und gleichzeitig verschwenderischer, unökonomischer Lebensbedingungen auf die sich verändernden Verhältnisse zwischen Privatem und Politischem, Stillstand und Bewegung, Wirklichkeit und Utopie.

Der weit gespannte Bogen beginnt mit einem Aufruf an die Menschlichkeit, gesprochen von Goshka Macugas frappierend lebensecht aussehendem Androiden („To the Son of Man who Ate the Scroll“, 2016). Der bärtige Roboter zitiert Textpassagen von Martin Luther King, Paul Auster, Hannah Arendt, Friedrich Nietzsche und Charlie Chaplin und appelliert an den Humanismus als Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Miteinander. Gleichzeitig warnt er vor den zerstörerischen Fähigkeiten des Menschen im Sinn des antiken Aphorismus, wonach der wahre Feind des Menschen der Mensch selbst sei.

Relikte einer großen Performance im Berliner Schinkel-Pavillon streut die Künstlergruppe Gelitin durch die Wiener Ausstellung. Das österreichische Künstlerkollektiv verbindet in seiner Kunst Aktionismus mit Installation. Ein wesentlicher Faktor ihrer Produktionen ist das Zusammenspiel mit dem Publikum. Daraus entstehen „materialtransformatorische“ Objekte, Installationen und Aktionen aus gefundenem oder „exklusivem“ Abfallmaterial. Für die Berliner Performance hatte Gelitin zwölf Kunstschaffende eingeladen, die sich teilweise nicht kannten, um gemeinsam zu arbeiten und unter Einbeziehung des Publikums über das Thema Skulptur zu diskutieren. Indem Gelitin die traditionellen Machtverhältnisse von Produzent/innen und Konsument/innen umkehrt, schafft die Künstlergruppe eine „community of participation and experience“ für alle diejenigen, die zum Mitarbeiten oder Verfolgen ihrer Aktionen kommen.

Neben der Dynamik sich verändernder Parameter in Politik und Ökonomie beschäftigt sich „How to Live Together“ vor allem mit den wandelnden sozialen Beziehungen. Von dem englischen Fotograf Paul Graham wird eine Folge großformatiger Farbfotografien gezeigt. Graham hat in den frühen 1980er Jahren, als mehr als zehn Millionen Briten und Britinnen auf die Unterstützung der staatlichen Wohlfahrtsverbände angewiesen waren, den Alltag in Arbeits- und Sozialämtern fotografiert. Seine Serie mit dem Titel „Beyond Caring“ von 1984/85 dokumentiert die heruntergekommenen Wartehallen, die Resignation der Betroffenen und die Tristesse des Wartens, die zur prägenden Erfahrung eines Großteils der Bevölkerung unter der Regierung Margaret Thatchers wurde.

Einen ähnlichen Blick auf die Ränder der Gesellschaft unternimmt auch Herlinde Koelbl. Der Europarat beauftragte die deutsche Künstlerin eine Serie zum Thema Flucht zu fotografieren. Für den Zyklus „Refugees“ reiste Koelbl 2016 zu den Brennpunkten der Flüchtlingskrise an die Küsten Italiens und Griechenlands und besuchte Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland. In ihren Aufnahmen fokussiert Koelbl sowohl auf die Einzelschicksale, aber auch auf die materielle Seite der Flüchtlingsbewegung. Die mit Schwimmwesten übersäten Strände der griechischen Inseln machen deutlich, wie eng menschliches Leid und materieller Profit miteinander verbunden sind.

Auf der gegenüberliegenden Seite ermöglichen die Aufnahmen von Tina Barney Einblicke in die Privatsphäre der US-amerikanischen Upper-Class. Barney, die selbst aus einer wohlhabenden Familie stammt, inszenierte Familienangehörige in ihrem vertrauten Ambiente. „Ich wollte, dass die Betrachter jedes Detail im Bild erkennen und sich dort selbst als anwesend empfinden“. Auf den Spuren ihrer Vorfahren besuchte die Künstlerin auch acht Jahre lang Familien in sechs europäischen Ländern. In ihrer Serie „The Europeans“ portraitiert Barney die gesellschaftlich Privilegierten. Dabei werden Gesten und Posen sichtbar, die diese als Vertreter einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse ausweisen, auch wenn die Codes von Land zu Land verschieden scheinen.

Mit Diskriminierung und dem Zerbrechen des Individuums an fehlender, gesellschaftlicher Anerkennung setzt sich die 1986 in München geborene Künstlerin Cana Bilir-Meier in ihren Audio- und Videoarbeiten auseinander. Stellvertretend für die vergessenen Geschichten von Arbeitsmigranten erzählt sie in ihrer Videoarbeit „Semra Ertan“ von 2013 die Geschichte ihrer Tante, die sich aus Protest gegen Ausländerfeindlichkeit 1982 in Hamburg selbst verbrannte, um ein Zeichnen gegen des herrschenden Rassismus zu setzen.

Realpolitisches Engagement kommt von Wolfgang Tillmans. Seine ursprünglich durch die Brexit-Diskussion motivierte Kampagne, bei der er mittels einer Plakat-und T-Shirt-Serie für den Verbleib Großbritanniens in der EU appellierte, markiert eine Gegenbewegung zu den medial aufgeheizten Polarisierungen. Ende April 2017 sprach sich der Turner-Preisträger, der seit Jahren in Berlin und London lebt, in einem Aufruf auf seiner Webseite gegen den „Horror“ des Rechtsrucks in der EU und der EU-Feindlichkeit aus: „Let’s hope for the best – but hope may not be enough“. Auch wenn Tillmans’ Appelle textlich prägnant formuliert sind, enthalten sie sich einer für politische Werbezwecke sonst gebräuchlichen propagandistisch-aggressiven Diktion. Vielmehr wird mit Statements wie „No man is an island“ oder „No country by itself“ zum Reflektieren über die Vorzüge des politisch-sozialen Miteinanders angeregt. Tillmanns ist einer von zahlreichen britischen Künstlern, der sich wie seine Kollegen Jeremy Deller oder Banksy in laufende politische Debatten einmischt. Plakate an denen jeder vorbeigeht, eignen sich hierfür besonders. In Zeiten von Twitter und Facebook feiern sie nun eine überraschende Renaissance.

Die Ausstellung „How to live together“ ist bis zum 15. Oktober zu sehen. Die Kunsthalle Wien hat täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro bzw. 2 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei.

Kontakt:

Kunsthalle Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 521 891 201

Telefax:+43 (01) 521 891 217

E-Mail: office@kunsthallewien.at



28.08.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Mohamed Bourouissa, Carré rouge, 2005

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Wolfgang Tillmans, Anti-Brexit Campaign, 2016

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Goshka Macuga, To the Son of Man who Ate the Scroll, 2016

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Tina Barney, The Antlers, 2001

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Willem de Rooij, Bouquet V, 2010

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