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Recklinghausen erinnert an Rosemarie Koczÿ

Es ist eine späte Wiederentdeckung: Die Kunsthalle Recklinghausen richtet Rosemarie Koczÿ ab diesem Wochenende eine Ausstellung aus. Dabei ist die 2007 in den USA verstorbene Künstlerin ein Kind der Stadt. Als Tochter jüdischer Eltern am 5. März 1939 in Recklinghausen geboren, wurde Koczÿ 1942 in eine Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau deportiert. Sie überlebte den Holocaust, blieb aber trotz Kriegsende und Befreiung noch bis 1951 in einem Lager für „Displaced Persons“. Als ihre Großeltern sie nach langer Suche ausfindig machen konnten, kehrte sie noch einmal nach Recklinghausen zurück, wuchs aber schließlich in einem katholischen Waisenhaus nahe Münster auf.

1959 ging Rosemarie Koczÿ in die Schweiz und studierte zwei Jahre später an der École des Arts Décoratifs in Genf. Nach Abschluss ihres Studiums 1965 entwarf sie großformatige Tapisserien, zunächst klassisch flach gewebt, später materialhaft aufgeworfen und plastisch gestaltet. 1972 lernte sie Peggy Guggenheim kennen, die eine Tapisserie für ihren venezianischen Palazzo bei ihr in Auftrag gab, sie vor allem aber mit ihrem späteren Mentor Thomas Messer, Direktor des Guggenheim Museums in New York, bekannt machte. Beide ermutigten Rosemarie Koczÿ, nach New York zu ziehen, um im damaligen „Hotspot“ der Kunstszene ihre Arbeit weiterzuentwickeln.

Mitte der 1970er Jahre rückten schließlich die Aufarbeitung ihrer Kindheitserlebnisse und der Holocaust ins Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Bis zum ihrem Tod entstanden mehr als 12.000 Tuschezeichnungen, mit denen Rosemarie Koczÿ der Opfer der Shoa gedachte und die sie rückseitig mit stets demselben Text versah: „Ich webe Euch ein Leichentuch.“ So zollte sie den Toten Respekt: „Das Leichentuch ist das Strichgewebe, das jede meiner Gestalten umgibt, um sie in Würde zu beerdigen.“

Diese Trauerarbeit bildet nun das Zentrum der mit rund 100 Exponaten bestückten Schau in Recklinghausen. Die Kunsthalle kann sich dabei auf eine geplante Schenkung stützen, die Koczÿs Ehemann, der amerikanische Komponist Louis Pelosi, dem Museum aus ihrem Nachlass überlassen will. Gerade in ihren Zeichnungen verwebt Rosemarie Koczÿ feine Linienstrukturen und ausgezehrte Menschengestalten mit großen Augen, die sich oft im Nichts verlieren. So erzeugt sie eine „geradezu immaterielle Flüchtigkeit und Transparenz der Linie: Ein seidener Faden, an dem das Leben hängt und doch stark genug, Hoffnung zu geben“, so die Mitteilung des Museum.

Die Ausstellung „Rosemarie Koczÿ“ läuft vom 27. August bis zum 19. November. Die Kunsthalle Recklinghausen hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Kunsthalle Recklinghausen
Große-Perdekamp-Straße 25-27
D-45657 Recklinghausen

Telefon: +49 (0)2361 – 50 19 35
Telefax: +49 (0)2316 – 50 19 32

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


27.08.2017, Rosemarie Koczÿ

Bei:


Kunsthalle Recklinghausen

Bericht:


Rosemarie Koczÿ war kein Opfer des Holocaust

Künstler:

Rosemarie Koczÿ








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